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Der Weg zum Beruf

Jugendliche konnten sich in Löbau selbst ausprobieren. Die Ausbildungsmesse des Landkreises war wieder ein Erfolg, manche Jobs haben es dennoch schwer.

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© Matthias Weber

Von Andreas Herrmann

Löbau. Knifflige Aufgaben sind es gewesen, die Jugendliche beim Insidertreff am Sonnabend in Löbau lösen konnten. So, wie Kevin Seibt sich am Löten eines Kupferrohres versuchte, hielt die Ausbildungsmesse des Landkreises wieder viele Möglichkeiten bereit, sich auszuprobieren und so auf der Suche nach einem passenden Beruf voranzukommen. Eine Art Zauberwürfel aus Metall hatte zum Beispiel Andreas Urban, Lehrausbilder bei Havlat Präzisionstechnik Zittau, zur Ausbildungsmesse mitgebracht. Zerlegt in Einzelteile konnten Interessenten für einen Lehrberuf im Metallbereich diesen Würfel zusammensetzen. Wer das korrekt und in einem gewissen Zeitlimit schafft, der sei durchaus geeignet später einmal hoch komplizierte Präzisionsbauteile herzustellen, sagt der Fachmann. Der Würfel zum Zusammenbauen ist eine Art pädagogischer Test der technischen Potenziale junger Leute. „Ich verwende den auch beim Einstellungstest“, meint Herr Urban weiter. Natürlich neben der Abfrage anderer Kenntnisse und der Zeugnisnoten, wobei Mathematik hier auch wichtig ist. Dabei scheint auch die soziale Komponente bei Havlat nicht zu kurz zu kommen. Man bilde nicht für die Straße aus, betont Urban. Nach Lehrabschluss winke auch ein Arbeitsplatz, erfuhren die Zuhörer am Stand.

So wie bei Havlat informierten sich am Sonnabend zahlreiche junge Leute über eigentlich alles, was an Ausbildungsmöglichkeiten in der Region vorhanden ist. Dabei trafen sie auf Insider ganz verschiedener Branchen – von eher körperlicher Arbeit im Handwerk über die verschiedenen Pflegeberufe bis hin zu den Geldinstituten. Über so viel Engagement freute sich auch Landrat Bernd Lange (CDU) während seines Rundganges. Die Ausbildungsmesse fand nun zum vierten Mal statt und der große Zuspruch sei die erste Voraussetzung, dass sich die Menschen mit dem Potenzial der Region beschäftigen. Das gelte für Eltern und Schüler, sagte er. Die Messe trage dazu bei, dass Jugendliche in der Region blieben. Natürlich würden Leute weggehen, um Erfahrungen zu sammeln, aber sie sollten auch wieder zurückkehren. Sie brauchten außerdem zuerst einen Grundberuf, mit dem sie dann im einen oder anderen Fall durchaus als Nachfolger die Unternehmen der Oberlausitz weiterführen könnten. Genauso wichtig sind für Lange aber auch Neugründer. Da gebe es viele Beispiele von kleinen Unternehmen mit zwei oder drei Leuten beispielsweise im Softwarebereich. Auch die sollten auf der Messe Anregungen finden.

Dass neben Software-Startups oder Präzisionsteilebau auch die gute alte Landwirtschaft noch Chancen hat, wurde am Stand der Agrargenossenschaft Eibau deutlich. Zu den Ausbildungsberufen Land- und Tierwirt gehöre vor allem Liebe zur Natur, sagt Katharina Kuntsche. Zwar seien die Verdienstmöglichkeiten nicht so hoch, aber in der Landwirtschaft sei bei frischem Wetter kein Tag wie der andere und Landwirtschaft im Sinne von Heimatpflege durchaus etwas wie eine Berufung für Idealisten.

Ganz andere Berufsfelder präsentierte wiederum Sandra Masur von der fit GmbH aus Zittau. Hier riecht es nach Chemie. Aufgebaut hatten die fit-Leute dazu eine Miniaturfließstrecke, wo zahlreiche Interessierte die Entstehung von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln anfassen konnten. Mit dabei auch ein Quiz und Granulat zum Anfassen für Flaschen, die vor Ort selbst hergestellt werden. Um das Befüllen, allerdings mit Getränken, ging es bei den Mineralquellen Oppach. Hier zogen sogenannte Refraktometer das Interesse auf sich. „Mit denen misst man den Zuckergehalt der Getränke“, erklärt Andreas Knechtel, der zudem noch viel über die Lehrinhalte seiner Firma zwischen Qualitätssicherung, Instandsetzung aber auch Transport und Vertrieb erläuterte. Jana Pfennig von der Löbauer Bäckerei Schwerdtner schließlich präsentierte das Bäckerhandwerk und die Bäckerinnung, vertreten durch Gottfried Paul aus Herrnhut. Dieser Stand war etwas für echte Praktiker. Die Besucher durften Teig walzen, formen und Kuchen natürlich verzieren. Der Beruf des Konditors sei sehr gefragt, Bäcker nicht ganz so. Das wiederum liegt nicht zuletzt am Ruf des frühen Aufstehens.