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Die Heilsarmee übernimmt das Lindenhaus

Zum Jahresende gibt die Tafel das Obdachlosenheim auf. Das bisherige Angebot soll ab Januar noch erweitert werden.

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© Sven Ellger

Von Juliane Richter

Für das Lindenhaus, ein Übergangswohnheim für junge erwachsene Obdachlose, gibt es einen neuen Betreiber. Die Heilsarmee wird das zweigeschossige Gebäude auf der Mathildenstraße nahe dem Pirnaischen Platz ab Januar übernehmen. Der Betrieb läuft nach Auskunft der Stadt interimsweise, bis die notwendige Ausschreibung für einen langfristigen Betreiber erfolgt. Nach SZ-Informationen könnte das bis zu einem halben Jahr dauern.

Für die Nutzer des Lindenhauses ist die schnelle Lösung eine gute Nachricht. Seit dem Jahr 2000 hat der gemeinnützige Verein Dresdner Tafel das Haus betrieben, muss es zum Jahresende allerdings wegen finanzieller Probleme schließen. Bis zu elf obdachlose junge Menschen finden hier einen Schlafplatz, zudem gab es bis vor Kurzem auch ein Mittagsangebot für Bedürftige. Die Heilsarmee will dieses Angebot wieder aufleben lassen und sogar noch erweitern. Wie Gert Scharf, Kommandant der Dresdner Heilsarmee erklärt, will er auch eine Lebensmittelausgabe am Standort etablieren. „Wir sehen in der Pirnaischen Vorstadt einen Bedarf für alle diese Leistungen. Dabei darf es eigentlich keine Unterbrechung geben“, sagt der 57-Jährige.

Die Heilsarmee bietet Bedürftigen in Dresden seit 20 Jahren Hilfe an. Wie Gert Scharf berichtet, gibt sie am Standort in Reick monatlich bis zu 1 000 kostenlose Frühstücke und weitere 1 200 Mittagessen für einen kleinen Preis aus. Zum Angebot gehören außerdem auch eine Kleiderkammer sowie Notpakete mit Lebensmitteln. Weil die Organisation bundesweit bereits gute Erfahrungen mit derartigen Heimen gemacht habe, hatte Scharf sich für den Interimsbetrieb beworben.

Der 27-jährige Robert Fichtner wohnt derzeit im Lindenhaus. Er berichtet, dass Tafel-Mitarbeiter seit einigen Tagen das Gebäude ausräumen. Einige Möbelstücke aber sollen wohl bleiben, wie etwa Betten und Schränke. Der Referent des Sozialbürgermeisters erklärt, dass die Tafel Gegenstände, die für die Betreibung als Übergangswohnheim notwendig sind, der Stadt kostenlos überlässt. Zudem bestätigt er, dass es jüngst Probleme zwischen der Tafel und den Heimbewohnern gab. Wie Robert Fichtner berichtet, mussten die Obdachlosen plötzlich das Haus von 8 bis 18 Uhr verlassen. Dieses Problem konnte die Stadt allerdings schnell klären.