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Die drei vom Weinberg

Lehre, Studium oder gar dual? Viele Wege führen zum Winzerberuf. Im Weingut Aust treffen sie zusammen.

© Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

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Kunst an vielen Orten in Dresden

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Radebeul. Die kleine Pausenbank im Aust’schen Weinberg hat das Zeug zum Messestand. Auf ihr verschnaufen drei Helfer von vielen Stunden Rebpflege – und bilden in dieser Formation eine Idealbesetzung für jede Ausbildungs- oder Karrieremesse. Denn das Trio repräsentiert in persona drei unterschiedliche Wege zum Winzerberuf.

Da ist Uwe Penckert, der eine Lehre macht, Marie Schreiber, die klassisch in Geisenheim studiert und Hannes Lewerenz, der das duale Studium gewählt hat.

„In der Ausbildung geht es darum, das Handwerk zu vermitteln, wie Wein produziert wird“, sagt der Chef des sächsischen Weinbauverbands Christoph Reiner. „Weinbereitung und Betriebsführung werden hingegen beim Studium vertieft.“ Viele Abiturienten nutzen die Lehre als Vorbereitung fürs Studium, weiß er. Dem Verbandsvorsitzenden zufolge sind dieses Jahr noch etliche Ausbildungsplätze frei. Von einem Nachwuchsproblem will er jedoch nicht sprechen. „Auffällig dieses Jahr ist, dass sich mehr als 50 Prozent Frauen für eine Winzerausbildung beworben haben“, berichtet er erfreut. Unverändert sei die hohe Anzahl an Quereinsteigern, die zum Beispiel ein Studium abgebrochen haben.

Zu diesen Quereinsteigern gehört auch Uwe Penckert. Jahrelang war der 58-jährige Dresdner in der Medienbranche tätig. Die meiste Zeit schrieb er Projektanträge im Büro und hoffte darauf, dass einer bewilligt wird. Nun setzt Uwe Penckert Jahr für Jahr ein komplettes Projekt um: vom Anlegen des Weinbergs bis zum Verkauf des fertigen Weins. „Ich habe mir diesen Beruf gezielt ausgesucht, nachdem ich schon viele Jahre in Gebiete gereist bin, wo es Wein gibt“, erzählt er. „Ich merke, dass ich nicht ganz so schnell die Terrassen in der Steillage hochspringe wie die jungen Leute, aber die Arbeit in der Natur tut mir gut.“

Die dreijährige Lehre macht er als Umschulung verkürzt in zwei Jahren. Für eine Ausbildung hat er sich entschieden, weil er – wenn auch ein anderes Fach – schon einmal studiert hat. „Und es ist eine finanzielle Frage“, räumt er ein. Lange hat er nach einem Ausbildungsbetrieb gesucht – und im Radebeuler Weingut Karl Friedrich Aust gefunden. Auch die Arge unterstützte ihn bei seinem späten Berufswechsel, sagt er. Sie ermögliche ihm nun sogar, noch den Gabelstaplerschein zu machen, den er braucht. Einzige organisatorische Herausforderung: Zur Berufsschule muss er nach Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz.

Marie Schreiber geht den universitären Weg. Drei Jahre Weinbau- und Önologie-Studium in Geisenheim. Dabei wusste die 21-jährige Chemnitzerin nach ihrem Abi an Meißens Hochbegabtenschmiede Sankt Afra zunächst gar nicht, wohin es sie zieht. Auf den Geschmack kam sie während eines Work-and-Travel-Aufenthalts in Neuseeland. Zwei Monate verbrachte sie in einem Weingut. Wo sie auch Studenten aus Geisenheim traf.

Um noch tiefer einzutauchen, machte sie Praktika bei Karl Friedrich Aust. Und arbeitete zwischendurch als Freiwillige auf Weingütern in Südafrika mit. „Diese Vielseitigkeit habe ich bei noch keinem anderen Beruf entdeckt“, sagt sie. „Man kann rumreisen, bei einem Glas Wein viele Kulturen vereinen, man kann geistig und kreativ wirken, und trotzdem bleibt man abhängig von der Natur.“

Hannes Lewerenz fasziniert an der Tätigkeit vor allem „die Aura des Künstlerischen“. Er meint die Kunst, aus einer Traube guten Wein herzustellen. Mit profunden naturwissenschaftlichen Kenntnissen und dem nötigen Fingerspitzengefühl. Der 28-Jährige aus Berlin machte in Jena den Bachelor in Kulturwissenschaft und Geografie, kam zum Masterstudium nach Dresden und brach dieses dann ab.

Über das Probearbeiten auf mehreren Weingütern und schließlich dem Aust’schen wurde er sicher: Der Winzerberuf ist es. Nach einem reinen Studium stand ihm allerdings nicht mehr der Sinn. „Ich wollte von der ersten Sekunde an in die Praxis, die Natur“, erzählt er. „Und mit der Lehre allein hätte ich bestimmt Lust auf ein Studium gehabt.“ Deshalb wählte er das duale System in Geisenheim. Ferien fallen bei dieser Variante komplett weg. Er hat Urlaubstage im Betrieb. Ansonsten wechseln sich Praktika und Uni direkt ab.

Karl Friedrich Aust freut sich über jeden Nachwuchs im Weinberg, der anhaltendes Interesse zeigt. „Wir brauchen gute Leute vor Ort, um die Weingüter erfolgreich zu bewirtschaften“, sagt er. Ob er selbst dieses Jahr einen Lehrling nimmt, wird er erst Mitte August entscheiden. Nachdem er alle Bewerbungen gesichtet hat. „Ich erwarte keinen Einserabschluss“, erklärt der Radebeuler Weingutschef. Aber um der Vielfältigkeit der Aufgaben im Betrieb gewachsen zu sein, brauche es eine dauerhafte Begeisterungsfähigkeit für Natur, Landwirtschaft und den Winzerberuf. Darauf hin schaut er sich alle Bewerber ganz genau an.