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Die Milch macht’s

Die Zschopauknirpse profitieren vom Schulmilchprogramm der EU. Die Bewerbung der Kindertagesstätte war Zufall.

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© Dietmar Thomas

Von Cathrin Reichelt

Waldheim. Kinder haben Fantasie. „Eine Cappuccino-Kuh“, platzt es aus einem Mädchen heraus. Es zeigt auf ein braun gefärbtes Kälbchen – eins von derzeit 20 Jungtieren der Agrargenossenschaft Reinsdorf. In der schauen sich die Kindergartenkinder der Waldheimer Kita Zschopauknirpse an, wie die Kühe gehalten, gefüttert, gemolken und die Ställe gesäubert werden. Der Ausflug ist der Höhepunkt einer ganzen Projektwoche rund um die Milch. Denn die Kita profitiert erstmals vom europäischen Schulmilchprogramm. Daraus erhalten die Mädchen und Jungen bis zum Ende des laufenden Schuljahres nicht nur kostenlos Milch, sie sollen auch einiges über das Getränk lernen.

Die Bewerbung der Kita für das Programm war Zufall. „Mein Freund hat davon in der Zeitung gelesen. Ich habe sofort am Computer die Internetseite geöffnet und die Kita online angemeldet“, erklärt deren Leiterin Juliane Enke. Obwohl sie schnell reagiert hat, waren die Zschopauknirpse in der ersten Vergaberunde nicht dabei. Doch im zweiten Anlauf hat es geklappt. „Neben Milch werden aus dem Programm auch Obst und Gemüse für Schulen und Kindereinrichtungen finanziert. Das Kontingent an Obst und Gemüse wurde nicht zu hundert Prozent ausgeschöpft und das Geld für Milch freigegeben. Davon haben wir profitiert“, meint Juliane Enke.

Einmal pro Monat erhält die Kita jetzt eine größere Milchlieferung von einem Anbieter aus Flöha. Dadurch stehen jedem der derzeit  110 Kinder täglich 0,2 Liter reine H-Milch zur Verfügung. „Wir haben natürlich die Option, den Geschmack der Milch mit Kakao- oder anderem Getränkepulver zu verändern“, so die Kitaleiterin. Sie weist auch darauf hin, dass diese kostenlos zur Verfügung stehende Milch nur getrunken werden darf. „Wir können sie nicht zum Kochen, Backen oder Ähnlichem verwenden“, so die EU-Vorgabe.

Trotzdem wird es heute bei den Zschopauknirpsen eine große Tafel mit Kuchen, Quark, Pudding und anderen Produkten geben, damit die Kinder sehen, in welchen Lebensmitteln Milch verarbeitet wird. Die Tafel bildet den Abschluss der Milch-Projektwoche, die mit einem Puppentheater und zwei Plüschkühen eingeleitet wurde. Zwischenzeitlich haben die Kinder Kühe ausgeschnitten und ausgemalt, Kuhmasken gebastelt und einer großen Papierkuh die Flecken mit ihren eigenen Handabdrücken verpasst. Die Kinder haben auch experimentiert und Bilder mit Milch gemalt. Die Zeichnungen wurden aber erst sichtbar, als die Erzieherinnen das Papier gebügelt hatten.

In Reinsdorf erleben die Mädchen und Jungen die Kühe nun hautnah. Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn Lehrling Julia Huhn öffnet eine der Kälberboxen und die Kinder dürfen das etwa zwei Wochen alte Tier streicheln. Das finden die Kinder ebenso interessant, wie den 1 200 Kilogramm schweren Bullen, der gleich nebenan steht. Wenn es mit der künstlichen Befruchtung der Kühe nicht klappt, sorgt er für den Nachwuchs, erklärt Ekkehard Thiele, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft, den Erziehrinnen. In den Ställen der Genossenschaft stehen derzeit insgesamt 950 Tiere. 550  der Kühe geben täglich rund 15 500 Liter Milch. Betreut werden die Tiere von 35 Mitarbeitern.