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Die Seelenverwandten

Elfriede und Werner Mehlhorn feiern heute Eiserne Hochzeit. Jeden Tag ihrer 65 Ehejahre haben sie miteinander verbracht.

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© steffen füssel, steffen fuessel

Von Ulrike Kirsten

Elfriede und Werner Mehlhorns Liebe beginnt mit einem Zehn-Zeilen-Brief. „Ich weiß nicht, warum ich gerade Elfriede geschrieben habe und nicht irgendeiner anderen alten Klassenkameradin“, sagt der 92-Jährige. „Irgendwie war das eine innere Eingebung. Das mit uns, das war vorherbestimmt.“ Sein Brief aus Algerien erreicht Elfriede Mehlhorn erst nach mehreren Wochen. „Noch in den letzten Kriegsjahren bin ich für das Afrikakorps eingezogen worden“, sagt Werner Mehlhorn. Seine zukünftige Frau lebt da schon längst nicht mehr in Heidenau. Beide sind da geboren und fünf Wohnblöcke voneinander aufgewachsen. Ebenso haben sie hier die Schule besucht und gemeinsam ihre Ausbildung zum Kaufmann gemacht.

„Er hat den Brief an meine Eltern geschickt, die ihn mir in die Ukraine weiter gesendet haben“, erinnert sich die 91-Jährige. Dort arbeitet sie als Schreibkraft für den Kriegshilfsdienst. Mehr als vier Jahre ersetzen Worte Umarmungen, Liebkosungen, Begegnungen. „Wir haben uns von unseren Familien geschrieben, erzählt, was in uns vorgeht. Sie war mein Rettungsanker in dieser schwierigen Zeit. Sie war der Grund, für den es sich zu kämpfen lohnte, auch während der Kriegsgefangenschaft in den USA und England. Wir haben uns gegenseitig Kraft gegeben“, sagt der gelernte Kaufmann, der fast 40 Jahre im Sachsenwerk gearbeitet hat. Werner Mehlhorns Augen füllen sich mit Tränen, als er zu „seinem Täubchen“ blickt. „Keine Angst, das sind nur Freudentränen.“ Für das Paar ist ihre Beziehung noch nach 65 Jahren ein unerklärbares Phänomen. „Ich begreife das nicht. Es ist, als wären unsere Gedanken verbunden“, sagt Elfriede Mehlhorn, die als Sekretärin im Leubener Rathaus und am Amtsgericht Pirna gearbeitet hat.

„Ich weiß noch genau, wie er am 8. August 1947 nach Heidenau zurückgekehrt ist. Ich habe ihm Blumen gekauft, damit ich etwas in der Hand hatte.“ Elfriede und Werner verloben sich noch am Tag ihres Wiedersehens. „Wir wussten im ersten Augenblick, dass wir zusammengehören“, sagt Elfriede Mehlhorn. Keinen einzigen Tag sind sie seitdem ohne einander gewesen – ob in Heidenau oder Leuben, wo sie lange gelebt haben. „Auch als ich schwer krank war, hat er mich jeden Tag im Krankenhaus besucht.“ Werner Mehlhorn streichelt sanft über die Schulter seiner Frau.

„Wir haben die Prüfungen des Lebens bestanden und sind dafür reich beschenkt worden“, sagt er und zeigt auf die Lebensquelle des Ehepaares. „Die Kinder sind unsere größte Freude.“ Bilder der beiden Töchter, der vier Enkelkinder und zwei Urenkelinnen stehen auf einer Kommode im Wohnzimmer ihrer Wohnung in der Seniorenresidenz Alexa. „Wir sind froh, dass wir so viele Dinge noch selbst erledigen können“, sagt Werner Mehlhorn, der an einer Augenerkrankung leidet. „Was soll ich mich beklagen. Meine Frau liest mir aus der Zeitung vor, wir sind immer füreinander da. Kann es etwas Schöneres geben?“