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Die Motoren heulen wieder

Einst strömten bis zu 35000 Fans zum Motocross in Bannewitz. Nach der Wende kam aber das Aus für die Rennen. Nun belebt ein neu gegründeter Verein die alte Tradition wieder.

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© Repro: MCC Bannewitz

Von Stephan Klingbeil

Bannewitz. Die Rennstrecke unweit des Real-Markts nimmt Konturen an. Der große Sandhügel steht, zwei kleine Tribünen aus Holzpaletten sind aufgebaut. Der Metallzaun fehlt noch. Am Sonnabend und Sonntag werden auf dem Ackergrundstück An der Zschauke die Motoren heulen. Mehr als 80 Motorradfahrer aus ganz Sachsen werden sich in mehreren Rennen messen – zum ersten Mal nach der Wende.

Die Bannewitzer Marc Rössig (l.) und Daniel Reichelt bereiten derzeit die Rennstrecke vor.
Die Bannewitzer Marc Rössig (l.) und Daniel Reichelt bereiten derzeit die Rennstrecke vor. © Stephan Klingbeil

Die Vorfreude bei Marc Rössig und Daniel Reichelt aus Bannewitz ist unübersehbar. Beide sind Motocross-Fans. Sie fiebern den Rennen am Wochenende entgegen.

Dann wird eine alte Tradition wieder belebt. Anlässlich des Comebacks der Boderitzer Wies’n nach mehrjähriger Pause finden in Bannewitz auch wieder Motocross-Wettbewerbe im großen Stil statt. Im vorigen Jahr gab es kleinere Wettkämpfe im Ortsteil Welschhufe. Nun geht es gleich in mehreren Rennklassen zur Sache. Während der Wies’n, einem dreitägigen Oktoberfest im und am Real-Markt an der Bundesstraße B 170 mit großem Festzelt, Kulturprogramm und vielen Schaustellern, drehen Motorräder, Seitenwagen, Quads und Crossmaschinen ihre Runden auf dem mit rund 500 Metern eher kleinen Kurs.

Das Organisationsteam mit Rössig und Reichelt und den anderen 13 Mitgliedern des Motocross Clubs Bannewitz (MCC) erfüllen sich und vielen weiteren Fans aus der Region einen Traum. Der MCC hatte sich eigens für das Spektakel gegründet und sucht bereits nach einem neuen, langfristig nutzbaren Grundstück für regelmäßig stattfindende Rennen in Bannewitz. „Wir wollen dem Motocross hier wieder neues Leben einhauchen“, erklärt Rössig.

Der Sport hatte dort eine lange Tradition, die Anfang der 90er-Jahre abrupt endete. „Einst fuhren viele schwarz, dann gab es 1965 grünes Licht für den Bau der Strecke an der Carl-Behrens-Straße“, erklärt Rössig. „Dabei wurde vieles per Handarbeit erledigt, in mehr als 10 000 Arbeitsstunden.“

Freier Eintritt am Wochenende

Organisiert wurden die regelmäßigen Rennen vom MC Kompressorenbau Bannewitz. Tausende wollten sich das nicht entgehen lassen. 1981 kamen gar 35000 Zuschauer, sagt Rössig. Der 37-Jährige ist froh, dass er als Kind noch ein paar Rennen live vor Ort mitverfolgen konnte. Auch nach der Wende sollte die Tradition fortgesetzt werden. Doch dann habe es Querelen mit den Verpächtern des privaten Ackerlands gegeben. Sie haben eine Miete verlangt, die die damaligen Organisatoren nicht stemmen wollten – und konnten. Es kam zum Zerwürfnis, der Verein löste sich auf. Das Motocross-Spektakel fand nie wieder statt.

Bis jetzt: 50 Jahre nach dem ersten Rennen in Bannewitz kehren die Crossmaschinen dank vieler Sponsoren und des Einsatzes vom MCC zurück. „Die Resonanz war wahnsinnig groß, als das bekannt wurde“, sagt Daniel Reichelt. Neben Hobbyfahrern und Nachwuchs-Assen wie Quad-Champion Wilhelm Rudolph aus Bannewitz haben sich zum Comeback auch Alt-Stars angekündigt. Heinz Hoppe, der mehrfache DDR-Meister vom MC Apolda und Bruder von Bob-Olympiasieger Wolfgang Hoppe, gewann mehrmals hier und will dabei sein.

Er werde sich auch den großen Rückblick auf die Motocross-Geschichte am Freitagabend im Festzelt nicht entgehen lassen. Wer das verpasst, kann die Ausstellung auf dem Real-Parkplatz An der Zschauke besuchen. Und: Wie bei allen Rennen ist auch hier der Eintritt am Wochenende frei.