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Die Geisterzüge von Schönefeld

Wann ein Flugzeug am neuen Hauptstadtflughafen abhebt, ist ungewiss. Aber die S-Bahnen rollen schon mal.

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© dpa

Von Theresa Münch

Nach einem kalten Luftzug aus dem dunklen Tunnel fährt ein Zug in den Geisterbahnhof. Kein Passagier steigt aus, keiner ein. Als die leere S-Bahn wieder abfährt, bleibt der Bahnsteig verwaist. Die Atmosphäre im Kellergeschoss des Pannenflughafens in Schönefeld ist gespenstisch. Der Bahnhof ist fertig, die Fahrkartenautomaten funktionieren – und doch wird sie noch monatelang kein Passagier benutzen. Erst wenn die Brandschutzprobleme am Hauptstadtflughafen gelöst sind, dürfen hier Reisende einfahren. Bis dahin verschlingt der Geisterbahnhof vor allem eine Menge Geld. Und das wohl noch Monate.

Von wegen kein Brandschutz am Berliner Hauptstadtflughafen. Foto: dpa
Von wegen kein Brandschutz am Berliner Hauptstadtflughafen. Foto: dpa

Bei Bauherrn Peter Schulze schwingt trotzdem ein wenig Stolz in der Stimme mit. Der Bahnhof sei termingerecht fertig geworden, betont er. Und vor allem: „Alles, was mit dem Brandschutz zu tun hat, ist vollständig in Betrieb.“ Glücklicherweise funktioniere die Entrauchung unabhängig von der Anlage im Terminal, wegen der die Eröffnung des Flughafens immer wieder verschoben werden musste. „Oben“ im Terminal gehe ja auch das Licht nicht aus, scherzt Schulze. „Bei uns klappt das einwandfrei.“

Weniger zufrieden ist die Bahn mit den enormen Kosten, die der leere Bahnhof mit seinen sechs Gleisen mit sich bringt. Weil die Brandmeldeanlage „oben“ im Flughafen nicht funktioniert, dürfen keine Fahrgäste in den Tunnel. „So eine Bahnstrecke muss aber trotzdem bewegt werden“, erläutert Schulze. Deshalb rollen jeden Tag mehrere S-Bahnen durch den kilometerlangen Tunnel; dazu noch möglichst jeder Zug, der leer in eine andere Stadt überführt werden muss.

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Auch der Luftaustausch im Tunnel sei wichtig. „Die Bahn hat ja noch keine Erfahrung mit Eisenbahntunneln, die fertig sind und nicht genutzt werden“, sagt Schulze. Leerfahrten seien zudem die einzige Chance, Fehler vor Ende der Gewährleistungsfrist auszudecken. Rund zwei Millionen Euro soll das die Bahn im Monat kosten. Der Konzernbevollmächtigte Ingulf Leuschel nennt diese Zahl „nicht ganz daneben“. Genauer wolle er nicht werden, so- lange über das Geld noch mit der Flughafengesellschaft gesprochen werde.

Eine andere Summe nennt die Bahn dagegen bereitwillig: 636 Millionen Euro hätten der Bahnhof und die Anbindung gekostet. Zum ersten Mal liegen Bahnsteige direkt unter einem Flughafen-Terminal. Im Gegensatz zu Frankfurt, München und anderen Flughafen-Bahnhöfen bedeute das kurze Wege. „Wenn Sie an der richtigen Tür aussteigen, sind es vom Zug bis zum Check-in nur 50 Meter“, erzählt Leuschel.

Lokführer Klaus Rühmann hat die kurze Strecke schon getestet. „Bis vor einem halben Jahr konnte man noch hoch und einfach mal ins Terminal schauen, wie da gebaut oder nicht mehr gebaut wurde.“ Inzwischen schirme sich der Flughafen gegen neugierige Blicke ab. Die Fluchttreppen hoch zum Terminal sind feuerfest verschlossen. (dpa)