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Die Palastbienen sind zurück

Am Kulturpalast summt es wieder. Manche Insekten arbeiten sogar als Umweltspäher.

© Sven Ellger

Von Nadine Franke

Autos und Straßenbahnen übertönen das Summen beinahe. Doch die Bienen lassen sich davon nicht stören. Eifrig tummeln sie sich an den Waben auf der Wachsplatte. Die Insekten sind in Alarmbereitschaft. Rauch liegt in der Luft. Nun müssen sie schnell Honig aufnehmen, um im Notfall fliehen zu können.

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So ernst wird es aber für die Bienen am Donnerstagvormittag nicht. Den Rauch haben Susanne Handrick und Lisa Becker vom Dresdner Imkerverein verteilt, um die Insekten abzulenken, wenn sie ihr neues Zuhause auf dem Ostbalkon des Kulturpalastes beziehen. Bisher standen ihre Bienenkästen im Baucontainer vor dem Kulturpalast, nun sind sie die Letzten, die nach der Wiedereröffnung einziehen.

„Die Bienenvölker an einem so zentralen Ort in Dresden sind Botschafter für die schwierige Lage der Bienen“, sagt Susanne Handrick. Die Situation für Wild- und Honigbienen ist dramatisch. Zwei Drittel der Wildbienenarten sind im Freistaat bereits gefährdet oder ausgestorben. Außerdem macht der Vorsitzende des Imkervereins, Tino Lorz, auf die kritische Situation in Dresden aufmerksam. „Die Imker haben mit der Amerikanischen Faulbrut zu kämpfen.“ Es gibt derzeit neun Sperrbezirke. Das Problem in den Griff zu bekommen, wird nicht nur Zeit, sondern auch Geld kosten.

Umso wichtiger ist es, dass die Bienen wieder in den Kulturpalast einziehen konnten, betont Lorz. In der Stadt haben die Tiere bessere Lebensbedingungen als auf dem Land. Sie sammeln von Frühling bis Herbst den Nektar auf Wiesen, in Friedhöfen, im Großen Garten oder an den Elbwiesen. „Die Imker müssen bei Stadtbienen nur verhindern, dass sich ein Schwarm zur Fortpflanzung teilt“, sagt Lorz. Aber das gelingt, indem die Bienen regelmäßig Wachsplatten zum Wabenbau erhalten. Die vier Bienenkästen befinden sich direkt an der Seite der Kinderabteilung der Zentralbibliothek. In Zukunft können die Kinder die Insekten nicht nur beobachten, sondern es befindet sich auch eine Bienenbibliothek im Aufbau. Dort können sich nicht nur Kinder über die Insekten informieren. Der Palasthonig kann ab Ende August in der Zentralbibliothek gekauft werden.

Neben der Honigproduktion hat eines der vier Bienenvölker noch eine wichtige Aufgabe. Sie arbeiten als Umweltspäher für ein Forschungsprojekt der Freien Universität Berlin. In ihrem Kasten befinden sich Sonden. Diese messen den Schwänzeltanz der Bienen. Er dient zur Kommunikation, um die anderen Bienen über die Orte zum Nektarsammeln zu informieren. Einmal Schwänzeln bedeutet 30 Meter und mit der Bewegung des Hinterleibs gibt die Biene dabei die Richtung vor. Sie tanzt im dunklen Bienenstock an den Waben und die Vibration wird von den Bienen sowie den Sonden erfasst. „Doch wenn die Biene irritiert tanzt, gibt es an dem Ort ein Pestizidproblem“, erklärt Lorz. Die Daten werden ausgewertet und sollen als Nachweis dienen, wo Pestizide die Umwelt belasten.