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Die erste Ernte

Eine Familie aus Zockau kennt sich gut mit Getreide aus. Doch nun wächst etwas Neues auf ihren Feldern.

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© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Doberschau-Gaußig. Getreidehalme lieben den Sommer. Mehr als einen Meter hoch sind sie gewachsen. Immer der Sonne entgegen. Heike Löhnert nimmt einen Halm in die Hand, dreht ihn hin und her. „Der sieht gut aus“, sagt sie. Ihr Mann beugt sich zu ihr rüber. Auch er nickt zufrieden. Die beiden kennen sich mit Getreide aus, besitzen einen landwirtschaftlichen Betrieb in Zockau. Doch die Pflanzen, die hier wachsen, sind auch für die erfahrenen Landwirte Neuland. Erstmals haben sie den Champagnerroggen angebaut, nebenan wächst Emmer und ein Feld weiter Dinkel. Das sind alles alte Getreidesorten. Ein Experiment für die Löhnerts und ein Schritt in die Zukunft.

Noch mehr Genuss: Diese Ausflugstipps rund um Bautzen haben wir noch für Sie

Toben bei den Dinos   Willkommen im Zeitalter der Giganten: Im Saurierpark im Bautzener Ortsteil Kleinwelka begegnen Besucher riesigen Pflanzenfressern und gefährlichen Raubsauriern. Der Erlebnispark führt durch die Zeit der Dinosaurier – von den Anfängen im Zeitalter Perm über die Unterwasserwelt im Jura bis zum Aussterben der Urzeit-Giganten am Ende der Kreidezeit. Dazu gibt es jede Menge Klettermöglichkeiten für die Jüngsten. Beliebt ist vor allem die „Vergessene Welt“. Dieser Erlebnisbereich zeigt unter anderem die Nachbildung eines praktisch brutwarmen Sauriergeleges. Dort gibt es viele Geheimnisse zu entdecken. Mit allen Sinnen kann das Areal erkundet werden. Während der Sommerferien gibt es spezielle Angebote. Zum Beispiel eine Schwammschlacht.   Saurierpark 1, Bautzen OT Kleinwelka, 035935 3036, geöffnet: täglich 9 bis 19 Uhr, Eintritt: Erwachsene 13 Euro, Kinder 8 Euro.
Toben bei den Dinos Willkommen im Zeitalter der Giganten: Im Saurierpark im Bautzener Ortsteil Kleinwelka begegnen Besucher riesigen Pflanzenfressern und gefährlichen Raubsauriern. Der Erlebnispark führt durch die Zeit der Dinosaurier – von den Anfängen im Zeitalter Perm über die Unterwasserwelt im Jura bis zum Aussterben der Urzeit-Giganten am Ende der Kreidezeit. Dazu gibt es jede Menge Klettermöglichkeiten für die Jüngsten. Beliebt ist vor allem die „Vergessene Welt“. Dieser Erlebnisbereich zeigt unter anderem die Nachbildung eines praktisch brutwarmen Sauriergeleges. Dort gibt es viele Geheimnisse zu entdecken. Mit allen Sinnen kann das Areal erkundet werden. Während der Sommerferien gibt es spezielle Angebote. Zum Beispiel eine Schwammschlacht. Saurierpark 1, Bautzen OT Kleinwelka, 035935 3036, geöffnet: täglich 9 bis 19 Uhr, Eintritt: Erwachsene 13 Euro, Kinder 8 Euro.
Einlochen am Stausee   Der Minigolfplatz in Bautzen ist bei Jung und Alt beliebt. Die Anlage mit 18 Bahnen befindet sich direkt am Stausee. Die einzelnen Bahnen zeigen jeweils eine Oberlausitzer Sehenswürdigkeit. Ein buchbares Angebot ist „Minigolf bei Nacht“. Und in diesem Jahr gibt es viel Neues zu entdecken. Das Team hat zum Beispiel die Terrasse vergrößert. Die neue Pergola soll dafür sorgen, dass die Gäste ihren Kuchen im Schatten genießen können. Das ist wichtig, denn mittlerweile kommen die Besucher nicht nur zum Spielen hierher, sondern auch zum Kaffeetrinken. Lange gab es den Kaffee nur aus dem Plastikbecher. Die Anlage bietet ab sofort Kugeleis an. Die neue Kühltruhe steht schon bereit. „Das ist toll, weil wir jetzt richtige Eisbecher zaubern können“, so Mitarbeiterin Annerose Ahrendt.   Strandpromenade 10, Bautzen, 03591 385343, geöffnet: Mo. bis Sa. 12–18 Uhr, So./Feiertage 10–18 Uhr
Einlochen am Stausee Der Minigolfplatz in Bautzen ist bei Jung und Alt beliebt. Die Anlage mit 18 Bahnen befindet sich direkt am Stausee. Die einzelnen Bahnen zeigen jeweils eine Oberlausitzer Sehenswürdigkeit. Ein buchbares Angebot ist „Minigolf bei Nacht“. Und in diesem Jahr gibt es viel Neues zu entdecken. Das Team hat zum Beispiel die Terrasse vergrößert. Die neue Pergola soll dafür sorgen, dass die Gäste ihren Kuchen im Schatten genießen können. Das ist wichtig, denn mittlerweile kommen die Besucher nicht nur zum Spielen hierher, sondern auch zum Kaffeetrinken. Lange gab es den Kaffee nur aus dem Plastikbecher. Die Anlage bietet ab sofort Kugeleis an. Die neue Kühltruhe steht schon bereit. „Das ist toll, weil wir jetzt richtige Eisbecher zaubern können“, so Mitarbeiterin Annerose Ahrendt. Strandpromenade 10, Bautzen, 03591 385343, geöffnet: Mo. bis Sa. 12–18 Uhr, So./Feiertage 10–18 Uhr
Basteln im Museum   Die Welt der Ritter erkunden, die Türme der Stadt Bautzen zeichnen oder Graffiti sprühen – all das ist im Museum in Bautzen in den Ferien möglich. Noch bis 5. August gibt es ein vielseitiges Programm für Kinder ab fünf Jahre. Doch ein Besuch des Museums lohnt sich nicht nur für Kinder. Auch Erwachsene können viel entdecken. Mit 2 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche und einer Sammlung von etwa 400 000 Einzelstücken gehört das Ausstellungshaus zu den größten Museen in Sachsen.   Kornmarkt 1, Bautzen, 03591 534-933, geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
Basteln im Museum Die Welt der Ritter erkunden, die Türme der Stadt Bautzen zeichnen oder Graffiti sprühen – all das ist im Museum in Bautzen in den Ferien möglich. Noch bis 5. August gibt es ein vielseitiges Programm für Kinder ab fünf Jahre. Doch ein Besuch des Museums lohnt sich nicht nur für Kinder. Auch Erwachsene können viel entdecken. Mit 2 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche und einer Sammlung von etwa 400 000 Einzelstücken gehört das Ausstellungshaus zu den größten Museen in Sachsen. Kornmarkt 1, Bautzen, 03591 534-933, geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Im September haben sie das Getreide gesät. Nun schauen sie stolz auf das Ergebnis. Das Frühjahr war nass. Beste Bedingungen. Doch dann kam der Hagel. Einige Halme sind abgeknickt. Das ist schade, aber noch keine Katastrophe. In wenigen Wochen können Löhnerts erstmals ernten. Und dann ihr Konzept weiter ausbauen. Schon im vergangenen August eröffneten sie ihren Hofladen neu. Seither bieten sie die alten Getreidesorten an – als Körner oder gemahlen. Warum? „Weil die alten Getreidesorten aromatischer schmecken. Außerdem ist das Mehl besser verträglich“, sagt Heike Löhnert. Sie muss es wissen. Die 43-Jährige verträgt selbst keinen Weizen. Und sie weiß auch, wie schwierig es ist, an Alternativen zu kommen. Nudeln aus Dinkel zum Beispiel. Die bestellte sie früher im Internet oder fuhr dafür von Bioladen zu Bioladen. Wenn sie künftig etwas braucht, muss sie nur in ihren Hofladen gehen. Dort gibt es demnächst Körner und Mehl vom eigenen Getreide zu kaufen. Noch einmal schauen die Löhnerts über das Feld. Mehr als Warten können sie nicht.

Schälmaschine ist nagelneu

Ortswechsel: Den Hof der Familie erreicht man durch ein grünes Tor. Die Scheune befindet sich rechts. Und dort, gut versteckt hinter einer Holztür, haben die Landwirte ihre neueste Errungenschaft aufgestellt. Eine Schälmaschine. Die sieht aus wie zu Urgroßvaters Zeiten, ist aber neu. Mehrere Tausend Euro hat das Gerät gekostet, das Löhnerts extra aus Österreich geholt haben. Und es wird dringend gebraucht. Zwar haben alte Getreidesorten viele Vorteile. Es gibt aber einen Haken: Die Körner können nicht ohne Weiteres gemahlen werden. Erst muss die Schale ab.

Gut für die Gesundheit und die Region

Es ist belegt, dass das alte Getreide viel gesünder und bekömmlicher ist, als die modernen Hochleistungszüchtungen. Das sagen zumindest die Experten vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Sie haben Laboruntersuchungen in Auftrag gegeben.

Der Proteingehalt ist höher und der Gehalt an essenziellen Aminosäuren, ebenso der Ballaststoffanteil. Das ist das Ergebnis der Laboruntersuchungen. Das Mehl aus den alten Getreidesorten ist damit viel besser verträglich und so auch für Menschen, die Weizen nicht vertragen und für Diabetiker geeignet.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die alten Getreidesorten nahezu Bioqualität haben, weil die Landwirte auf Dünger und Pflanzenschutzmittel fast oder ganz verzichten können.

Das geht, weil die alten Sorten viel robuster und anspruchsloser sind als die Neuzüchtungen. Das alte Getreide wurzelt mehr in die Tiefe, kann so auch mal eine längere Trockenheit überstehen.

Immer mehr Bauern im Landkreis setzen auf das alte Getreide. So bauen beispielsweise sechs Landwirtschaftsbetriebe im Heideland die alten Sorten an.

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Matthias Löhnert übernimmt diese Aufgabe. Der Landwirt wirft das Ungetüm an. Es rattert. Löhnert hebt den Eimer mit den Dinkelkörnern hoch. Dann klettert er auf eine kleine Leiter und leert den Eimer über einem Trichter aus. Die Körner verschwinden im Inneren der Maschine. Der Dinkel steckt nun zwischen einer Walze und einem Sieb. Das Korn wird rausgedrückt. Zurück bleibt die Spelze, ein Blatt, das das Korn umgeben hat und bei der weiteren Verarbeitung stören würde. Die Stelzen werden abgesaugt. Sie verschwinden in einer Tüte. Doch damit ist noch nicht Schluss. Der Dinkel fällt auf ein weiteres Sieb. Die Körner hüpfen darauf herum, gerade so, als führten sie ein Tänzchen auf. Dabei fallen die Fertigen in eine Schüssel. Körner, die nicht richtig geschält sind, landen in einem Eimer. Den kann Löhnert dann wieder in den Trichter schütten. So lange, bis das letzte Korn geschält ist.

Arbeit geht auf die Ohren

Anstrengend ist die Arbeit nicht. Aber sie geht auf die Ohren. Ein Kopfhörer liegt deshalb auf einem Regal. „Damit kann man Radio hören“, sagt Matthias Löhnert. Nach der Ernte wird er noch viele Stunden an der Maschine verbringen. Bis zu einer Tonne schafft das Gerät an einem Tag. Wie oft es in der Woche gebraucht wird, wissen die Löhnerts noch nicht. „Das wird sich zeigen“, sagt der Landwirt nur. Er klopf gegen den Trichter, damit die Körner besser durchrutschen, stellt an der Seite die Geschwindigkeit ein, damit nicht zu viele Körner auf einmal auf der Walze landen.

Heike Löhnert hat derweil den Hofladen aufgesucht. Kühl ist es in der Halle. „Wirklich angenehm. Aber im Winter ist es sehr kalt“, sagt sie. Gemüse von Bauern aus der Region liegt hier in den Regalen, genauso wie Brot vom Bäcker nebenan. Doch dafür hat Heike Löhnert jetzt keinen Blick übrig. Zielsicher steuert sie eine Ecke des Raumes an, bleibt stehen. „Hier ist Platz für unsere eigenen Produkte“, sagt sie stolz. An dieser Stelle sollen einmal Körner und Mehl aus eigener Ernte präsentiert werden.

Matthias Löhnert ist immer noch mit der Maschine in der Scheune beschäftigt. Zwar arbeitet das Gerät für ihn, doch weggehen kann er trotzdem nicht. Schon allein, weil immer nachgeschüttet werden muss. Löhnert ist Profi. Der gelernte Landwirt hat den Hof von seinem Vater übernommen. Fast zehn Jahre ist das her. Bereut hat er es nicht. Nun hat auch sein Sohn eine Lehre in diesem Bereich begonnen. Die Tradition wird fortgesetzt. Noch einmal drückt Löhnert einen Knopf. Diesmal den Roten. Damit schaltet er das Gerät aus. Für heute ist Ruhe in der Scheune.

Familie Löhnert verkauft Getreideprodukte im Hofladen in Zockau, Am Anger 1a. Der Laden hat Mittwoch und Freitag 12 bis 18 Uhr und Donnerstag 12 bis 20 Uhr geöffnet.