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Die neue Chefin in Loschwitz

© Sven Ellger

Der Elbhangfest-Verein verpflichtete Lydia Göbel als neue Geschäftsführerin. Was sind ihre Pläne für das große Fest in diesem Jahr?

Frau Göbel, Sie sind mit 27 Jahren recht jung für so eine Aufgabe, waren Sie aufgeregt vor dem ersten Tag?

Für Aufregung war tatsächlich keine Zeit. Klar, ich muss mich natürlich erst in alles einarbeiten, aber ich traue mir diese neue Herausforderung zu.

Sie sind jetzt am Zug, was ist mit der ehemaligen Geschäftsführerin Heike Reichel passiert?

Das ist Sache des Vereins, dazu kann und möchte ich nicht viel sagen.

Was qualifiziert Sie für die neue Stelle?

Ich habe schon reichlich Erfahrung im Kulturmanagement gesammelt. Nach meinem Bachelorabschluss in Anglistik und Kunstgeschichte war ich unter anderem in Dublin und Berlin als Praktikantin im Kulturbereich tätig. In Görlitz habe ich neben meinem Master in Kultur und Management das Festival Zukunftsvisionen mitorganisiert, das Booking des Altstadtfestes übernommen und bei der Ostrale hospitiert. Zudem koordiniere ich den Streetfood-Markt des Sukuma-Vereins.

Warum haben Sie sich gerade hier beworben?

Beworben habe ich mich nach der Verteidigung meiner Masterarbeit im Juli nur auf zwei Stellen, die ich wirklich spannend fand. Eine war diese hier. Hier kann ich meine gesamte bisherige Erfahrung einbringen und frischen Wind in die Gestaltung vom Elbhangfest einbringen.

Frischer Wind, wie stellen Sie sich den denn vor?

Zunächst steht schon mal der Termin für das nächste Elbhangfest. Es wird der 22. bis 24. Juni sein unter dem Motto „Gründer und Erfinder – der Hang zur Technik.“

Aber welche Innovationen wollen Sie konkret umsetzen?

Mir schweben zum Beispiel Illuminationen der alten Häuserstruktur vor, hier kann ich meine Kontakte zu vielen Künstlern einbringen. Aber auch eine Zusammenarbeit mit Vereinen, Initiativen und Projekten über die Grenzen des Festgeländes hinaus strebe ich an. Wichtig ist mir dabei, neues Publikum zu begeistern und vor allem jugendlichen Nachwuchs zu gewinnen.

Wie groß ist die Bereitschaft der Anwohner, ihre Höfe zu öffnen?

Die meisten sind, wie ich bisher vernehmen durfte, nach wie vor mit viel Leidenschaft dabei. Natürlich haben wir auch hin und wieder mit Beschwerden über Lärm oder die Straßensperrung zum Fest zu tun. Aber am Ende überwiegt das Gemeinschaftsgefühl, und die Gärten und Höfe der Anwohner werden auch 2018 offen sein.

Immer wieder waren die Eintrittspreise Anlass zur Diskussion, bleiben die Preise von 2017 bestehen?

Ja, die werden bleiben. Ich konnte mit einem ausgeglichenen Haushalt starten. Reformieren möchte ich die Struktur der Einlassbändchen. Wir haben so viele verschiedene Preise, das will ich vereinfachen.

Heftig kritisiert wird bei den Festen in der Stadt immer der viele Müll, haben Sie hier auch Reformideen?

Auf jeden Fall. Nachhaltigkeit ist eines meiner Themen. Ich will den Müll reduzieren, vor allem Plastikteller und Besteck. Auch im Hinblick auf die Produkte ist mir Regionalität und Saisonalität wichtig. Dazu werde ich Gespräche mit den Händlern führen. Ein weiteres Anliegen ist die Inklusion.

Was heißt das konkret?

Das Elbhangfest soll ein Fest für alle sein. Wir müssen daran arbeiten, dass wir barrierefreier werden. Konkret betrifft das Themen rund um die Programmgestaltung, den Zugang zum Fest über den bisher noch unbefestigten Elberadweg, aber auch Shuttleservices auf dem Gelände und den Zugang zu Toiletten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Bekommen Sie wieder Fördergeld von der Stadt?

Einige Anträge sind bereits eingereicht, gegebenenfalls können wir im Januar weiter Fördermittel beantragen, die uns per Stadtratsbeschluss gewährt werden könnten.

Haben Sie denn auch neue Ideen für den Weihnachtsmarkt?

Hier will ich das Bühnenprogramm erweitern und erhoffe mir Unterstützung von den Händlern – auch finanzieller Art.

Konnten Sie Ihre neue Heimat schon erkunden?
Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad von meiner Wohnung in der Johannstadt in mein Büro hier auf der Fidelio-F.-Straße. Dabei sieht man bereits eine Menge vom Elbhang. Einige Runden über das Festgelände habe ich ebenfalls schon gedreht.

Schon einen Lieblingsplatz entdeckt?

So viel Zeit hatte ich leider noch nicht, um die Cafés zu testen oder den Läden und Handwerkern einen Besuch abzustatten. Aber als ich klein war, bin ich oft mit meiner Oma über den Schillerplatz geschlendert und habe diesen Ort mit dem Blauen Wunder in schöner Erinnerung.

Das Gespräch führte Julia Vollmer.