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Die Drillinge haben den Dreh raus

Freya, Theodora und Leander genießen sportliche Hausbesuche und die Sicht auf die Welt in Bauchlage.

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© André Wirsig

Von Nadja Laske

Drei Babys fahren Bus. Hin und wieder auch Kutsche. Und manchmal fahren sie aus dem Schlaf hoch – mit Vorliebe dann, wenn ihre Mutter Gerit gerade ein wenig eingenickt ist. Sind ihre Stimmen alle drei gleichzeitig auf Touren, sorgt der Lärmpegel ringsum für vibrierende Trommelfelle. Zum Glück aber prägen die Geschwister schon jetzt ihre Charaktere aus. Während Leander die nächste Mahlzeit laut einfordert und auch Freya nur wenig Gnade kennt, übt sich Theodora in Engelsgeduld. „Sie wartet immer ruhig ab, auch wenn sie Hunger hat“, sagt ihre Mutter. Weine die Kleine doch einmal, eile sie sofort zu ihr. „Dann hat sie mit Sicherheit etwas Ernstes auf dem Herzen.“

Kerngesund waren Freya, Leander und Theodora (v.l.) Ende April zur Welt gekommen und durften schon nach kurzer Zeit heim. Seitdem gedeihen sie prächtig und liegen nur noch selten so ruhig in ihrem Bettchen.
Kerngesund waren Freya, Leander und Theodora (v.l.) Ende April zur Welt gekommen und durften schon nach kurzer Zeit heim. Seitdem gedeihen sie prächtig und liegen nur noch selten so ruhig in ihrem Bettchen. © Andr Wirsig

Immer häufiger aber breitet sich im Haus der sechsköpfigen Familie eine harmonische Stille aus. Dann liegen die Drillinge mit wippenden Beinen und rudernden Armen auf ihrem Lager und greifen nach leise klappernden Stofftieren, die über ihnen aufgehängt baumeln. Wird ihnen das zu eintönig, drehen sie sich auf den Bauch, halten ihre schwankenden Köpfe wacker erhoben und stützen sich tapfer mit den Armen ab. Welch ein Perspektivwechsel!

Ende April waren die Drillinge im Uniklinikum geboren worden. Nun sind sie sieben Monate alt und haben großartig aufgeholt. Fünf Wochen vor der Zeit wurden sie wie geplant per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Damals wogen die drei zwischen 1.870 und 2.210 Gramm. Nun bringen sie achteinhalb bis neun Kilo auf die Waage und sind so proper, wie ihre Altersgenossen. Dass sie sich großartig und ohne Rückschläge entwickeln, erscheint ihren Eltern wie ein Wunder. Selbstverständlich ist das nicht. Mehrlingsschwangerschaften gelten als Risiko für Mutter und Kinder. Häufig gedeihen nicht alle Babys gleichermaßen und kommen deutlich zu früh an. Und auch nach der Geburt lauern genügend Gefahren auf die noch schwachen Frühchen. Freya, Theodora und Leander haben all diese Gefahren pariert.

Auf der ungeschriebenen To-Do-Liste für Säuglinge streicht ihre Mutter einen nach dem anderen Programmpunkt ab und steht ihrerseits keiner Einlingsmutter nach. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das alles schaffen und so viel Spaß dabei haben“, sagt Gerit Rotschky. Gerade ist der Pekip-Kurs zu Ende gegangen, schon er fand zu Hause statt. Jetzt geht es mit Babygymnastik weiter, dafür bekommen die Drillinge Besuch von der Kursleiterin.

Großkalibrige Kinderkutsche

Während andere Mütter zum Kurs in die Räume des Gesundheitsamtes gehen, erleichtert der Hausbesuch Gerit und ihrem Trio das Leben ungemein. Anders wäre es kaum zu stemmen, Angebote wie diese wahrzunehmen. Denn drei Babys winterfest anzuziehen und mit ihnen umherzufahren, ist ein riesiger Aufwand. Zumal der Papa der Drillinge tagsüber auf Arbeit ist, auch die „große“ Schwester Eleonora versorgt sein will und nicht immer Helfer zur Hand sind, die auf einer solchen Mammuttour mit anpacken. Der geplante Babyschwimmkurs Anfang des nächsten Jahres jedoch wird eine immense logistische Herausforderung. Schließlich kann der nicht in der heimischen Badewanne starten.

Immerhin parkt seit einiger Zeit vor der Haustür ein Drillingswagen. Den hat eine hilfsbereite SZ-Leserin mitgebracht. Sie hatte in der Zeitung über die Drillinge gelesen und sich bei der Familie gemeldet. Seitdem hilft die ausgebildete Tagesmutter ehrenamtlich einmal in der Woche beim Füttern und Wickeln, und sie schiebt die Babys in der großkalibrigen Kinderkutsche spazieren. Bus fahren Freya, Theodora und Leander in Wirklichkeit aber nur in Rückenlage auf der Gymnastikmatte. Die hat Gerit auf dem Kinderzimmerboden ausgerollt und Teams gebildet: Gymnastiklehrerin Kerstin Pietzsch mit Theodora, Mama Gerit mit Freya und Papa, der einen Tag Urlaub hat, mit Leander.

Da sich die Drillinge mittlerweile auf den Bauch drehen und so die Welt zu erkunden spannender finden als aus der Horizontalen, sollen ihre Rückenmuskeln unterstützt werden. Dafür hat die Kursleiterin etliche Übungen mitgebracht. Hampelmann heißt eine und eine andere eben Bus fahren. Verbunden mit einfachen Kinderliedern lassen sich die Kleinen ihre Beine und Arme strecken und beugen, quietschen dabei vor Vergnügen oder staunen darüber, was ihr Geschwisterchen nebenan so treibt.

Nach der Sportstunde haben alle drei mächtig Hunger und sind nach dem Füttern herrlich entspannt. Ein halbes Stündchen frische Luft kann nicht schaden, beschließt Gerit Rotschky. Also hinein in die Schneeanzüge und Mützen auf. Großer Protest trotz Müdigkeit. Ein schreiendes Trio im Chor – Halleluja! Doch kaum liegen alle im Wagen, kehrt wieder Frieden ein, und der Spaziergang kann beginnen. Papa bricht derweil auf, um die dreijährige Eleonora aus dem Kindergarten abzuholen. Der Luxus ist selten. Normalerweise eilt Gerit selbst zur Kita und organisiert sich für ihre Abwesenheit wachsame Aufpasser für die Babys. Einmal pro Woche kommt eine Familienhebamme des Gesundheitsamtes für drei bis vier Stunden vorbei. Sie badet die Kleinen und fährt sie spazieren. „Eine große Unterstützung war auch unsere Haushaltshilfe, die wir von der Krankenkasse großzügigerweise bis Ende Oktober gestellt bekommen haben“, sagt Gerit.

Die Woche über helfen zudem beide Omas und Tante Ute sowie Nachbarn, deren Grundstück an das der Drillingsfamilie grenzt. Um schneller zur Stelle zu sein, falls bei der Kinderbetreuung Not am Mann ist, haben sie kurzerhand die Hecke gekappt und ein kleines Gartentor eingesetzt. Seither fahren sie die drei Babys regelmäßig aus. Zeit, in der die Vollzeitmama mal etwas durchatmen und ein Stündchen Schlaf nachholen kann. „Der Schlafentzug geht wirklich an die Kräfte“, gibt sie zu. Dass Theodora in einigen Nächten schon fünf Stunden durchgeschlafen hat, lässt hoffen. Stille Nacht zu Weihnachten gibt es wohl trotzdem erst im nächsten Jahr.