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Die neuen Schlossherren

Fünf Kinder – fünf Schlösser, lautet das Ziel von Anneke und Hans Ramp. Bobersen ist Nummer drei.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Bobersen. Anneke und Hans Ramp machen gern Nägel mit Köpfen. Sie wollen nicht ewig diskutieren und haben eine regelrechte Abneigung gegen die Bürokratie entwickelt. Denn sie wollen loslegen, anpacken – und das Alte bewahren. Wie Schloss Bobersen, vor dem das Paar mit niederländischem Pass und tschechischem Wohnsitz steht. Sie machen gerade Pause. Der Muckefuck dampft in den bunten Bechern auf dem Campingtisch. Ein Teil des mehr als 320 Jahre alten Gebäudes ist bereits eingezäunt und verputzt, im Inneren werden derzeit die historische Substanz freigelegt, Stromkabel verlegt oder Fenster erneuert. „In vier Monaten sieht’s hier wieder schön aus“, versichert Hans Ramp mit einem Lächeln. Schließlich sind er und seine Frau so etwas wie Do-it-yourself-Schlossexperten.

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„Wir haben auch mal in einem neuen Haus gelebt“, erinnert sich die 52-jährige Anneke Ramp an ihr früheres Leben in den Niederlanden. Das war auch irgendwie schön, und mit fünf Kindern auch bequem. Aber es war eben nicht das Richtige für das Ehepaar. Beide sind diplomierte Landwirte und träumten damals von einem eigenen Betrieb. „Doch wenn die Eltern keine Landwirte sind, geht das nicht“, sagt Anneke Ramp, die eigentlich Adriana Van Holden-Ramp heißt. Das Land sei unbezahlbar gewesen. Anders in Tschechien, wo die Ramps sich schließlich vor 15 Jahren niederließen und einen Milchviehbetrieb mit 300 Hektar und 300 Kühen aufbauten. Die mittlerweile abgeschaffte Milchquote und das Fördersystem der Europäischen Union aber ließen sie verzweifeln, sagen sie heute und sparen nicht mit Kritik an den Vorgaben der EU. „Im Herzen sind wir immer noch Landwirte“, sagt Anneke Ramp. Trotzdem verkauften sie vor wenigen Jahren den Hof und widmen sich dank des Erlöses seitdem ihrem Hobby: Schlössern.

Schloss Nummer eins steht 40 Kilometer von Prag entfernt im Kurort Mšené-lázne. Etwa 1660 von einer mittelalterlichen Burg zum Renaissanceschloss umgebaut, ist es das älteste Gebäude im Besitz der Ramps. Schloss Nummer zwei ist dagegen ein regelrechter Neubau: Das Rittergut Wendischbora bei Nossen ist noch keine 200 Jahre alt, weil der Vorgänger 1833 durch einen Brand zerstört wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es unter anderem als Kindergarten genutzt – wie auch Bobersen. Schloss Nummer drei. Erbaut 1696 von Georg Ernst von Borau und seit nunmehr 25 Jahren ungenutzt. Eigentlich hatten die Niederländer ja ein Auge auf Schloss Weteritz in Sachsen-Anhalt geworfen, verrät Hans Ramp. Doch die Verhandlungen scheiterten, die Immobilie ging an zwei Dresdner – und das Ehepaar suchte weiter. „Auf der Karte sind wir mit dem Finger immer an der Elbe lang – und schließlich in Bobersen gelandet“, erzählt Anneke Ramp lachend. Im August vergangenen Jahres war man das erste Mal vor Ort. Doch nachdem endlich der Kontakt zum Eigentümer hergestellt war, waren die Verhandlungen schwierig. Als der Vertrag zustande kam, begannen die Ramps quasi sofort mit den Arbeiten. Dabei kamen sie zunächst nicht einmal auf den Innenhof.

Bäume und Sträucher hatten sich in den vergangenen 25 Jahren so ausgebreitet, dass es Stunden brauchte, bis überhaupt das Haupttor freigeschnitten war. Mittlerweile passen zumindest die Autos auf den Hof, und irgendwann soll der wieder komplett frei sein und auch der alte Schlossgarten Richtung Elbe wieder hergerichtet werden. „Das gehört doch dazu, das lieben wir“, sagt Anneke Ramp. Allerdings gehe es eben nur Schritt für Schritt. Denn das Ehepaar saniert nach eigenen Aussagen ohne Firma. Ohne Kredit. Ohne Fördermittel. Nur mit Hilfe von Freunden – und von zwei Nachbarn in Bobersen. Dennoch ist der Zeitplan ehrgeizig. „Jedes Jahr ein Schloss“, sagt Hans Ramp nur halb im Spaß. Denn tatsächlich habe man bereits einige andere alte Schlösser im Blick, die es zu sanieren lohne.

Fünf Schlösser wollen sie mindestens einmal ihr Eigen nennen – eins für jedes der mittlerweile erwachsenen Kinder, die in Tschechien und den Niederlanden leben und wöchentlich mit Fotos auf dem aktuellen Stand der elterlichen Projekte gehalten werden. „Und noch ein Schloss zum Verkaufen“, ergänzt der 56-Jährige. So sollen weitere Projekte finanziert werden. Interessenten können sich schon jetzt auf der Homepage der Ramps informieren: für Schloss Wendischbora rufen sie derzeit einen Preis von 950 000 Euro auf, für Mšené-lázne 1,25 Millionen. So richtig werben wollen die beiden für den Verkauf aber nicht. Sie sind gern Schlossbesitzer – wenn auch ganz untypische. Denn erstens machen sie am liebsten alles selbst, und zweitens mögen sie eines gar nicht: das typische Schloss-Gelb. Auch Bobersen werde deshalb bald in Grau erstrahlen.

www.schloss-wendischbora.webnode.com