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Die Skeleton-Ultras aus dem Erzgebirge

Oberbärenburgs Axel Jungk hat eine begeisterte Anhängerschar. Seine Fans nehmen extra Urlaub, um ihn fahren zu sehen.

© privat

Von Stephan Klingbeil

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Oberbärenburg. Sie sind laut, machen ordentlich Stimmung – und mit ihren orangefarbenen T-Shirts fallen sie auch optisch auf. Seit über drei Jahren ist der Fanclub Axel Jungk dabei, wenn der Vize-Weltmeister im Skeleton mit über 100 Stundenkilometern kopfüber durch den Eiskanal rauscht und dabei meist erfolgreich ist. So wie am vergangenen Freitag, als der 26-Jährige am Königssee seinen ersten Weltcupsieg errang. Sie feuern den einzigen sächsischen Skeletonsportler an und feiern ihren Liebling – auch wenn es mal nicht ganz so rund läuft. So war das zum Beispiel vor drei Wochen in Altenberg. Damals war der Tross mit 90 Mann vor Ort. Doch Jungk belegte auf seiner Heimbahn nur einen enttäuschenden achten Rang. Egal, seine Anhänger stehen hinter ihm.

„Der Fanklub ist mir persönlich mega wichtig. Ich bin unglaublich stolz darauf, dass so viele Leute aktiv an meiner Karriere interessiert sind, und das ist beinahe das Schönste überhaupt am Sport“, erklärt der Skeletoni vom BSC Sachsen Oberbärenburg. Er freue sich „immer wieder darauf, vom besten Fanklub der Welt angefeuert zu werden.“ Entweder direkt an der Bahn oder eben daheim im Erzgebirge.

„Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang werden wir leider nicht dabei sein, das ist finanziell nicht mal einfach so zu stemmen“, bedauert Axels Bruder Felix Jungk, der quasi der Leiter des Fanklubs ist. „Aber wir drücken ihm bei seinen ersten Winterspielen von hier aus die Daumen.“ Angedacht sei dazu ein Public Viewing – mitten in der Nacht in der Turnhalle von Hohndorf, dem erzgebirgischen Heimatdorf des derzeit besten deutschen Skeletonsportlers. Felix Jungk ist sich sicher, dass viele Anhänger seines Bruders am 16. Februar, 1.30 Uhr, dort zusammenkommen und sich den dritten und dann den abschließenden vierten olympischen Lauf ihres Idols nicht entgehen lassen wollen. Auch ein Fernsehteam des MDR habe schon Interesse daran bekundet.

Axel Jungk bewegt viele aus dem Dorf mit rund 3 600 Einwohnern. Der nicht eingetragene Fanklub besteht aus losen Mitgliedern, die fast alle in irgendeiner Verbindung mit dem Deutschen Meister von 2016/17 stehen. „Wir sind ja hier ein kleines Dorf, man kennt sich“, sagt Felix Jungk. Im Fanklub seien Freunde der Familie, frühere Klassenkameraden, Kumpels vom Fußball, sogar Axels Fahrlehrer mischt mit.

Der 30-jährige Felix Jungk hatte Ende 2014 – es war die erste Weltcup-Saison seines jüngeren Bruders – organisiert, dass die Unterstützer im großen Tross zum Wettkampf im nahen Altenberg fahren. Weitere Touren folgten, auch an die anderen deutschen Weltcup-Bahnen in Winterberg in Nordrhein-Westfalen und am Königssee. Vielleicht kommen bald auch Touren ins Ausland hinzu. „Anfangs wurden wir oft noch etwas belächelt, Leute gingen uns aus dem Weg“, erklärt der selbstständige Finanzberater. „Inzwischen ist es anders, viele kommen zu uns, auch Fans anderer Skeltonsportler. Dann feiern wir zusammen.“

So war das auch vor wenigen Tagen, als Axel Jungk beim Weltcup-Finale seinen ersten Titel in der höchsten Rennserie holte. „Und da konnten wir dann auch mit Axel zusammen feiern“, erklärt Felix Jungk. Oft sei es so, dass die Skeletoni kurz nach den Rennen schon wieder weiter müssen zum nächsten Eiskanal. Dieses Mal, bei Jungks Premierenerfolg, nahm sich der Champion aus Sachsen Zeit. In der Unterkunft der Fans spielten sie gemeinsam Tischkicker, Billard und feierten gemeinsam.

Die Heimrennen im Kohlgrund mobilisieren aber stets die größte Anhängerschar. Einer der Fans arbeitet bei einem Verkehrsunternehmen, über das dann Busse für die Touren nach Altenberg gemietet werden. Erst waren sie 20. Ein Jahr später 80, im vergangenen Jahren kamen 130 Fans aus Hohndorf und weiteren Orten der Region Zschopau dorthin. Sie nehmen sich extra frei, wenn die Rennen an Freitagen stattfinden, finanzieren alles selbst. Doch das ist es wert. Lautstark, stets friedlich und ab und zu mit Feuerwerk verbreiten die Anhänger aus dem Erzgebirge immer wieder Partylaune in ihren Trikots. „Wir sind der orangene Mob“, sagt Jungk und schmunzelt.

Mit dabei im Fanklub sind inzwischen auch die WG-Mitbewohner von Axel Jungk aus Dresden. Dorthin war der Olympionike voriges Jahr zurückgezogen, nachdem er eine Zeit lang bei seinem Bruder und dessen Familie in Hohndorf wohnte – wenn er denn nicht unterwegs war. Nun drücken sie ihm alle die Daumen für Olympia, wo Jungk immerhin von seiner Freundin, der Berliner Eisschnellläuferin Michelle Uhrig, direkt vor Ort unterstützt werden kann. „Wenn Sungbin Yun keine weichen Knie bekommt, ist Gold für Axel kein Thema“, sagt der wie sein Bruder in der Jugend ebenfalls aktive Skispringer Felix Jungk mit Verweis auf den südkoreanischen Skeleton-Superstar. „Von Platz zwei bis fünf ist aber alles drin.“