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Die Tanne wächst nach hinten raus

Im Herbst sollen die ersten Mieter in den früheren Ballsaal in Pirna einziehen. Eine Idee kann aber nicht realisiert werden.

© Daniel Schäfer

Von Mareike Huisinga

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Pirna. Die Tanne putzt sich heraus. In zartem Grünton leuchtet die Fassade des Ballsaales zur Straßenseite. Ein Blick nach oben lohnt sich. Dort erkennt man das Tannen-Relief, das ebenfalls schön restauriert wurde. Auch auf der anderen Seite des früheren Ballsaales geht es vorwärts. Der Rohbau des Einfamilienhauses, das an das Bestandsgebäude gebaut wurde, steht schon. „Als Nächstes ist hier die Fassadendämmung dran“, sagt Sven Hildebrandt. Vor gut anderthalb Jahren hat der freiberufliche Bausachverständige aus Pirna das ehemalige Kulturhaus erworben, mit dem Ziel, es für Wohnungen auszubauen. „Frühestens im Herbst 2018 kann die Vermietung starten“, sagt er. Die Baumaßnahen haben im vergangenen Sommer begonnen.

Anblick von der Rückseite. Der Neubau ist momentan noch eingerüstet. In dieses Einfamilienhaus zieht der Eigentümer der ehemaligen Tannensäle Sven Hildebrandt mit seinem Büro ein.
Anblick von der Rückseite. Der Neubau ist momentan noch eingerüstet. In dieses Einfamilienhaus zieht der Eigentümer der ehemaligen Tannensäle Sven Hildebrandt mit seinem Büro ein. © Daniel Schäfer

Derzeit wird das Fundament in dem künftigen Vermietungsbereich erneuert. Dazu rollte Ende Januar der dicke Betonmischer an. Hier müssen auch noch Wände und Decke erneuert werden, denn das Dach war in diesem Teil stellenweise eingebrochen, so dass es große Schäden gibt.

Auf der anderen Seite befindet sich der ehemalige Ballsaal. Der Bühnenanbau wurde bereits im abgerissen. Jetzt schließen Fachleute das Gebäude. Außerdem sollen die Fenster nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden. Sie sind unter anderem wegen ihrer hübschen Rundbögen markant.

Eine Idee kann Hildebrandt am Saal jedoch nicht umsetzen. Ursprünglich plante er, an der Giebelseite ein großes Tor mit einer Folie einzubauen, die den Ballsaal aus dem Jahr 1920 zeigt. Doch das Denkmalamt hatte Bedenken. Hildebrandt bedauert dieses Veto. „Denn der Ballsaal ist ja das Herzstück der ehemaligen Tannensäle gewesen“, erläutert er. Der Unternehmer will aber nicht unnötig provozieren, schließlich ist er weiterhin auf gute Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt angewiesen.

Die Tanne erhält eine komplett neue Nutzung. Im Bereich der ehemaligen Gaststätte gibt es im Erdgeschoss Platz für zwei Gewerbeeinheiten. Die Räume darüber werden zu vier Wohnungen von 90 bis 160 Quadratmetern Größe ausgebaut. Die Kaltmiete soll bei circa 7,50 Euro pro Quadratmeter liegen. Alle Wohnungen bekommen Balkone oder Loggien. Die Anfahrt zu den zahlreichen Stellplätzen erfolgt vom Tischerplatz. Bedenken, dass die Wohnungen lange leer stehen, hat Hildebrandt nicht. Es gebe bereits Interessenten für die Quartiere, auch für die Gewerbeeinheiten. Für die Läden im Erdgeschoss schließt er allerdings eine gastronomische Nutzung aus.

In den Neubau an der Rückseite will der Bauherr selber einziehen. Noch befindet sich sein Büro auf der Langen Straße. Die Kardinalfrage, die sich vermutlich viele Pirnaer stellen, lautet: Was wird aus dem großen Saal, in dem sich früher die gesamte Stadt zum Tanzen getroffen hat? Sven Hildebrandt hält sich bedeckt und spricht von einer privaten Nutzung. Details gibt er nicht preis. Dabei stößt dieser Teil der Tanne auf besonders Interesse der Pirnaer. „Fast täglich kommen Anwohner, die noch mal in den Baalsaal reingucken wollen und davon schwärmen, wie schön sie hier früher gefeiert haben“, sagt ein Bauarbeiter, der gerade die Mörtelkelle schwingt.

Rund 1,5 Millionen Euro investiert Sven Hildebrandt in den Ausbau des großen Gebäudes am Eingang zur Altstadt. Fördermittel gibt es nicht. Seine persönliche Motivation? „Ich fand das Haus mit seiner Geschichte zu schade für den Abriss“, erklärt der Unternehmer.