merken
PLUS Dippoldiswalde

Klingenbergs Cranberrys sind reif

In Neuklingenberg befindet sich Sachsens einzige Anbaufläche der roten Vitaminbomben. Ab sofort darf dort gepflückt werden.

Auf seiner Cranberryfarm in Neuklingenberg kann Hermann Ilgen nun die reifen Beeren ernten.
Auf seiner Cranberryfarm in Neuklingenberg kann Hermann Ilgen nun die reifen Beeren ernten. © Karl-Ludwig Oberthür

Rot und prall hängen die Beeren an den dünnen Zweigen, zwischen immergrünen Blättern. Die kleinen Vitaminbomben, denen eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird, schmecken säuerlich und leicht bitter. Sie wachsen an niedrigen Sträuchern auf der Anbaufläche in Neuklingenberg.

Hermann und Ines Ilgen aus Dorfhain haben hier Cranberrys gepflanzt und betreiben damit - soweit sie wissen - die einzige Cranberryfarm in ganz Sachsen. Entsprechend groß ist inzwischen auch ihr Kundenkreis, der von Markkleeberg bis nach Chemnitz reicht. Nun kann wieder geerntet werden.

Anzeige
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht
Unser Datenschatz, zukunftssicher gemacht

Das Verwahren, Strukturieren und Transparent machen von Forschungsergebnissen auf nationaler Ebene ist ein Mammutprojekt – bei dem die TU Dresden ganz vorn mit dabei ist.

Dieses Jahr hat es ausreichend geregnet, die Ernte scheint deshalb vielversprechend. "Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Jahr das ertragreichste wird", sagt der 61-Jährige. 600 bis 700 Kilogramm, schätzt Hermann Ilgen, hängen an den Sträuchern. "Das ist schon beachtlich, zumal die Beeren so leicht sind."

Vergangenes Wochenende war Erntebeginn, etwa 150 Leute haben das schon genutzt. Weitere Pflücktermine gibt es an jedem Wochenende im Oktober. Je nach dem, wie viele Beeren dann noch hängen, geht es vielleicht auch noch in den November hinein, sagt Hermann Ilgen, der die Anlage zusammen mit seiner Frau betreibt.

Cranberry-Anbau soll Hobby bleiben

Angefangen haben die Hobbygärtner bei sich zu Hause. Die beiden Cranberry-Liebhaber pflanzten im eigenen Garten versuchsweise eine paar Sträucher und hatten nach einigen Versuchen auch entsprechend Erfolg. Da die Nachfrage im Freundes- und Bekanntenkreis immer weiter zunahm, wagten sie den Schritt und suchten sich eine größere Fläche. Im wenige Kilometer entfernten Neuklingenberg wurden sie schließlich fündig. 2013 hat das Ehepaar dort losgelegt. Erst musste der Boden vorbereitet werden, dann wurde angepflanzt. Die erste richtige Ernte gab es 2015. Flächenmäßig vergrößern wollen sie sich aber nicht mehr, die Cranberryfarm soll ein Hobby bleiben.

Die Beeren sollten dunkelrot und knackig sein.
Die Beeren sollten dunkelrot und knackig sein. © Karl-Ludwig Oberthür

Auf das Anbaujahr gesehen, verbringen die Ilgens etliche Stunden auf der Anhöhe in Neuklingenberg. Das Unkrautjäten macht die meiste Arbeit, sagt Hermann Ilgen. Die Cranberry-Pflanzen wachsen mittlerweile dicht an dicht, das Unkraut samt Wurzeln aus dem Boden zu kriegen, sei da gar nicht so einfach. "Wenn man das einmal verpasst, wird es sehr schwierig." Denn werden die Sträucher vom Unkraut überwuchert, tragen weniger Beeren.

Zeit in Anspruch nimmt auch der Auf- und Abbau der Bewässerungsanlage, die Hermann Ilgen selbst gebaut hat. Die Beeren brauchen zwar nicht Unmengen an Wasser, aber regelmäßig, weiß der 61-Jährige. Die Wasserversorgung sei bisher kein Problem gewesen. "Wir haben einen Brunnen, der genug Wasser gibt", sagt Hermann Ilgen. Trotzdem seien die drei sehr trockenen Sommer der vergangenen Jahre noch deutlich spürbar. "Das Grundwasser ist dermaßen abgesackt," beobachtet er. "Anfangs war das Wasser noch zwei oder drei Meter unterhalb der Oberfläche, heute sind es 17 Meter", sagt er mit Blick auf seine Messinstrumente.

Doch insgesamt sind die Anbaubedingungen in Neuklingenberg nach wie vor gut. Und wenn es in einem Jahr weniger Ertrag gibt, dann ist das eben so, findet das Ehepaar.

Der Cranberrys geschmacklich überdrüssig geworden sind die Ilgens übrigens noch nicht. "Ich hatte ehrlich gesagt schon Angst davor, da ich größere Mengen des Fruchtaufstrichs esse, den meine Frau zubereitet", sagt Hermann Ilgen und lacht. "Doch zum Glück ist das nicht eingetreten."

Der Fruchtaufstrich zum Nachkochen

Zutaten: 1 kg Cranberrys, frisch oder gefroren, 250 bis 350 ml Wasser, je nach gewünschter Festigkeit, 300 bis 500g Zucker, je nach gewünschter Süße.

Zubereitung: Alles unter Rühren kochen, bis die Beeren platzen. Je nach gewünschter Konsistenz, alles grob zerdrücken oder pürieren. Anschließend heiß in Schraubgläser füllen.

Tipp: Statt Wasser geht auch Orangensaft, gut schmeckt, wenn man etwas Vanillemark dazugibt.

Der Fruchtaufstrich passt zu Joghurt, Quark, Skyr, Käse, Wild, Schokovarianten, als „Plinsenfüllung“ oder im Hefegebäck.

Alle interessierten Selbstpflücker können an den kommenden vier Wochenenden, Samstag und Sonntag, jeweils von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr auf der Cranberryfarm vorbeikommen. Der Kilopreis beträgt 7 Euro. Kniekissen und Pflückbehälter gibt es zum Ausleihen. Mehr Infos im Internet unter www.cranberryfarm.de

Mehr zum Thema Dippoldiswalde