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Die Super-Festung

Mehr als 400 Jahre alt: Die militärischen Anlagen von Kurfürst Moritz werden Museumsattraktion.

© Sammlung H. Naumann

Von Ralf Hübner

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Hinter den Kulissen der Saftpressen

Am 21. September 2019 haben Interessierte die Möglichkeit zu erfahren, wie der leckere Saft in die Flasche kommt. 

Sie gehört zu den ältesten Bauwerken der Stadt und soll zu einer musealen Attraktion herausgeputzt werden. „Eindrücke wie nie“, verspricht die Sächsische Schlösserverwaltung. Unter der Brühlschen Terrasse, dem „Balkon Europas“, haben in den Gewölben und Gängen der ehemaligen Festung die Bauleute die Regie übernommen. Für rund 4,3 Millionen Euro installieren sie unter anderem neue Technik sowie einen Fahrstuhl. Ein Steg- und Wegesystem für den barrierefreien Besuch soll durch die Gänge im Inneren führen.

Der Zwinger und die Brühlsche Terrasse sind die bekanntesten Überbleibsel der wohl einst modernsten Festung Deutschlands. Ihre Entstehung verdankt sie den hochfliegenden machtpolitischen Ambitionen des jungen Herzogs Moritz (1521–1553), die ihn immer wieder in militärische Händel verstrickten. Er hatte während des Schmalkaldischen Krieges (1546–1547) Kaiser Karl V. gegen die protestantischen Fürsten beigestanden. Das hatte ihm 1547 die Kurwürde eingebracht. Er zählte damit zu den mächtigsten Fürsten im Reich. Später wechselte er allerdings die Fronten und war 1551 das Haupt einer Fürstenverschwörung.

Schon ab dem 12. Jahrhundert war Dresden von einer Stadtmauer umgeben. Nachdem Kanonen aufkamen, wurde die Anlage von der Stadt zwar verbessert, doch Moritz wollte etwas Neues. Er hatte gegen Türken und Franzosen gekämpft und sich Festungsbaustellen in Gent und Antwerpen angesehen. Unter Leitung von Caspar Voigt von Wierandt ließ er von 1545 an in nur zehn Jahren eine Festung im Bastionärsystem nach italienisch-niederländischem Vorbild errichten. Von den acht pfeilförmig vorspringenden Bastionen aus konnten die Verteidiger seitlich auf anstürmende Truppen vor den Wällen feuern. Diese waren so breit, dass sie Kanonenkugeln abfangen und dort Verteidigungsgeschütze aufgestellt werden konnten.

Ursprünglich sollte auch das rechtselbische Altendresden, das etwa dem westlichen Teil der jetzigen Inneren Neustadt entspricht, von Festungsmauern umgeben werden. Doch nach wenigen Jahren wurde das Geld knapp, Altendresden blieb bis zum Dreißigjährigen Krieg ungeschützt. Die junge Festung erhielt neben einem modernen Zeughaus mit Waffen und Munition eine Bevorratung mit Lebensmitteln, mit Mühlen und Backöfen für den Belagerungsfall. Es gab Aufenthaltsräume mit Kaminen, Brunnen, Aborte, Treppentürme sowie Torgewölbe.

Bald zeigte sich, dass der Platz im Inneren der Festung zu knapp bemessen worden war. Deshalb wurde schon von 1569 an im Nordwesten hinter dem Schloss und ab 1589 im Nordosten hinter dem Zeughaus die Wälle und Bastionen wieder abgebrochen und neu gebaut. Hinter dem Schloss entstand so Raum für den jetzigen Theaterplatz mit Zwinger. Hinter dem Zeughaus wurde die Jungfernbastei angebaut, auf der wenig später ein Belvedere errichtet wurde. In den Kasematten der Bastion wurde 1708 das europäische Porzellan erfunden. Zudem blieb durch die Erweiterung das dortige Ziegeltor als einziges Stadttor original erhalten, weil es bei der Erweiterung praktisch zugebaut worden war.

Abgesehen von der vergeblichen Belagerung der Preußen 1760, deren Bombardement der Stadt großen Schaden zufügte, musste die Festung Dresden kaum einem Ansturm standhalten. Teile der Festung hatten schon zuvor an Bedeutung eingebüßt. Die Wallanlagen wurden zunehmend zivil genutzt, etwa mit Gartenbau. August der Starke, der den Bastionen Namen römischer Gottheiten verpasst hatte, ließ von 1709 an auf dem Festungswall von Matthäus Daniel Pöppelmann den Zwinger als repräsentatives Festareal errichten. Der Sohn, Friedrich August II., schenkte 1739 seinem engsten Berater und Premierminister Heinrich Graf von Brühl einen Teil des Walls. Dieser ließ die Gewölbe im Inneren teilweise verfüllen und an der Stelle des Alten Ständehauses, des jetzigen Oberlandesgerichtes das Brühlsche Palais errichten. Er ersetzte das Belvedere auf der Jungfernbastei, das 1747 bei einer Explosion eines Pulvermagazins zerstört worden war, durch einen Neubau, der bis zum Siebenjährigen Krieg stand. Das letzte Belvedere, es war das vierte, wurde im Februar 1945 zerstört.

Geldmangel verhinderte zunächst, dass nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) die nutzlos gewordenen Festungswälle abgetragen und der Stadt mehr Platz gegeben werden konnte. Das geschah erst zwischen 1809 und 1829. Schon 1814 hatte der russische Gouverneur Nikolai Repnin-Wolkonski an der Brühlschen Terrasse eine Freitreppe anlegen lassen und sie so zur Flaniermeile der Bürger gemacht. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Festungsgewölbe darunter als Luftschutzräume.

In der Tiefe wurde die Festung allerdings nur so weit abgebrochen wie nötig. Immer wieder stoßen Bauarbeiter deshalb auf die alten Mauern. Das neue Festungsmuseum soll im Herbst 2019 fertig sein.