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Der Telefonfluch von Lotzen

Seit fast zwei Monaten ist in einem Lotzener Haushalt der Telefonanschluss kaputt. Die Telekom findet den Fehler nicht.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Klipphausen. Thomas Röthig versteht die Welt nicht mehr. Seit mittlerweile sieben Wochen ist sein Telefonanschluss gestört und Besserung ist nicht in Sicht. „Ich habe bestimmt schon 15 bis 20 Mal die Kundenhotline angerufen und immer wieder werde ich vertröstet. Ich kann mit meiner Freizeit auch etwas Besseres anfangen, als ständig am Telefon zu sitzen“, ärgert sich der 44-Jährige.

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Erschwerend kommt hinzu, dass er mit der Deutschen Telekom, bei der er Kunde ist, schon öfters schlechte Erfahrungen gemacht hat. „In den zurückliegenden anderthalb Jahren war der Telefonanschluss 28 Mal außer Betrieb“, sagt Röthig, für den auch das Handy keine Alternative ist. „Wir leben ja hier in Klipphausen teilweise im Funkloch. Mein Handy funktioniert nur im Garten an der Vogelvoliere oder in der Badewanne“, berichtet der 44-Jährige.

Weil es für ihn auch beruflich wichtig ist, telefonisch erreichbar zu sein, muss er sich deshalb jeden Abend ins Badezimmer begeben, um den nächsten Tag zu planen. „Ich arbeite auf dem Bau und muss mich mit meinem Chef absprechen, wenn für eine Baustelle etwas zu organisieren ist.“

Obwohl bereits Techniker vor Ort waren, hat das meistens nichts gebracht. „Die haben den Schaltkasten oft nur aufgemacht, reingesehen, ihn wieder geschlossen, und sind gegangen“, beschreibt Röthig das Vorgehen der Arbeiter. Andere Experten hätten wiederum von einem Teil in der Leitung gesprochen, das kaputt sei und bestellt werden müsse. „Da gab es so viele Erklärungen, dass ich es irgendwann nicht mehr glauben konnte. Inzwischen halte ich alles für Schwindelei.“

Trotz dieser langen Leidensgeschichte bucht die Telekom Monat für Monat 40 Euro von Thomas Röthigs Konto ab. „Die haben mir erklärt, dass ich das Geld erst erstattet bekomme, wenn der Anschluss wieder geht.“ Allerdings ist fraglich, wann es soweit sein wird, denn das Problem scheint schwerwiegend zu sein. „Verschiedene Nachbarn in unserer Straße sind ebenfalls betroffen. Ein Techniker, den ich auf der Straße angesprochen habe, sagte mir einmal, dass bis zu zehn Anschlüsse defekt seien.“

Um die Zeit bis zum nächsten Reparaturtermin zu überbrücken, der manchmal mehrere Monate auf sich warten lässt, habe die Telekom regelmäßig eine Rufumleitung aufs Handy vorgeschlagen. Aber auch das hatte seine Tücken. „Wir mussten plötzlich auch alle ankommenden Anrufe bezahlen.“ Das Geld habe er nur zurückbekommen, weil er sich beschwert habe, so Röthig.

Auf SZ-Nachfrage bestätigt die Deutsche Telekom den Fall und teilt mit, dass in Lotzen neben Thomas Röthig drei weitere Kunden betroffen sind. Sprecher Dirk Becker nennt die Gründe: „In dem betroffenen Ortsteil war/ist eines unserer Kabel an mehreren Stellen beschädigt. Die Entstörung ist leider recht aufwendig. Zunächst müssen die Fehler durch Messungen lokalisiert werden, da das Kabel im Boden liegt und nicht frei zugänglich ist.“

Anschließend könne man mit den notwendigen Tiefbaumaßnahmen beginnen. Sobald das Kabel freigelegt sei, werde das beschädigte Stück entfernt. Nach Angaben der Telekom sollen die Arbeiten am Donnerstagabend beendet sein. Teilweise ist es dann nötig, dass die Haushalte ihre Telefonanlage oder den Router neu starten, bevor das Telefon wieder funktioniert.