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Die Stachelbeere kommt zurück

Im Obstbau Görnitz wird sie jetzt geerntet. Und landet als Frucht und Saft auf den Markt. Auch Selbstpflücker haben die Chance.

© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Coswig. Wer neben der Erntemaschine hinter dem kleinen Traktor herlaufen will, muss sich nicht beeilen. In gemütlicher Schrittgeschwindigkeit zieht das Gefährt seine Bahn durch die Strauchreihen auf der Plantage an der Cliebener Straße in Brockwitz. Gelenkt von Udo Jankowski, Mitarbeiter im Obstbau Görnitz. Das gemächliche Tempo erklärt der Fahrer mit der schonenden Ernte. Weil dabei genauestens aufgepasst wird auf Beeren und Sträucher. Auf die runden grünen Früchte, damit sie unbeschadet in den Verkauf gelangen. Auf die Pflanzen, um den Neutrieb, wichtig für die nächste Ernte, zu erhalten, wie Geschäftsführer Michael Görnitz sagt.

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Tino Walcha, Geschäftsinhaber der Siebenlehner Obstkelterei Kurt Heide (li.) und Obstbauchef Michael Görnitz.
Tino Walcha, Geschäftsinhaber der Siebenlehner Obstkelterei Kurt Heide (li.) und Obstbauchef Michael Görnitz. © Norbert Millauer

Er ist mit seinem Team mittendrin im Ernten der Stachelbeeren. Auf insgesamt 11,6 Hektar wachsen sie. 2014 im November gepflanzt. Voriges Jahr wurde mit Hand gepflückt, jetzt gibt es auch die Maschine, die außerdem Johannisbeeren erntet. Ohne sie ließe sich die Menge nicht bewältigen, sagt Michael Görnitz.

Auch wenn bei der maschinellen Arbeit manche Beere auf dem Boden landet, wie ein älteres Pärchen feststellt, das extra wegen der Maschine am Feld angehalten hat, ihr nun zuschaut und sich erinnert, wie früher Stachelbeeren eingekocht wurden – mit angestochener Haut, damit die Beere bei der Prozedur nicht platzt.

Michael Görnitz freut sich über das Interesse an dem biologisch und in Demeter-Qualität – die Richtlinien des Demeter-Verbandes gehen noch über die EG-Bio-Verordnung hinaus – kultivierten Obst. Für ihn ist die Stachelbeere eine ganz besondere Frucht. Leicht kiwiartig im Geschmack, perfekt als Schorle oder für Gebäck, so als Belag auf einer Baiser-Schnitte. Und völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Darin ist er sich einig mit Tino Walcha, Geschäftsinhaber der Siebenlehner Obstkelterei Kurt Heide. Der wie der Obstbauchef gerade eine der prallen Beeren kostet und gleich seine Pläne mit dem Obst hat. Neben klarem Nektar will er dieses Jahr auch Naturbelassenen daraus herstellen.

Etwa zehn Tonnen wird Michael Görnitz nach Siebenlehn liefern. Dort werden die Beeren frisch gepresst, der Saft pasteurisiert, er kommt ins Tanklager, wird in Flaschen oder Saftboxen abgefüllt. Geht in den Getränkefachhandel, in Hofläden und in knapp 1 000 Gaststätten in Sachsen. Wie Äpfel und Aronia vom Obstbau Görnitz sowie Früchte aus Gärten und von anderen regionalen Erzeugern – alles bio. Und eben seit 2017 auch die Stachelbeeren aus Brockwitz, drei Tonnen zum Start.

Durften einst Stachel- und Johannisbeersträucher in kaum einem Garten fehlen, haben ihnen nach der Wende Orangen und Bananen den Rang abgelaufen. Ähnlich erging es dem Rhabarber. Der allerdings inzwischen auferstanden ist. Nicht zuletzt, nachdem ihn ein großer deutscher Fruchtgetränke-Produzent wiederentdeckt hat. Heute ist Rhabarber viert- bis fünftstärkstes Erzeugnis in der Saftindustrie, sagt Tino Walcha. Was er für die Stachelbeere ebenfalls erhofft. Ist sie doch reich an Vitaminen und Mineralien und nicht zuletzt in der Küche vielfältig einsetzbar. Eine 250-Gramm-Schale kostet im Laden zwei Euro, ein Liter Nektar im Markt ebenfalls um die zwei Euro.

Für alle, die sich Anbau und Pflege dieser Beere auf der eigenen Scholle ersparen wollen, aber trotzdem das Erntegefühl genießen möchten, bietet Obstbauer Görnitz auch bei diesen Früchten das Selbstpflücken an. Bleibt nach dem Stachelbeersammeln noch Zeit, wäre ein Abstecher aufs Erdbeerfeld möglich. Obwohl manch andere Plantage schon schließen musste, kann in Brockwitz noch etwa drei Wochen gepflückt werden, sagt Michael Görnitz. Dank der Bewässerung. Auch über den Stachelbeeren läuft gerade ein Regner.

www.obstkeltereiheide.de

www.obstbaugemeinschaft.de