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Im Lkw vom Stiefvater sexuell missbraucht?

Eine erwachsene Frau stellt Strafanzeige gegen ihren Stiefvater. Der soll sie als 13-Jährige sexuell genötigt haben. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

In der Schlafkabine eines Lkw soll es passiert sein.
In der Schlafkabine eines Lkw soll es passiert sein. © dpa

Von Anne Schicht

Endlich mal ins Ausland. Das war für die 13-Jährige bis dahin nicht so einfach möglich gewesen. Ihre Mutter war gerade wieder schwanger und noch zwei weitere Brüder galt es zu versorgen. Das Geld war knapp. Der neue Lebensgefährte der Mutter verdiente als Fernfahrer auch nicht gerade die Welt, aber er konnte ein bisschen die Welt zeigen. Im Sommer 1998 sollte er Korbwaren aus Italien abholen und fragte die 13-Jährige, ob sie mitkommen wolle. Erfreut habe sie zugestimmt.

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So erinnert sich Rene Z. 22 Jahre später vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde, wo er jetzt angeklagt ist.

Den ganzen Tag sei man unterwegs gewesen, abends habe man auf Rastplätzen übernachtet. In Restaurants seien die beiden nicht gegangen: „So viel Geld hatten wir nicht. Wir haben uns immer selbst was gekocht“, so der heute 58-Jährige. Der Schlafplatz im Lkw habe sich oberhalb der Fahrerkabine befunden, das Bett sei sehr schmal gewesen. Er habe mit seiner Stieftochter „Fuß an Kopf“ geschlafen.

Schlimme Erinnerungen an jene Nacht

Die damals 13-Jährige hat jedoch schlimme Erinnerungen an eine dieser Nächte. 2018 stellte sie dann eine Strafanzeige gegen ihren Stiefvater wegen sexuellen Übergriffs und Nötigung. Laut Anklage habe er versucht, sie an einem dieser Abende in Italien zu penetrieren. Als das nicht funktionierte, habe er sie mit der Hand manipuliert. 2017, als sie schon erwachsen war, habe er auch noch einmal versucht, ihre Brüste anzufassen.

Der Angeklagte streitet die Vorwürfe empört ab. „Ich habe alle meine Kinder lieb gehabt, egal ob es meine leiblichen waren oder nicht. So etwas würde ich nie tun.“ Er vermutet, dass seine Stieftochter sich an ihm rächen wolle, weil sie ein Finanzproblem habe.

Der Partner der Stieftochter wiederum erzählt im Zeugenstand, dass seine Lebensgefährtin in Tränen ausbrechen und am ganzen Körper zittern würde, wenn sie auf bestimmte Themen zu sprechen kämen. Er würde dann nicht weiter fragen, weil er Angst habe, die Sache nicht auffangen zu können. Aber er habe ihr geraten, sich Hilfe zu holen, zum Beispiel beim Weißen Ring. Lügen könne seine Partnerin ganz schlecht. Sie würde sich dann auffällig und verdächtig verhalten.

Zeugin mit konfusen Erinnerungen

Auch die Mutter sagte als Zeugin aus. Die Worte der kleinen zierlichen Frau zu den schweren Vorwürfen ihrer Tochter sind deutlich: „Das ist alles gelogen von Anfang bis Ende.“ Warum sie das so genau wisse, will Richterin Daniela Höllrich-Wirth wissen. Sie sei doch gar nicht dabei gewesen. „Ich kenne meine Tochter dafür umso besser“, stößt die Frau hervor und schiebt hinterher: „Sie hat eine ganz intelligente Art, andere von ihren Lügen zu überzeugen.“

Auf Nachfrage des Gerichts berichtet die Mutter von einem Brief, den sie damals unter dem Kopfkissen des Mädchens gefunden habe. Der wäre an „ihren Erzeuger“ gerichtet gewesen. In dem Brief habe die 13-Jährige geschrieben, dass sie sich ungeliebt fühle, und auch von einem sexuellen Vorfall berichtet. Aber den Brief habe ihre Tochter vor der Italienfahrt geschrieben, so behauptet die Mutter.

Konfus springt die Frau in ihren Erinnerungen hin und her und dann wird doch klar, dass der Brief was mit der Italienfahrt zu tun haben muss. Als die Tochter von der Schule heimgekommen sei, habe die Mutter sie zur Rede gestellt und dann gleich den Stiefvater angerufen. Das Telefon habe sie dabei laut gestellt. Ihr Lebensgefährte habe da gedroht: „Ich fahre an einen Brückenpfeiler, wenn sie nicht aufhört zu lügen.“

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Ob sich der Angeklagte vor mehr als 20 Jahren an der damals 13-Jährigen vergriff, klärte das Amtsgericht Dippoldiswalde. Dafür musste auch das Opfer aussagen.

Ob es nicht sein könne, dass das Mädchen gewollt habe, dass die Mutter den Brief findet, fragt die Richterin nach. Darauf weiß die Frau keine Antwort. „Wir hatten das dann geklärt, damit war das für mich erledigt. Wir waren immer liebevoll, fürsorglich, rücksichtsvoll – wie es ich für eine Familie gehört“

Der Prozess wird fortgesetzt. Beim nächsten Verhandlungstag wird die Stieftochter selbst aussagen. Auch eine Gutachterin wird zu Wort kommen. Dann muss das Gericht urteilen.

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