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Der schwierige Weg zum Praktikumsplatz

Jeder Schüler muss in der neunten Klasse ein Praktikum machen. Dieser Kontakt zur Arbeitswelt ist oft kompliziert.

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© Egbert Kamprath

Von Leoni Fiedler

Dippoldiswalde. Zurzeit sind die Neuntklässler des Glückauf-Gymnasiums Dippoldiswalde nicht in der Schule, sondern auf der Arbeit. Sie machen ihr Praktikum. Viele lernen so zum ersten Mal die Berufswelt kennen. Am Anfang steht dabei die Stellensuche. Manche haben dabei Glück gehabt. Nelly Münzner aus Oelsa bekam auf ihre erste Bewerbung beim Amtsgericht Dippoldiswalde gleich eine Zusage. Doch ein paar ihrer Klassenkameraden hatten erst mehrere Hindernisse zu überwinden, bevor sie einen Praktikumsplatz fanden, wie Beatrice Thaler aus Malter. Die Neuntklässlerin ging bei einigen Fotografen in der Umgebung persönlich vorbei, um nach einem Praktikum zu fragen. Doch alle sagten ihr ab. Sie begründeten es damit, dass sie keine Aufgaben für Praktikanten haben. Dann schickte die Fünfzehnjährige eine Bewerbung an die Abteilung Mediendesign in einem Dresdner Unternehmen. Auch von dort bekam sie eine Absage. „Ich habe schon von Anfang an festgelegt, dass ich irgendwas Kreatives machen möchte“, sagte sie. Mit dieser Einstellung fand sie schließlich einen Platz in einem Friseursalon. Mit der Hilfe von Eltern und Lehrern haben dieses Jahr alle 90 Schüler der Klassenstufe neun rechtzeitig einen Praktikumsplatz gefunden, informierte Beratungslehrerin Jeanet Reichel. Sie ist zuständig für die Organisation des Praktikums und gibt auch Unterstützung, wenn jemand nicht aus eigener Kraft eine Stelle findet. In solchen Fällen vermittelt sie Kontakt zu Betrieben. Schüler, die zu spät mit der Praktikumssuche beginnen, haben es schwerer, noch einen Platz zu finden als diejenigen, die zuerst kommen. Gute Stellen sind natürlich schnell vergeben.

Lehrer gucken nach dem Rechten

Der Sinn des Praktikums ist es, dass die Schüler das Berufsfeld kennenlernen. Beatrice Thaler räumt im Friseursalon Regale ein und schaut der Friseurmeisterin beim Färben und Frisieren zu. Was sie gelernt hat, kann sie an einer Puppe mit Echthaar- Perücke selbst ausprobieren.

Nelly Münzner wechselt in den zwei Wochen, die sie am Amtsgericht verbringt, zwischen zwei verschiedenen Abteilungen des Gerichts, um möglichst viele Seiten des Berufsfeldes kennenlernen zu können. In der ersten Woche war sie in der Betreuungsabteilung beschäftigt. Sie sortierte Post, kopierte und legte neue Akten an. In der zweiten Woche schnuppert sie noch in die Strafabteilung hinein. Auch sie kann ihren Praktikumsbeauftragten über die Schulter schauen und dabei mehr über den Beruf erfahren. Die Fünfzehnjährige kann sich durchaus vorstellen, später in diesem Berufsfeld zu arbeiten. Beatrice Thaler ist sich da noch nicht so sicher. Sie möchte eher in die Richtung der Fotografie gehen. Trotzdem gefallen ihr der Praktikumsplatz und die Arbeit.

Die Praktikanten sind in ihrem Praktikum aber nicht allein. In den zwei Wochen kriegen sie an ihren Arbeitsstellen Besuch von einem ihrer Lehrer. Dieser schaut sich ihre Arbeit an und erkundigt sich, wie ihr Praktikum läuft.

Die Autorin dieses Beitrags absolviert derzeit ihr Praktikum in der Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung.