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Die Saubermänner

Die Firma Kanal-Türpe tut mehr für die Umwelt, als sie muss. Dabei geht es um gefährliche Sonderabfälle.

Christian Gil (links), Prokurist der Firma Kanal Türpe, steht mit Christoph Neuberg von der IHK Chemnitz in der Halle, in der die Firma in ihrer chemisch-physikalischen Behandlungsanlage flüssige Sonderabfälle aufbereitet.
Christian Gil (links), Prokurist der Firma Kanal Türpe, steht mit Christoph Neuberg von der IHK Chemnitz in der Halle, in der die Firma in ihrer chemisch-physikalischen Behandlungsanlage flüssige Sonderabfälle aufbereitet. © Dietmar Thomas

Döbeln. Wer durch die große Halle der Firma Kanal-Türpe geht, kann schon riechen, mit was sie sich befasst. Der Geruch von Öl und Diesel hängt in der Luft. Das Unternehmen an der Waldheimer Straße macht aus Sonderabfall sauberes Wasser. Und das auf umweltfreundliche Art und Weise, was ihm jetzt auch schriftlich bestätigt wurde. 

Christoph Neuberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, brachte am Mittwoch eine Auszeichnung der sächsischen Umweltallianz mit. Die bestätigt dem Unternehmen, dass es mehr tut, als eigentlich notwendig wäre. Neuberg hält das für wichtig. Nicht nur der Umwelt wegen. „Das beweist, dass die Industrie einen Eigenbeitrag leistet und damit auch staatlichen Regelungen zuvorkommt.“

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Die Firma Kanal-Türpe betreibt ihre chemisch-physikalische Behandlungsanlage in Döbeln seit drei Jahren. In großen Behältern und Becken werden mit Öl und Chemikalien belastete Abwässer aus Industrie und Gewerbe, die Inhalte aus Fettabscheidern und Sandfängen gereinigt und die Inhaltsstoffe zum Teil wieder dem Stoffkreislauf zugeführt. 

Die entfernten Feststoffe, aus denen das Wasser ausgepresst wurde, werden weitergegeben und zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet. Auch abgetrennte Leichtflüssigkeiten wie Öle werden von anderen Firmen aufbereitet. Das anfallende Wasser wird in der eigenen biologischen Kläranlage behandelt und dann in die öffentliche Kanalisation eingeleitet. In der Kläranlage Masten wird es noch einmal den Klärprozess unterzogen, sagte der technische Leiter Andreas Anger.

Einen großen Teil des benötigten Stroms gewinnt die Firma durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Hallendach. Überschüssige Energie wird an die Stadtwerke verkauft. „Die Anlage haben wir errichtet, um bei der Stromversorgung autark zu werden“, sagte Christian Gil, Prokurist der Firma. 2018 sei ein gutes Stromjahr gewesen. 

„Wir haben so viel erzeugt, dass wir den zugekauften Strom mit dem verkauften Strom bezahlen konnten.“ Kanal-Türpe plant auch die Anschaffung von Elektrofahrzeugen für Dienstfahrten. Auf dem Firmengelände wird dann eine Ladestation gebaut. Ein Student, der bei der Firma seine Ausbildung macht, soll zudem ein Konzept zur Rückgewinnung von Energie erarbeiten. Denn das Abwasser verlässt die biologische Kläranlage mit zwölf bis 13 Grad. „Wir wollen aus dem Wasser Wärme herausholen und im Betrieb nutzen“, sagte der Prokurist.

Die Firmengruppe Kanal-Türpe mit deutschlandweit 300 Mitarbeitern ist seit 1990 in Sachsen aktiv. Der Gründer war 1959 aus der DDR in den Westen gegangen. 2013 hatte Kanal-Türpe den aufgegebenen Standort der Firma Clariant in Döbeln erworben. „Die Anlage stand zuvor im kleineren Format in Döben bei Grimma“, sagte Gil. Für Döbeln sei sie optimiert worden. 

Nicht nur durch den Einbau moderner Mess- und Steuerungstechnik. Auch die Erfahrungen der Mitarbeiter seien eingeflossen. In Döbeln arbeiten fünf Mitarbeiter. Vor dem Probebetrieb hatte die Firma ein aufwendiges Genehmigungsverfahren abschließen müssen. Und sie unterzog sich Zertifizierungsverfahren, um das Qualitätsmanagement nachzuweisen. „Firmen wie Porsche und BMW, mit denen wir zusammenarbeiten, setzen solche Zertifikate voraus“, sagte der Prokurist.