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Die Rückkehr der Lachse

Derzeit herrscht Schonzeit für den Speisefisch. Gefangen wird er trotzdem in den Nebenflüssen der Elbe – aus gutem Grund.

Von Gunnar Klehm und Steffen Neumann

In Wathosen, die bis unter die Achseln reichen, streifen die Fischer durch den Lachsbach. Der Jäger hat den Elektroschocker, die Sammler tragen Kescher. Die drei Männer von der Fischereibehörde haben es auf Lachse abgesehen. Nicht jedoch um sie zu verspeisen, sondern sie helfen bei der Vermehrung der Langstreckenschwimmer.

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Kein Lachs entkommt ihnen: Sven Gause, Fabian Völker und Matthias Pfeifer (v.l.) ziehen durch den Lachsbach in Rathmannsdorf. Entdecken sie einen Lachs, wird der Fisch mit einem Elektroschock betäubt. Foto: Tomas Salov
Kein Lachs entkommt ihnen: Sven Gause, Fabian Völker und Matthias Pfeifer (v.l.) ziehen durch den Lachsbach in Rathmannsdorf. Entdecken sie einen Lachs, wird der Fisch mit einem Elektroschock betäubt. Foto: Tomas Salov

Lachse galten in der Elbe als ausgestorben. Seit 1994 laufen in Deutschland Wiederansiedlungsprojekte für den Elblachs, 1998 wurden auch in Tschechien Maßnahmen zu Wiederansiedlung gestartet. Jährlich werden Hunderttausende kleine Lachse in die Oberläufe der Bäche gelassen. In diesen Tagen kehren sie in ihre Heimatgewässer in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz zurück, um dort zu laichen. Die befruchteten Eier liegen dann etwa ein halbes Jahr im Bach, bis daraus neue Lachse schlüpfen. Weil dann nicht mehr viele übrig bleiben, hilft der Mensch nach.

„Von den vollreifen Fischen werden die Eier und der Samen abgestreift und nach Langburkersdorf gebracht“, erklärt Gert Füllner, Referatsleiter Fischerei beim Landesumweltamt. In der Forellen- und Lachszucht Ermisch reifen sie zu kleinen Fischen heran, die dann im Frühjahr zu Hunderttausenden ausgesetzt werden.

Erwachsene Lachse jetzt in den Flüssen zu entdecken, ist nicht schwer. Sie sind immerhin 70 bis 100 Zentimeter lang. Bei der Fangmethode orientieren sich die Männer von der Fischereibehörde am Zitteraal. Der setzt seine Opfer mit kleinen Elektroschocks außer Gefecht. „Der Stromschlag, den wir setzen, der betäubt die Lachse aber nur“, sagt Gert Füllner. Sind die Eier gesichert, schwimmen die Fische weiter.

Im Lachsbach bei Rathmannsdorf erfolgt diese Prozedur jetzt jeden Freitag noch bis in den Januar hinein. Um zu Sebnitz und Polenz zu kommen, müssen die Fische hier durch. Angeln darf man sie jetzt nicht. Vom 1. Oktober bis 30. April herrscht Schonzeit. Außerhalb dieser Zeit darf man geangelte Lachse aber auch verspeisen. „Wir wollen den Lachsfang ja nicht kriminalisieren“, sagt Gert Füllner. Im Gegenteil. Er ist froh über jeden Angler, der ihn von einem Fang informiert. Mehrere erwachsene Fische wurden zuletzt im Kamnitzbach bei Hrensko (Herrnskretschen) entdeckt. Einen an die Angel zu bekommen, ist aber sehr außergewöhnlich, denn Lachse fressen im Süßwasser kaum und schnappen nur eher zufällig nach einem Köder, sagen Experten. Auch in Kirnitzsch und Krippenbach wurden schon Lachse gesichtet, obwohl dort nie welche ausgesetzt wurden.

Im Lachsbach registriert das Team etwa 20 bis 50 Exemplare pro Schicht. Die Zahlen sprechen dafür, dass es laut Fischereibehörde ein mittleres Lachsjahr werden wird. Das hänge sehr davon ab, wie viel Wasser die Elbe im September und Oktober führt.