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Cranach-Triegel-Altar kehrt in den Naumburger Dom zurück - Suche nach langfristiger Lösung

Ein Jahr war der Cranach-Triegel-Altar auf Reisen, jetzt kehrt er in den Naumburger Dom zurück. Es war eine Verschnaufpause in einer hitzigen Debatte um Denkmalpflege, Welterbe und Kunst. Wie geht es nun weiter?

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Der Leipziger Maler Michael Triegel hatte das 1519 von Lukas Cranach d. Ä. geschaffene Kirchengemälde wieder vervollständigt und den Mittelteil neu geschaffen.
Der Leipziger Maler Michael Triegel hatte das 1519 von Lukas Cranach d. Ä. geschaffene Kirchengemälde wieder vervollständigt und den Mittelteil neu geschaffen. © Hendrik Schmidt/dpa

Naumburg (Saale). Der Leipziger Maler Michael Triegel (54) will es sich nicht nehmen lassen, an diesem Samstag (2. Dezember) in den Naumburger Dom zu kommen. Fast auf den Tag genau ein Jahr nachdem sein Altargemälde nach hitzigen Diskussionen abgebaut wurde, kehrt das Werk nun zurück in den Westchor des Doms. "Mit großer Freude, keine Frage", sagt Triegel, sehe er dem Samstag entgegen. Doch auch wenn es vorerst ein Happy End für den Cranach-Triegel-Altar gibt, bestehen noch viele Fragezeichen. Denn bislang ist nur sicher, dass das Bild bis Mitte 2025 zu sehen sein wird. Was danach passiert, ist offen.

Triegel hatte sein Marienbild im Auftrag der Vereinigten Domstifter und der evangelischen Domgemeinde, Eigentümer und Nutzer des Doms, geschaffen, gefördert vom Land Sachsen-Anhalt. Er hatte damit eine Lücke in dem zwischen 1517 und 1519 von Lukas Cranach dem Älteren geschaffenen Altaraufsatz geschlossen. Die beiden Seitenflügel sind im Original erhalten, das Mittelstück fiel nach Angaben der Domstifter einem Bildersturm im 16. Jahrhundert zum Opfer und wurde von Triegel neugestaltet.

Streit um den Standort im Westchor des Doms

Doch unmittelbar nach der Weihe des Altars im Juli 2022 gingen die Debatten los. Umstritten ist der Standort im Westchor des Doms zwischen den berühmten Stifterfiguren wie Uta von Naumburg. Das Kunstwerk beeinträchtige die "äußerst sensiblen Blickbeziehungen im Westchor", hieß es von einem Experten des Weltdenkmalrates Icomos. Er zweifelte auch an, dass es den Bildersturm gegeben hat.

Öffentlich wurde sogar über eine mögliche Gefährdung des Welterbe-Status des Naumburger Doms spekuliert. Die Vereinigten Domstifter reagierten und schickten den Altar für ein Jahr auf Reisen. Er war zwischenzeitlich in Paderborn und Wien zu sehen.

"Die Diskussion war natürlich ziemlich irritierend für mich", sagt Triegel. "Umso schöner ist es, dass der Altar jetzt wieder zurückkommt und dass Leute die Gelegenheit haben, die Bilder auch zu sehen."

Der Maler ist überzeugt, dass sein Werk in den Westchor gehört. "Ich habe den Altar ja ganz bewusst für diesen Ort geschaffen. Er würde anders aussehen, wenn ich von vornherein einen anderen Ort im Kopf gehabt hätte. Bestimmte Ikonografien, bestimmte kompositorische Dinge und auch inhaltliche Konnotationen würden woanders überhaupt nicht funktionieren", sagt der 54-Jährige. An einem anderen Standort wäre der Altar ein "Museumsbild", aber keine liturgische Mitte mehr.

Wie es nach 2025 mit dem Cranach-Triegel-Altar weitergeht, ist unklar

Dass der Altar eine Funktion für den Dom hat, darauf verweisen auch die Vereinigten Domstifter. "Der Naumburger Dom ist zwar ein touristischer Hotspot, aber er ist eben kein Museum. Wir haben nach wie vor eine Kirche vor uns mit liturgischen Orten", sagt Archivar Dr. Matthias Ludwig. Im 16. Jahrhundert sei mit der radikalen Entfernung des Mittelteils des Cranach-Altars eine Lücke gerissen worden, die im Projekt "Triegel triff Cranach" geschlossen werden sollte.

Auch die Vereinigten Domstifter seien von der Diskussion überrascht worden. Ludwig kann ihr aber inzwischen auch etwas Positives abgewinnen. "Dadurch wurde die Frage aufgeworfen: Wie weit kann Denkmalschutz gehen, wenn er so etwas wie die Liturgie, also eine gelebte Kirche, unterbindet?" Dazu wurde im vorigen Jahr eine wissenschaftliche Tagung veranstaltet, am Samstag erscheint eine Publikation.

Wie es nach 2025 mit dem Cranach-Triegel-Altar weitergeht, ist bislang ungeklärt. Ludwig geht davon aus, dass die Unesco und Icomos gemeinsam mit dem Land und dem Bund die Zeit nutzen werden, um das Projekt zu evaluieren. Denkbar sei ein Kompromiss, aber noch sei nichts spruchreif. "Ich bin zuversichtlich, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden", sagt der Archivar. Und auch Maler Triegel hofft darauf, dass sein Altar lebendiges Zentrum im kirchlichen Alltag sein kann: "Eine Kirche, ein Dom ist kein Museum für mittelalterliche Steinplastik." (dpa)