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Der Steuermann muss von Bord

Die Sächsische Dampfschiffahrt hat ihren Geschäftsführer Sebastian Meyer-Stork beurlaubt. Jetzt übernimmt vorerst die Reederei-Chefin das Ruder.

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Von Bettina Klemm

Für Sebastian Meyer-Stork muss es am Dienstag eine böse Überraschung gewesen sein. Hatte er doch gehofft, dass sein Vertrag verlängert wird. Stattdessen kam für den Geschäftsführer der Sächsischen Dampfschiffahrt das Aus. Der 52-Jährige musste seine Sachen packen. Er bitte um Verständnis, dass er dies nicht kommentieren wolle, sagt Sebastian Meyer-Stork auf SZ-Anfrage.

Bis zum regulären Ende des Vertrages am 30. Juni 2014 erhält er weiterhin sein Gehalt. Das bestätigte Stephan Gößl, Sprecher im Finanzministerium. Auch er möchte sich zu den Trennungsgründen nicht äußern. Es handle sich um eine gemeinsame Entscheidung der Gesellschafter. Vorerst übernimmt Karin Hildebrand die Geschäftsführung. Sie ist bereits im Impressum der Sächsischen Dampfschiffahrt eingetragen. Die Münchner Diplom-Ökonomin ist die Witwe des 2010 verstorbenen Conti-Reederei-Chefs Klaus Hildebrand. Dieser hatte 1992 von der Treuhand die Weiße Flotte erworben und insgesamt 36 Millionen Euro in die Sanierung der Schiffe gesteckt. Der Freistaat hatte sich damals ein Mitspracherecht und die Mehrheit an der GmbH verschafft, obwohl er am eigentlichen Unternehmen nur sehr wenige Anteile hält.

Sebastian Meyer-Stork hat die Flotte mit ihren 13 Schiffen 2010 übernommen. Waren die 330 Mitglieder der Kommanditgesellschaft bis dahin verwöhnt und erhielte jährlich gute Ausschüttungen, gab es nun plötzlich Verluste. Lagen zu Zeiten von Flottenchef Michael Lohnherr die Gewinne in der Regel zwischen einer und eineinhalb Millionen Euro, waren es in im vergangenen Jahr nur 70.000 Euro. Meyer-Stork, der damals unter mehr als hundert Bewerbern ausgewählt worden war, sei überfordert gewesen, sagen Insider. Er kam als Chemiker aus Bielefeld zur Flotte. Seine Rettungsaktionen, auch nach dem Juni-Hochwasser, seien nicht erfolgreich gewesen. Trotz Dieselpreisexplosion hatte er die Fahrpreise nicht erhöht. In diesem Jahr sollen die Verluste nur knapp unter der Millionengrenze liegen. Das war offensichtlich der Grund für die Reißleine.