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Diplomatisches Feingefühl für den Friedhof

Russland will Soldatengräber sanieren und Namen ergänzen lassen. Eine besondere Aufgabe für Schönau-Berzdorf.

© Matthias Weber

Von Anja Beutler

Schönau-Berzdorf. Christian Hänel machen die Soldaten ein wenig zu schaffen. Oder besser gesagt: ihre Grabsteine. Denn auf dem Schönauer Kirchhof liegen unter 27 flachen Grabsteinen die Gebeine sowjetischer Kriegsopfer. Und deren Liegestätte soll nun aufgearbeitet werden. Für Bürgermeister Hänel (parteilos) bedeutet das teilweise, diplomatisches Geschick an den Tag zu legen: Denn wegen der geplanten Arbeiten auf dem Friedhof muss er Verhandlungen mit der Russischen Föderation, dem sächsischen Sozialministerium und der Landesdirektion sowie Handwerkern führen.

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Warum ausgerechnet jetzt etwas an den Kriegsgräbern getan wird, kann keiner so genau sagen. Was getan werden soll, hingegen schon: Nach Angaben des Sozialministeriums werden neun Steine mit Namen von Kriegsopfern gereinigt und neu recherchierte Daten hinzugefügt, gelegentlich auch Schreibfehler ausgebessert. Neun von weiteren 18 Steinen, auf denen derzeit noch „Njeiswestny Soldat“ – unbekannter Soldat – steht, werden abgeschliffen und erhalten Namen, Geburts- und Todesdaten. Die Angaben stammen von der russischen Botschaft, klärt Jörg Förster, Sprecher des Sozialministeriums, auf. Nach Angaben des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der russischen Botschaft liegen hier 27 sowjetische Bürger begraben, darunter drei Soldaten, die bei den Kämpfen Anfang Mai 1945 ?elen, und sowjetische Soldaten, die nach dem Ende des Krieges an ihren im Kampf erlittenen Verwundungen verstarben. Hinzu kommen sowjetische Armeeangehörige, die in Ausübung ihres Dienstes in den Jahren 1945 bis 1947 zu Tode kamen. Die dann noch verbleibenden neun Steine für unbekannte Soldaten werden ebenfalls aufgearbeitet.

Doch dabei soll es längst nicht bleiben: Auch das Eingangsportal und der große Gedenkstein in der Mitte erhalten eine Verjüngungskur, bestätigt der Ministeriumssprecher. Zudem müssen zwei Bäume rechts und links vom Portal gefällt werden. Der 60 Jahre alte Zaun um die kleine Anlage herum wird durch ein neues feuerverzinktes und pulverbeschichtetes Modell ersetzt, ebenfalls die Eingangstür.

Sowjetische Kriegsgräberstätten im Landkreis

Bad Muskau im Stadtpark

Boxberg: OT Uhyst Gedenkstätte/ OT Kringelsdorf Friedhof

Ebersbach-Neugersdorf: OT Ebersbach neben Altem Rathaus und Friedhof

Gablenz: Friedhof/ OT Kromlau Friedhof

Görlitz: Städt. Friedhof/ Friedh. Biesnitz

Großschweidnitz: Anstaltsfriedhof

Herrnhut: OT Strahwalde Friedhof

Kottmar: OT Kottmarsdorf Ehrenfriedhof

Löbau evangel. und kathol. Friedhof

Niesky Ehrenfriedhof

Oppach Friedhof

Oybin Gedenkstätte

Reichenbach: Ehrenfriedhof

Rietschen: Ehrenfriedhof

Rothenburg: Ehrenfriedhof und Panzerdenkmal; OT Uhsmannsdorf auf Friedhof

Schönau-Berzdorf: Friedhof

Trebendorf: Ehrenfriedhof

Weißwasser Ehrenfriedhof

Zittau: städtischer Friedhof und Frauenfriedhof; OT Eichgraben, OT Hartau, OT Hirschfelde; OT Dittelsdorf

www.sowjetische-memoriale.de

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Der Plan ist somit klar – doch die dazu nötigen Absprachen gestalten sich mitunter ein wenig zäh, seufzt der Bürgermeister. Denn die Russische Föderation will erst ihr endgültiges Okay geben, wenn sie die Arbeiten – von den Steinmetzen zum Beispiel – gesehen hat. Eigentlich ein Unding. Denn die Gemeinde muss für den Erhalt der Fördergelder nicht nur das Steinmetzangebot, sondern auch das „Da“ der Russen mitliefern. „Wir sind auf gutem Weg, haben alle anderen Genehmigungen – auch vom Denkmalschutz“, erklärt Hänel den Stand der Dinge.

Dass überhaupt in Schönau-Berzdorf mit seinem doch sehr überschaubaren Gräberfeld für sowjetische Gefallene so viel für den Erhalt getan wird, ist nicht außergewöhnlich: Seit 2010 tritt die Russische Föderation regelmäßig an die Landesdirektion Sachsen heran, um neu ermittelte Namen auf den Friedhöfen zu verewigen und die Anlagen instand zu halten. Allerdings geschieht das nur im gegenseitigen Einverständnis beider Seiten, betont Ministeriumssprecher Förster. Auch das ist in einem gegenseitigen Vertrag so festgelegt. Bei den Kosten für die Arbeiten gibt es ebenfalls eine klare Vereinbarung: Diese Maßnahmen zum Erhalt solcher Gräber werden zu hundert Prozent gefördert. Steinarbeiten und Zaun, so überschlägt es Christian Hänel, schlagen wohl insgesamt mit etwa 20 000 Euro zu Buche.

Wann das kleine Gräberfeld auf dem Friedhof mit den Efeu bedeckten 27 Grabstellen am Ende fertig aufpoliert ist, kann noch niemand genau sagen. Derzeit ist aber vor Ort noch beschauliche Ruhe – Friedhofsruhe.