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Die Verdienstvollen

Sieben Jahren war Pause. Jetzt hat die Stadt wieder Ehrenmedaillen vergeben, eine davon an Roland Kaiser.

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© Sven Ellger

Ralf Hübner

Dresden. Bei der Verleihung der Dresdner Ehrenmedaille im Rathaus hat Schlagerbarde Roland Kaiser die wohl kürzeste Dankesrede aller fünf Geehrten gehalten. „Eine Stimme zu haben, die gehört wird, ist nicht nur ein großes Glück, sondern auch eine große Verantwortung“, sagte er. Die Dresdner und ihre Gäste unterhalten zu können, sei ein großes Glück für ihn. „In unruhigen Zeiten für diese Stadt die Stimme zu erheben, ist für mich nicht nur Verpflichtung, sondern Herzenssache.“

Helma Orosz, Roland Kaiser und Dirk Hilbert (r.) bei der Verleihung der Ehrenmedaille.
Helma Orosz, Roland Kaiser und Dirk Hilbert (r.) bei der Verleihung der Ehrenmedaille. © dpa
Kaiser trug sich auch in das goldene Buch der Stadt ein.
Kaiser trug sich auch in das goldene Buch der Stadt ein. © dpa
Dresdens Ex-Oberbürgermeisterin Helma Orosz gratuliert dem Schlagersänger.
Dresdens Ex-Oberbürgermeisterin Helma Orosz gratuliert dem Schlagersänger. © dpa

Zuvor hatte sich Ex-Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) in ihrer Laudatio an die erste Begegnung bei einem gemeinsamen öffentlichen Auftritt erinnert. „Er war ein richtig netter Kerl.“ Keine Starallüren, keine Arroganz oder Imponiergehabe. Sie verwies auf sein Engagement bei sozialen Projekten wie den Kinderhospizen Mitteldeutschland sowie den Albert-Schweitzer-Kinderdörfern.

Orosz vergaß jedoch nicht, dran zu erinnern, dass Roland Kaiser im Januar 2015 während der absoluten Pegida-Hochzeit bei einer Gegenveranstaltung mit ihr auf der Bühne vor der Frauenkirche stand, um ein anderes Bild von Dresden auszusenden. „Wir hatten eine Reihe von Persönlichkeiten angefragt und wir haben auch eine Menge Absagen erhalten“, verrät sie jetzt. Für Roland Kaiser sei die Teilnahme jedoch offenbar selbstverständlich gewesen.

Die Ehrenmedaille besteht aus 500 Gramm Silber, wurde von dem Architekten und Medailleur Peter-Götz Güttler gestaltet und ist nach der Ernennung zum Ehrenbürger die zweithöchste Auszeichnung, die von der Stadt vergeben wird. Mit ihr werden Menschen geehrt, die sich um das gesellschaftliche, politische, kulturelle, religiöse, soziale oder wirtschaftliche Leben in der Stadt verdient gemacht haben, wie es heißt. Bisher sind insgesamt 25 Ehrenmedaillen vergeben worden. Zuletzt war der Preis 2010 an den Chef des Dixieland-Festivals, Joachim Schlese, und an Marian Sobkowiak aus dem polnischen Gostyn gegangen, der sich um die deutsch-polnische Versöhnung verdient gemacht und für den Wiederaufbau der Frauenkirche engagiert hatte. Zu den weiteren Preisträgern gehören unter anderen der ehemalige Landeskonservator Gerhard Glaser und Alan Keth Russel, der Gründer und langjährige Vorsitzende des Dresden Trusts. Neben Roland Kaiser sind jetzt die Historikerin und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, Nora Goldenbogen, der Kameramann und Regisseur Ernst Hirsch, die Friedensaktivistin und Menschenrechtlerin Nora Lang sowie der ehemalige Kaplan und Mitbegründer der Gruppe der 20 von 1989 Frank Richter mit der der Ehrenmedaille ausgezeichnet worden.

Goldenbogen wurde unter anderem für ihre Verdienste um die Dresdner Erinnerungskultur gewürdigt. Sie mahnte in ihrer Rede eine Auseinandersetzung mit rechtspopulistischem und rechtsextremem Gedankengut an. „Einem Rechtsruck muss entgegengetreten werden“, sagte sie.

Der Filmemacher Ernst Hirsch gilt als das filmische Gedächtnis der Stadt. Dessen Fundus historischer Filme zur Geschichte der Stadt sei einer der größten, hieß es.

Nora Lang hat als Neunjährige die Luftangriffe 1945 auf Dresden miterlebt. Sie gilt als wichtige Zeitzeugin, war ein Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe 13. Februar und gilt als Erfinderin der weißen Rose, die beim alljährlichen Gedenken an die Zerstörung Dresdens getragen wird.