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Wohnen im königlichen Finanzamt

Die Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde investiert 3,5 Millionen Euro in 16 neue Wohnungen. Dabei wurde auch auf die Nachbarschaft acht gegeben.

Im ehemaligen Landratsgebäude in Dippoldiswalde an der Dr.- Friedrichs-Straße 2 sind 16 Wohnungen entstanden.
Im ehemaligen Landratsgebäude in Dippoldiswalde an der Dr.- Friedrichs-Straße 2 sind 16 Wohnungen entstanden. © Egbert Kamprath

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nach zwei Jahren Bauzeit ist die aufwendige Sanierung des alten Landratsamts in Dippoldiswalde abgeschlossen. Statt Verwaltungsangestellter gehen dort jetzt Familien ein und aus. 16 Wohnungen sind im Stadtzentrum entstanden. "Nur zwei sind noch nicht vermietet", sagt Falk Kühn-Meisegeier, Vorstand und Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde. Er geht davon aus, dass auch die bald an Interessenten vermietet sind, die hochwertige Wohnungen schätzen.

Das Unternehmen hatte die Immobilie 2016 vom Landkreis erworben, der diesen Verwaltungsstandort aufgegeben hatte. Dann begannen die Planungen zum Umbau. Die Baugenehmigung wurde im März 2018 erteilt. Drei Monate später begann der Bau. Der zog sich zwei Jahre hin. 

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Die Bausubstanz ist fast 120 Jahre alt und musste den Anforderungen ans moderne Wohnen angepasst werden. Terrasse und Balkone entstanden. Mit einem Lift kann man bequem die oberen Etagen erreichen. Wohnungs-LAN-Netz und bodengleiche Duschen gehören ebenso zum Komfort wie Carports.

Das hat seinen Preis. Die Kaltmieten liegen je nach Wohnungsgröße bei 8 beziehungsweise 8,50 Euro je Quadratmeter. Das ist für Dippoldiswalder Verhältnisse eher viel. Doch der Bedarf ist da. Schon in der Bauphase wurden Mietverträge abgeschlossen. Nach Fertigstellung im Sommer dieses Jahres konnten die ersten Mieter ihre Wohnungen beziehen. Nun ist das Haus fast voll.

Gebäude mit eigener Geschichte

Die Wohnlage neben dem Schlosspark ist attraktiv. Zu Amtszeiten war der direkte Weg vom Amtsgericht zum Park gesperrt. Das soll sich jetzt wieder ändern. Darauf hatte die Stadt gedrängt. "Im Außenbereich sind noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Dazu gehört auch dieser Weg", erklärt Kühn-Meisegeier.

Zu dem Gebäude mit Baujahr 1900 gibt es zahlreiche Geschichten zu erzählen. Einst wurde es als königlich-sächsisches Finanzamt errichtet. Zu DDR-Zeiten residierte darin die Kreisleitung der SED, also der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, die in der DDR fast alles entschied. 

Nach der politischen Wende 1990 wurde das zentral gelegene Objekt als Verwaltungsstandort des Landratsamtes genutzt. Als das die Räume nicht mehr brauchte, kaufte die Genossenschaft das leer stehende Gebäude, um es zu Wohnungen umzubauen. Gleichzeitig erwarb das Wohnungsunternehmen den angrenzenden Parkplatz von der Stadt.

Ursprünglich waren die Baukosten auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt worden. Am Ende war eine Million Euro mehr nötig. Zehn große Bäume wurden auf dem Gelände neu eingesetzt, weitere sollen folgen. Auch eine Hainbuchen-Hecke werde noch gepflanzt.

Das Treppenhaus hat moderne Gestaltungselemente.
Das Treppenhaus hat moderne Gestaltungselemente. © Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde
Die Treppe hat eine Holzauflage erhalten.
Die Treppe hat eine Holzauflage erhalten. © Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde

Denkmalschutz begleitete Bauprojekt

So interessant sich die Historie des Hauses auch anhört, in die Denkmalliste der Stadt wurde es nicht aufgenommen. Doch auch wenn es sich nicht um ein Kulturdenkmal handelt, war die Denkmalschutzbehörde des Landkreises dennoch eingebunden. Denn das sanierte Haus soll sich gut in die Nachbarschaft und das bauliche Ensemble einpassen. "Im Rahmen des Umgebungsschutzes zum Schloss Dippoldiswalde war die Denkmalschutzbehörde am Genehmigungsverfahren beteiligt", teilte Heiko Weigel (CDU), der Baubeigeordnete des Landrats, mit.

So gab es beispielsweise Abstimmungen zur Farbgebung der Fassaden, Fenster und Türen sowie Balkonanbauten. "Somit wurde eine sehr gute gestalterische Integration des Gebäudes in die städtebauliche Struktur erzielt", heißt es aus dem Landratsamt. Ist dann auch die Neugestaltung der Außenanlagen abgeschlossen, profitiert auch das gesamte Umfeld in diesem Quartier, heißt es.

Weitere Sanierungen geplant

Für Mehrkosten hatte auch gesorgt, dass es Krisen und Verzögerungen bei Zulieferern und Rohstoffhändlern gab. Im aktuellen Mitteilungsblatt der Wohnungsgenossenschaft erklärt das Unternehmen: "Es hat sich gelohnt, auch gegen massive Widerstände am Ziel festzuhalten. Auch die ehemaligen Kritiker werden zugeben müssen, dass es ein Schmuckstück geworden ist."

Mit der Bausumme von 3,5 Millionen Euro gehört die Sanierung zwar zu den größeren der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde, ist aber nicht das größte. 

Im kommenden Jahr wird das nächste Projekt in Angriff genommen. Dann will die Genossenschaft den Heizungsumbau an der Puschkin-Straße 1-17 angehen. Dafür sind rund 1,5 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt besitzt das Unternehmen etwa 600 Wohnungen und hat noch etwas mehr Genossenschafter. Wer eine Wohnung mieten möchte, muss zuvor der Genossenschaft beitreten und eine Einlage zahlen.

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