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„Die Schule muss komplett geräumt werden“

Die Gemeinde will in Ragewitz investieren. Bürgermeister Frank Seifert muss sich aber auch um Probleme im Rathaus kümmern.

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Die Gemeinde Stauchitz will dieses Jahr kräftig in die Grundschule in Ragewitz investieren. Die brandschutzmäßige Ertüchtigung wird über eine Million Euro kosten. Während der Baumaßnahmen müssen die Schüler vorübergehend ausziehen.
Die Gemeinde Stauchitz will dieses Jahr kräftig in die Grundschule in Ragewitz investieren. Die brandschutzmäßige Ertüchtigung wird über eine Million Euro kosten. Während der Baumaßnahmen müssen die Schüler vorübergehend ausziehen. ©  Sebastian Schultz

Stauchitz. Herr Seifert, Stauchitz verrechnet sich seit Jahren bei den Elternbeiträgen für Kindereinrichtungen und sucht erfolglos einen Kämmerer. Gibt es einen Fachkräftemangel in den öffentlichen Verwaltungen?

Es ist tatsächlich im ländlichen Raum sehr schwer, geeignetes Fachpersonal zu finden. Zwar wird genügend Personal ausgebildet, auch an der Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung in Meißen. Doch die jungen Leute zieht es eher in die Ballungszentren und in andere Bundesländer, dorthin, wo sie die Chance haben, verbeamtet zu werden. Zudem gibt es unterschiedliche Eingruppierungen.

Da hat die Gemeinde doch Spielraum ...

Ja, und den nutzen wir jetzt auch. Die Stelle eines Kämmerers oder einer Kämmerin ist erneut ausgeschrieben worden. Dabei wurde jetzt eine höhere Vergütung als bisher vorgenommen.

Gibt es schon Bewerber?

Die Ausschreibung ist bis zum Jahresende gelaufen. Bisher haben wir sechs Bewerbungen vorliegen. Es wird sich zeigen, ob ein geeigneter Bewerber oder eine geeignete Bewerberin dabei ist. Der Gemeinderat wird sich im Januar damit beschäftigen. Ein neuer Kämmerer oder eine neue Kämmerin könnten dann theoretisch ab Februar mit der Arbeit beginnen. Praktisch hängt das auch von Kündigungsfristen im vorherigen Job ab, die einzuhalten sind.

Frank Seifert (parteilos) ist seit 2013 Bürgermeister von Stauchitz. Die Gemeinde hat 21 Ortsteile mit insgesamt über 3 000 Einwohnern.
Frank Seifert (parteilos) ist seit 2013 Bürgermeister von Stauchitz. Die Gemeinde hat 21 Ortsteile mit insgesamt über 3 000 Einwohnern. ©  Sebastian Schultz

Zwischendurch hatten Sie eine Kämmerin, die in der Probezeit kündigte. Zuvor hatte sie sich mit einem Brandbrief an die Gemeinderäte gewandt und die Verwaltung und Sie persönlich kritisiert. Wie sind Sie damit umgegangen?

Der Brief hatte mich überrascht. Ich war enttäuscht, dass sie zuvor nicht mit mir das Gespräch gesucht hatte, um diese Fragen anzusprechen. Das ist kein guter Stil. Natürlich haben wir die Vorwürfe ernst genommen. Es gab Teambesprechungen und auch harte Auseinandersetzungen mit dem Gemeinderat. Wir haben über Abläufe gesprochen und Veränderungen getroffen.

Welche?

Das ist eine interne Angelegenheit, dazu möchte ich mich hier nicht äußern.

In Ihrer Amtszeit haben zahlreiche Gemeinderäte ihr Mandat niedergelegt, weil sie meinen, nichts bewegen zu können. Kritik wurde auch an Ihnen festgemacht. Was sagen Sie dazu?

Dass Gemeinderäte unzufrieden waren, hing und hängt auch mit dem Problem der Kämmerei zusammen. Durch die personellen Probleme dauern eben manche Prozesse länger. Ich verstehe, dass das frustrierend ist. Weglaufen ist meiner Meinung nach aber keine Lösung.

In diesem Jahr sind Gemeinderatswahlen. Was wünschen Sie sich vom neuen Gemeinderat?

Ich wünsche mir vor allem, dass sich viele Bürger um ein Mandat bewerben, um die Gemeinde aktiv mit entwickeln und gestalten zu können.

Viele Stauchitzer haben Probleme mit der Postzustellung, weil es viele Straßennamen doppelt gibt. Es gibt beispielsweise mehrere Hauptstraßen, zweimal eine Bergstraße. Warum wird dieses Problem nicht angegangen?

Das Problem hätte schon mit der Fusion von Stauchitz und Plotitz angegangen werden müssen. Dann wären den Bürgern auch die damit entstehenden Unkosten erstattet worden. Dies wurde damals leider versäumt. Ich werde auf das Problem ständig angesprochen, bin übrigens selbst betroffen. Wir werden es noch einmal angehen müssen, doch im Moment fehlt uns dafür die Zeit.

Im vergangenen Jahr fiel die Gewerbemesse aus. Was wird 2019?

Auch in diesem Jahr wird es keine Gewerbemesse geben. Es ist schwierig, etwas, was weg ist, wieder zu beleben. Es muss ein völlig neues Konzept erarbeitet werden, denn das alte hatte sich überlebt. Dazu sind wir aber derzeit weder personell noch finanziell in der Lage. Dazu kommt, dass sich Händler und Aussteller inzwischen anders orientiert haben. Es ist schwer, diese wieder zu gewinnen.

Stauchitz gehört nach wie vor zu den Gemeinden mit den geringsten Elternbeiträgen. Müsste Ihrer Meinung nach Kinderbetreuung nicht generell kostenfrei sein, wie beispielsweise in Berlin?

Die Kinderbetreuung müsste auf jeden Fall kostenlos sein, schon alleine, um die Eltern in den unterschiedlichen Bundesländern gleich zu behandeln. Ich würde das befürworten, aber dafür ist in Sachsen nicht der politische Wille vorhanden. Wir als kleine Kommune können das nicht stemmen.

Welches ist die größte Investition in Stauchitz in diesem Jahr?

Die brandschutzmäßige Ertüchtigung der Grundschule in Ragewitz. Die wird über eine Million Euro kosten. Ich bin sehr froh, dass es gelang, über das Leaderprogramm der Lommatzscher Pflege 80 Prozent der Summe gefördert zu bekommen.

Doppelte Straßennamen machen der Gemeinde schon länger zu schaffen.
Doppelte Straßennamen machen der Gemeinde schon länger zu schaffen. ©  Sebastian Schultz

Welche Einschränkungen gibt es für Schüler, Lehrer und Eltern?

Die Schule muss komplett geräumt werden. Die 1. und 2. Klassen werden in den Horträumen in Ragewitz unterrichtet. Die 3. und 4. Klasse ziehen nach Stauchitz in die alte Schule. Dort gab es bisher die Ganztagsangebote der Oberschule. Das wird während der Bauzeit nicht möglich sein.

Das bedeutet zusätzliche Fahrerei für die Schülerinnen und Schüler?

Ja, das lässt sich nicht vermeiden. Wir als Gemeinde werden den Eltern aber die Kosten für den Schulbus nach Stauchitz in dieser Zeit ersetzen. Wir wollen mit den Winterferien mit dem Bau beginnen. Zum Ende der Sommerferien soll alles fertig sein, sodass die Schüler mit Beginn des neuen Schuljahres wieder in ihre Schule einziehen können. Für mich ist es ganz wichtig, für die Stärkung des ländlichen Raumes Ragewitz als Schulstandort zu erhalten.

Trotz der hohen Förderung sind rund 150.000 Euro für die Gemeinde kein Pappenstiel?

Nein, auf keinen Fall. Ich finde, wenn vom Gesetzgeber solch hohe Anforderungen an den Brandschutz gestellt werden, müssten solche Projekte zu 100 Prozent gefördert werden. Es kann nicht sein, dass die Kosten an den Gemeinden hängen bleiben. Ich denke, so manche Schule in Großstädten müsste wohl sofort geschlossen werden, wenn man dort die gleichen Maßstäbe anlegen würde.

Das Gespräch führte Jürgen Müller.