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Die etwas andere Olsen-Bande

Columba Palumbus aus Pieschen ist Verein des Jahres geworden. Mit dem Preisgeld erfüllen sich die Mitglieder einen lange ersehnten Wunsch.

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© Sven Ellger

Von Sarah Grundmann

Der Vereinsname ist ein wahrer Zungenbrecher: Columba Palumbus hat kürzlich den Preis „Verein des Jahres 2015“ in der Kategorie Soziales bekommen. Doch was heißt diese Aneinanderreihung von Buchstaben überhaupt? Ganz einfach: Columba Palumbus ist der zoologische Begriff für eine Ringeltaube. Hat also ein Taubenzüchter-Verein den Preis gewonnen? Ganz und gar nicht. Doch was macht er dann?

Sebastian und Andrea müssen es genau wissen. Denn die beiden sind schon mehrere Jahre dabei. Die geistig Behinderten spielen zusammen in einer Theatergruppe. Sie lieben es, in andere Rollen zu schlüpfen. „Ich spiel gerne die zickig-taffen Frauen“, sagt Andrea. Im wahren Leben sei sie aber eine ganz Liebe, versichern ihre Lehrer. Im Neustädter Stadtteilhaus auf der Prießnitzstraße wird einmal wöchentlich geprobt: Mit dabei sind Menschen mit, aber auch ohne Behinderung. Sebastian und Andrea gehören zu den fitteren der elfköpfigen Gruppe. Sie können sich die Texte schnell merken und längere Passagen sprechen.

Weil das aber nicht bei jedem so ist, greifen die Lehrer in die Trickkiste. So arbeiten Kay-Uwe Dubrau und Ariane Bürkner derzeit an einem Stück, bei dem auch kleine Filme gedreht und bei den Aufführungen auf der Bühne gezeigt werden. Aber ist das alles? Ein Theaterkurs für Menschen mit und ohne Behinderung?

Nein. Bei Columba Palumbus gibt es noch viel mehr integrative Angebote. So zum Beispiel zwei verschiedene Tanzkurse und Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In diesem Jahr fuhren 10- bis 14-Jährige außerdem in der ersten Ferienwoche erstmals in ein Camp nach Moritzburg. All das hat dazu geführt, dass der Verein mit dem unaussprechlichen Namen einen Preis bekommen hat.

„Wir freuen uns sehr darüber“, sagt Dubrau, der nicht nur den Theaterkurs leitet, sondern auch Vereinsvorstand ist. Und auch die 3 000 Euro Preisgeld helfen enorm. Die Summe wird nicht nur für die Gestaltung des Sommer-Camps genutzt. Damit konnte nun auch endlich eine eigene Geschäftsstelle auf der Meschwitzstraße eingerichtet werden. Für die Zukunft haben Dubrau und Bürkner noch viele Pläne, wie eine inklusive Disko. Doch ohne weitere Mitglieder und Förderer können sie diese Vision nicht zur Realität machen.