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„Der Winter hat sich festgefressen“

Zum Wochenstart hieß es in Dresden: Räumen, Streuen und Tragflächen enteisen. Und der Schnee bleibt vorerst.

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© Sven Ellger

Von Henry Berndt und Peter Hilbert

Der Flockenwirbel hat Dresden zum Wochenauftakt wieder ganz in Weiß gehüllt. Für viele ist das eine Freude. Andere kümmern sich darum, dass Straßen und Wege frei und Wohnungen trotz der Kälte gemütlich warm sind.

Große Technik: Der Schneeschieber reicht beim Klotzscher Hausmeister Axel Höhme nicht mehr aus. Deshalb kommt jetzt die Schneefräse zum Einsatz, um die Wege zu beräumen.
Große Technik: Der Schneeschieber reicht beim Klotzscher Hausmeister Axel Höhme nicht mehr aus. Deshalb kommt jetzt die Schneefräse zum Einsatz, um die Wege zu beräumen. © Sven Ellger
Große Kunst: Der sechsjährige Emil baut im Großen Garten an einem Riesen-Schneemann.
Große Kunst: Der sechsjährige Emil baut im Großen Garten an einem Riesen-Schneemann. © Sven Ellger
Große Hilfe: Die Räumfahrzeuge waren vor allem auf den Hauptstraßen im Einsatz.
Große Hilfe: Die Räumfahrzeuge waren vor allem auf den Hauptstraßen im Einsatz. © Sven Ellger

Der Winterdienst: Räumfahrzeuge bereits ab 3 Uhr im Einsatz

Nach einem arbeitsreichen Wochenende musste der Winterdienst auch am Montagmorgen wieder früh raus. Ab 3 Uhr waren 51 Mitarbeiter im Einsatz, um für den Berufsverkehr die wichtigsten Strecken freizuräumen und zu streuen. Später am Tag kamen auch Nebenstraße an die Reihe, wie Straßenbauchef Reinhard Koettnitz sagte. Laut Polizei wurden bis zum Nachmittag 43 Unfälle registriert. Meist blieb es bei Blechschäden. Eine Frau wurde verletzt. Als der Schneefall stoppte, konnten auch einzelne Radwege freigeräumt werden.

Die Hausmeister: Auf Klotzscher Wegen muss Schneefräse eingesetzt werden

Auch Axel Höhme musste am Montag zeitig raus. Ab um fünf war der Hausmeister der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft Dresden (SWGD) in seinem Klotzscher Gebiet Lubminer/Boltenhagener Straße im Einsatz. Die Fußwege an den Häusern werden zwar weitgehend von den Mitarbeitern der Moritzburger Firma GLF beräumt. Der 34-Jährige kümmert sich aber dann noch um den Feinschliff an Hinterausgängen oder um die Mülltonnen. Außerdem beräumt er die Wege und Parkflächen an der Klotzscher SWGD-Außenstelle. „Bei etwa 13 Zentimern Neuschnee war nichts mehr mit Handschieben. Da mussten wir die Schneefräse nehmen“, berichtet Höhme.

Bei der Genossenschaft mit ihren rund 9 600 Wohnungen kümmern sich 23 Hausmeister und sieben einheimische Firmen um den Winterdienst, so Sprecherin Katrin Papke. Wochentags muss laut städtischer Anliegersatzung bis 7 Uhr geräumt sein, sonntags bis 9 Uhr. „Für uns hat es oberste Priorität, das einzuhalten“, sagt sie. Das werde in der Regel auch geschafft.

Die Heizkraftwerke: Gasturbinen an der Nossener Brücke lange nicht am Limit

Acht Dresdner Heizkraftwerke sorgen derzeit dafür, dass Wohnungen und Büros gemütlich warm bleiben. Am Montag erreichten die Maschinen bei durchschnittlich minus einem Grad eine Leistung von 510 Megawatt (MW), teilt Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann mit. Eine Herausforderung für die modernen Anlagen ist das jedoch nicht. Immerhin haben sie eine Spitzenleistung von 812 MW, sodass sie selbst bei starkem Frost noch genügend Fernwärme liefern können. Der Großteil davon kommt aus dem Heizkraftwerk Nossener Brücke. Die drei dortigen Gasturbinen haben eine Leistung von 480 MW. Am Montag wurden dort 410 MW benötigt.

Der Flughafen: Leichte Verspätungen wegen vereister Tragflächen

Durch die nötigen Enteisungen von Tragflächen kam es am Dresdner Flughafen am Montagvormittag zu kleineren Verspätungen. Ein etwa 80 Grad heißes Glykol-Wasser-Gemisch machte die Flieger startklar. Zuvor musste am Morgen eine Fläche von 76 Fußballfeldern vom Neuschnee befreit werden. Das übernahmen zwei Winterdienst-Schichten mit je 16 Einsatzkräften, die das Areal nach einem lang erprobten System mit ihren Räumfahrzeugen abfuhren. „Alles läuft nach Plan“, sagte Sprecher Christian Adler. Nur ein Flug nach Zürich wurde „aus technischen Gründen“ gestrichen. Das habe allerdings nichts mit dem Wetter zu tun gehabt.

Die Elbe: Das Eis ist weg, der Schiffsverkehr hat freie Fahrt

Dem Verkehr auf der Elbe kann der Winter derzeit nichts anhaben. „Es gibt keinerlei Behinderungen“, sagt Daniel Dasenbrock vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Dresden. „Wir haben derzeit Wassertemperaturen um die 3 Grad“, sagt er. „Das ist völlig unproblematisch.“ Noch in der vergangenen Woche hatte das Amt erste Warnungen wegen Eisschollen herausgegeben. Im Bereich des Pieschener Hafens hatte sich eine zwei bis drei Zentimeter dicke Eisschicht gebildet, die aber laut den aktuellen Angaben wieder verschwunden ist.

Die Aussichten: Bei Dauerfrost kommt kaum neuer Schnee dazu

„Der Winter hat sich bei uns festgefressen“, bringt es Meteorologe Jens Oehmichen vom Deutschen Wetterdienst auf den Punkt. In den nächsten Tagen bleibt es kalt. Tagsüber um die minus 3 Grad, nachts teilweise unter minus 10 Grad. „Der Dauerfrost bedeutet auch, dass sich keine neue Glätte mehr bilden wird“, sagt Oehmichen. Trotz Hochdruckeinfluss bleibt es zunächst meist dicht bewölkt, Schnee kommt bis Ende der Woche aber kaum noch dazu. Es bleibt bei den 10 bis 15 Zentimetern.

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