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Bischofswerda

Die Sechs vom Putzkauer Gewerbehof

Auf dem früheren Gelände eines Baubetriebes haben sich mehrere Firmen niedergelassen. Jetzt feiern sie Jubiläum.

Thomas Düring erwarb die Immobilie des insolvent gegangenen Bauunternehmens HTO und machte sie zum Gewerbehof. Mit seinem Bike-Work-Shop zog er von Bautzen nach Putzkau um. Mehrere befreundete Unternehmer zogen mit.
Thomas Düring erwarb die Immobilie des insolvent gegangenen Bauunternehmens HTO und machte sie zum Gewerbehof. Mit seinem Bike-Work-Shop zog er von Bautzen nach Putzkau um. Mehrere befreundete Unternehmer zogen mit. © Steffen Unger

Putzkau. Sie sind alle noch da. Alle Kleinstunternehmen, die im Frühjahr 2009 im Gewerbehof an der B 98 in Putzkau an den Start gegangen waren. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl der Firmen Ein-Mann-Betriebe sind. Jeder arbeitet auf eigene Rechnung. Doch man kooperiert miteinander und hilft sich, wo immer man kann. So etwas schweißt zusammen. Zumal man auch privat befreundet ist. In diesem Jahr gibt es den Putzkauer Gewerbehof zehn Jahre. Grund genug, an diesem Sonnabend mit Gästen zu feiern.

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Eine Frage der Ehre

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Von Bautzen nach Putzkau

Rückblende: Der Bischofswerdaer Thomas Düring hatte die Immobilie, die nach der Insolvenz des Unternehmens Hoch- und Tierbau Oberlausitz (HTO) mehrere Jahre ungenutzt war, erworben, um sie wieder zu beleben. Mit seinem Bike-Work-Shop, den er bis dahin zwölf Jahre lang am Bautzener Holzmarkt führte, zog er nach Putzkau um. Für ihn war es in geschäftlicher Hinsicht eine Rückkehr zu den Wurzeln. Begonnen hatte er mit dem Bike-Work-Shop 1991 am Neuen Anbau, direkt an der Ortsgrenze von Bischofswerda und Putzkau, rund einen Kilometer vom jetzigen Standort entfernt. Und der Schiebocker zog nicht allein um. Er nahm die Partner mit, mit denen er schon in Bautzen zusammengearbeitet hatte. Bike-Work-Shop, freie Kfz-Werkstatt und Metallwerkstatt arbeiten Tür an Tür. Zudem sind ein Umzugsservice und die Putzkauer Blumenwerkstatt, zu der das Geschäft Regional spezial gehört, Mieter im Gewerbehof.

Das große gelbe Schild „Bike-Work-Shop“ fällt auf, wenn man auf der B 98 vorbeifährt. Motorradfreak Thomas Düring repariert und tunt dort flotte Maschinen und bereitet Import-Zweiräder so auf, dass sie den Bestimmungen der in Deutschland geltenden Straßenzulassungsverordnung entsprechen. 80 Prozent der Motorräder, die er unter seine Fittiche nimmt, sind Harleys. Außerdem verkauft er Motorrad-Zubehör, Bekleidung und Helme. Wo im früheren Baubetrieb der Versammlungsraum war, richtete er seinen Ausstellungsraum ein. Dahinter war der Speiseraum. Die meisten Biker, die zu Thomas Düring kommen, sind Stammkunden. Zwischen Zittau und Dresden reicht das Einzugsgebiet seiner Kundschaft.

Die Unternehmer vom Gewerbehof (von links): Hans-Jörg Stephan (Umzugsservice), Ronald Liebsch (Kfz-Werkstatt), Sven Protze (Metallbau), Anja Synde (Blumenwerkstatt), Enrico Schneider (Schmied) und Thomas Düring (Bike-Work-Shop).
Die Unternehmer vom Gewerbehof (von links): Hans-Jörg Stephan (Umzugsservice), Ronald Liebsch (Kfz-Werkstatt), Sven Protze (Metallbau), Anja Synde (Blumenwerkstatt), Enrico Schneider (Schmied) und Thomas Düring (Bike-Work-Shop). © Steffen Unger

Gleich nebenan kümmert sich Kfz-Meister Ronald Liebsch um Fahrzeuge auf vier Rädern. Er betreibt die freie Autowerkstatt und bildet einen Lehrling aus. Benötigen die Fahrzeugexperten ein spezielles Metallteil, brauchen sie nur in die Nachbarwerkstatt zu gehen. Dort arbeiten Schmied Enrico Schneider und Metallbauer Sven Protze in der Metallwerkstatt unter einem Dach. Beide sind ein Team, in dem jeder als Unternehmer selbstständig ist. Die beiden Mittvierziger arbeiten zusammen, erfüllen aber auch eigene Aufträge. Dieses Geschäftsmodell bewähre sich seit 17 Jahren, sagen sie. Der kleine Betrieb läuft gut. Aus ihrer Werkstatt stammt unter anderem die überdimensionale Schere als Zunftzeichen am Salon von Jana Rabe auf der Bischofswerdaer Kirchstraße. Auch an der riesigen Waldameise auf dem Spielplatz am Berggasthof Butterberg in Bischofswerda arbeiteten sie mit. Beide Handwerker fertigen zum Beispiel auch Zäune für Villen neu oder restaurieren sie. Stolz sind sie auch auf Türbeschläge, beispielsweise für Kirchentüren in Dresden.

Regionalladen hat sich etabliert

Schmied und Metallbauer zogen vor zehn Jahren von Bautzen nach Putzkau mit um. Bereut haben sie diese Entscheidung nie. Von Putzkau ist es nicht weit, um bestehende Kunden im Raum Bautzen weiterhin zu betreuen. Es ist aber auch nicht weit, um neue Kunden im Dresdener Raum zu gewinnen. „Wir sind mit unserem Angebot breit aufgestellt und relativ flexibel“, benennt Sven Protze zwei Vorteile. Gearbeitet wird für Privatkunden, aber auch für gewerbliche Kunden, darunter als Kooperationspartner für Tischlereien. Hans-Jörg Stephan fuhr damals mit seinem Unternehmen den Umzug der Firmen von Bautzen nach Putzkau. Seitdem gehört auch er zum Team des Gewerbehofes.

Der Spaß am Motorradfahren brachte die männlichen Firmeninhaber vor vielen Jahren mit Thomas Düring zusammen. Anja Synde, die einzige Frau in der Unternehmerrunde, kam dagegen eher durch Zufall dazu. Sie ist die unmittelbare Nachbarin. Sie hatte wenige Jahre zuvor in einem kleinen Nebengebäude ihre Blumenwerkstatt gegründet – und zog dann in größere Räume im Gewerbehof. Von Vorteil ist dort auch, dass Kunden direkt vor dem Geschäft parken können. Viele kommen, um Blumen zu kaufen. Aber auch regionale Spezialitäten sind gefragt, darunter der Apfelsaft, den die Familie aus selbst angebauten Früchten presst. Auch ihr Geschäft fällt von der Bundesstraße auf. Wegen der bunten Fassade. Maler Steffen Herold zauberte ein lebensfrohes Stück Wiese an die Wand. Er arbeitete ebenfalls an der Waldameise mit, die auch die beiden Männer von der Metallwerkstatt mit gestalteten. Auch so können Netzwerke helfen, dass Kleinstbetriebe ihr Auskommen haben.

Tag der offenen Tür

Wann? 18. Mai ab 10 Uhr 

Wo? Putzkau, Dresdener Str. 66, direkt an der Bundesstraße 98

Was? Die Firmen im Gewerbe geben einen Einblick in ihre Arbeit. An vergangene Zeiten des Standortes erinnert eine Bildpräsentation. Sie schlägt den Bogen vom Bauernhof über die Gründung der zentralen Bauorganisation (ZBO) und den Übergang zum Hoch- und Tierbau Oberlausitz (HTO) bis zum jetzigen Gewerbehof. Gegen 16 Uhr werden die Biker vom Pokerrun erwartet. Sie starten am Vormittag am Schiebocker East Club zu einer 200 Kilometer langen Tour. 

Musik? ab 18 Uhr mit TheEgyptian GayLovers

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