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Die den Deckel drehen

In den vergangenen Tagen flogen jede Menge Frisbeescheiben durch das Ostragehege. Ein Dresdner Verein war daran nicht schuldlos.

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© Toni Rosemann

Von Cornelius de Haas

Freude und Enttäuschung liegen bei Thomas Weiße auch nach dem Wochenende noch immer ziemlich eng beieinander. Einerseits freut sich der 36 Jahre alte Dresdner über die gelungene Austragung der deutschen Meisterschaften im Ultimate Frisbee, auf der anderen Seite ist da das unglückliche Abschneiden der beiden Teams seines Vereins. Drehst’n Deckel heißt der und Weiße ist dessen Vorsitzender.

„Anders als in den vergangenen Jahren ist diesmal kein Spiel wetterbedingt ausgefallen, hat also alles funktioniert“, freut sich der studierte Geograf, der mit seinem Verein dem Deutschen Frisbee Verband bei der Ausrichtung der Meisterschaften half. Insgesamt 46 Mannschaften und gut 700 Aktive aus allen Ecken des Landes spielten auf zehn Feldern ihre Besten aus. Und doch – das hört man seiner Stimme an – trübt etwas den guten Gesamteindruck. „Es ist immer blöd, wenn man die wichtigen Spiele verliert“, ärgert sich Weiße. Dabei unterliegt er überhaupt nicht gerne.

In der Spielklasse Open – in der zumeist Männer aktiv sind, aber auch Frauen vertreten sein dürfen – holten die Deckeldreher aus Dresden in sieben Spielen lediglich zwei Siege. Das kam nicht völlig unerwartet, doch eine Niederlage war besonders bitter. Denn hätten die Dresdner ihre Partie gegen das Berliner Team Hund Flach Werfen am Sonntagmorgen gewonnen, wären sie dank der Aufstockung der ersten Liga auf 16 Teams im nächsten Jahr erstklassig gewesen. So schaffte es Drehst’n Deckel aber im Feld der 30 Teilnehmer nur ins Spiel um Platz 17, in dem es dann die zweite Turnierniederlage gegen das Team Deine Mudder aus Bremen setzte.

Ähnlich erging es auch den sächsischen Frauen, die sechsmal antraten, drei Siege und drei Niederlagen einfuhren und trotzdem nur auf Rang 14 von 16 einkamen. „Du kannst in der Vorrunde überzeugen, aber das nützt nichts, wenn dann der erste Überkreuzvergleich verloren geht“, erklärt Weiße, wie es trotz einer solchen Bilanz zu so einem Ergebnis kommen kann. Konsequenz: Auch das unter dem Namen Undercover antretende Dresdner Frauen-Team spielt weiter zweitklassig.

Erstklassig ist dagegen das Leben in dem 1995 gegründeten Verein. Rannten anfangs nur gut zwei Handvoll Sportler der Scheibe hinterher, sind es mittlerweile etwa 100. Zudem gibt es seit Kurzem ein Juniorenteam, in dem Teenager dem Sport frönen, der selbst auf höchster Ebene ohne Schiedsrichter auskommt. „Inzwischen spielen aber auch die ersten Kinder von Vereinsmitgliedern bei uns, was den Altersschnitt noch einmal deutlich Richtung 20 drückt“, sagt Weiße erfreut.

Auf einem 100 mal 37 Meter großen Spielfeld, das wie im American Football über zwei Endzonen verfügt, wird Sieben gegen Sieben gespielt. Ziel ist es, die Scheibe in der gegnerischen Endzone zu fangen. Denn mit dem Spielgerät in der Hand ist Laufen nicht erlaubt, länger als zehn Sekunden darf der Frisbee nicht gehalten werden. Ebenso tabu ist Körperkontakt. Gemäß des „Spirit of the game“, dem Geist des Spiels, werden Regelverletzungen und Meinungsverschiedenheiten untereinander fair geklärt. In Deutschland gibt es etwa 5 000 Aktive und die Hoffnung, in absehbarer Zeit in den Deutschen Olympischen Sportbund aufgenommen zu werden.

Der Drehst‘n Deckel e.V. hofft auf neue Mitspieler. Trainingszeiten im September sind dienstags 18 Uhr, mittwochs und freitags jeweils 18 Uhr im Ostragehege.

www.drehstn-deckel.de