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Der weite Weg der Grünlichtenberger Glocke

Die mehr als 530 Jahre alte Glocke entging nur knapp dem Einschmelzen. Für andere gab es Nachfolger aus Stahl.

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m Turm der Grünlichtenberger Kirche zeigt Michael Kreskowsky die im Jahr 1483 gegossene Glocke, die auch schon in Hamburg war.
m Turm der Grünlichtenberger Kirche zeigt Michael Kreskowsky die im Jahr 1483 gegossene Glocke, die auch schon in Hamburg war. © André Braun

Von Christian Kluge

Grünlichtenberg. Geschichtliche Recherchen, die sind total das Ding von Michael Kreskowsky. Der 39-Jährige wohnt im Pfarrhaus von Grünlichtenberg. Er ist unter anderem im Ehrenamt Vorsitzender des Fördervereins Museum „Alte Pfarrhäuser“ Mittweida, leitet Gottesdienste und Gemeindekreise im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz und ist für die Geschichte und Ahnenforschung der Kirchgemeinden zuständig.

Alles, was mit Geschichte zu tun hat, ist für das Mitglied des Grünlichtenberger Kirchenvorstandes spannend, so auch die Historie der Glocken in der Region. Was er über die sakralen und profanen Glocken im Kirchspiel Waldheim-Geringswalde und die erst 50 Jahre alte Glocke in Grünlichtenberg herausgefunden hat, erzählte er 20 Gästen, die trotz des ungemütlichen Wetters zu seinem Vortrag ins Pfarrhaus gekommen waren. Und dort erfuhren sie: Nicht alle Glocken haben in Kirchen geläutet.

„Das Rathaus in Waldheim hat eine Glocke, die Papierfabrik in Kriebstein hatte einen Glockenturm mit zwei Glocken und auch auf der Burg Kriebstein gibt es eine Glocke“, erzählt Kreskowsky. „In Grünlichtenberg gibt es sogar Bauernhöfe, die eine Glocke haben. Und die Drehleiter der Feuerwehr war noch 1924 mit einer Glocke ausgerüstet. Ebenso wie die Schiffe auf der Talsperre Kriebstein und die alten Dampfloks. Ich möchte darüber einfach mal einen Überblick geben.“

Und so zeigte der Ahnenforscher in einer Power-Point-Präsentation zahlreiche Fotos. „Es hat eben alles seinen Zusammenhang in unserer Region.“ So sammelt der engagierte Ehrenamtliche nebenbei natürlich auch Spenden, um alte Glocken im heimischen Kirchspiel wieder auf Vordermann zu bringen.

Wie sieht es denn nun beispielsweise mit der Geschichte der Grünlichtenberger Glocken aus? Michael Kreskowsky: „Die große Glocke im Kirchturm wurde 1483 in Halle gegossen. Die Glockeninschrift lautet übersetzt: König der Ehre, Bitte um Frieden Heilige Maria. Im Jahre des Herrn 1483.“ Während diese Glocke zu Kriegszeiten 1917 schon einmal vor dem Einschmelzen bewahrt wurde, musste sie 1940 erneut abgegeben werden. „Gott sei Dank wurde die 1500 Kilogramm schwere Glocke im Jahre 1950 auf dem Hamburger Glockenfriedhof gefunden“, weiß Kreskowsky. Anschließend kehrte sie damals wieder zurück in ihre heimische Kirche. Die drei kleineren Glocken wurden dann 1968 in Apolda gegossen und durch Spenden der Einheimischen finanziert.

Doch warum wurden zu Kriegszeiten überhaupt so viele Bronzeglocken abgebaut und teilweise dann auch eingeschmolzen? „Die Bronze brauchte man unter anderem für Granathülsen und Geschützrohre“, erklärt der Grünlichtenberger Ahnenforscher. „Die Legierung von 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn war dafür bestens geeignet.“

Nach 1920 wurden Glocken dann auch aus Stahl gegossen und verursachten oft Probleme mit der Fliehkraft, weil sie bei gleicher Größe wesentlich schwerer waren als ihre Vorgänger aus Bronze, wenn der gleiche Ton erzeugt werden sollte. „Wir haben hier bei uns im Kirchspiel auch ein paar Kirchen mit Stahlglocken“, sagt Kreskowsky.

www.kirchspiel-waldheim-geringswalde.de