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Bahnlinie: So viel kostet die Reaktivierung

Bis zu 24 Millionen Euro sind für die Modernisierung der Strecke Döbeln-Meißen notwendig. Doch wer bezahlt die Züge?

Fährt er bald wieder, der Zug von Döbeln in Richtung Meißen? Am 12. Dezember 2015 ist das letzte Mal ein fahrplanmäßiger Personenzug auf der Strecke gefahren. Das liegt nun fast fünf Jahre zurück.
Fährt er bald wieder, der Zug von Döbeln in Richtung Meißen? Am 12. Dezember 2015 ist das letzte Mal ein fahrplanmäßiger Personenzug auf der Strecke gefahren. Das liegt nun fast fünf Jahre zurück. © Dietmar Thomas/Archiv

Region Döbeln. Zwischen 17 und 24 Millionen Euro sind notwendig, damit auf der Strecke Döbeln-Meißen wieder regelmäßig Züge fahren können. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das der Landtagsabgeordnete Henning Homann (SPD) aus Döbeln beim Sächsischen Verkehrsministerium in Auftrag gegeben hat.

„Das Gutachten zeigt, dass eine schnelle Verbindung zwischen Döbeln und Dresden möglich ist. Das ist ein großer Schritt nach vorn. Damit haben wir auf Landesebene den politischen Willen, Döbeln besser anzubinden, wiederholt untermauert“, fasst Homann die Ergebnisse zusammen.

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Kernaussage des Gutachtens ist die Höhe der Kosten, die notwendig ist, um eine neue Bahnverbindung von Döbeln über Meißen nach Dresden zu realisieren. „Mit Unterstützung einer Bundesförderung belaufen sich die Investitionskosten für das Land auf 13,6 Millionen Euro“, sagt Homann. Mit der Summe wäre eine zukunftsfähige und moderne Bahnstrecke möglich.

Zwei Varianten wurden untersucht

„Das Gutachten betrachtet sehr ausführlich die umfangreich notwendigen Investitionen in die Infrastruktur, um einen wirtschaftlichen und attraktiven Öffentlichen Personennahverkehr abzubilden“, erklärt Christian Adler, Referent am Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (SMWA). 

Untersucht worden sind dabei zwei Varianten. In der ersten Variante der Inbetriebnahme wird weitestgehend in den Bestand investiert. Konkret gehe es dabei vor allem um die Bahnübergänge, erklärt Eckart Sauter, Geschäftsführer der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie GmbH (NRE), die die Strecke betreibt. 

Die Übergänge sollen in dieser ersten Variante, die laut SMWA Kosten in Höhe von rund 17 Millionen Euro (ohne Bundesförderung) mit sich brächte, zunächst erhalten bleiben. Das hat zwar zur Folge, dass mehr Personal für den Betrieb der Strecke notwendig ist. Aber dafür könnte die Strecke in gut zwei Jahren wieder in Betrieb genommen werden, sagt Sauter.

In Variante zwei ist die Umgestaltung der vorhandenen, aber in weiten Teilen veralteten Eisenbahnstellwerks- und Signalinfrastruktur durch eine moderne Infrastruktur mit Steuerung durch ein elektronisches Stellwerk vorgesehen. Die Kosten hierfür belaufen sich laut Ministerium auf rund 24 Millionen Euro, mit Bundesförderung bleiben für den Freistaat 13,9 Millionen Euro. In jenem Fall sei, so Sauter, weniger Personal für den Betrieb der Strecke erforderlich. Aber es müssten im Vorfeld sehr viele Bahnübergänge umgebaut werden und dies werde viel Zeit in Anspruch nehmen, so der Geschäftsführer. Die NRE bevorzuge daher die erste Variante.

Modernisierung auch im Betrieb

Das Personal sei kein Problem, meint Sauter. Schon jetzt gehörten der NRE 20 Mitarbeiter an. Es gebe immer mal wieder Nachfragen, auch nach Umschulungen von Quereinsteigern. „Das haben wir bereits erfolgreich praktiziert“, meint Sauter. Er schätzt, dass 12 bis 13 Personen notwendig sind, um den Betrieb der Strecke zu gewährleisten. Acht Mitarbeiter seien schon jetzt im Einsatz, um die Tanktransporte auf der Strecke zum Großlager nach Bodenbach bei Rhäsa zu steuern, die zwei bis dreimal täglich auf der Strecke fahren. 

An den modernen Bahnübergängen wolle er trotzdem festhalten. Diese könnten auch bei laufendem Betrieb nach und nach saniert werden. Die erforderliche Geschwindigkeit, die für eine sinnvolle Nutzung der Strecke bis Dresden notwendig wäre, könnten die Züge auch mit den alten Bahnübergängen erreichen. 

Politisch bevorzugt wird hingegen die aufwendigere und kostenintensivere zweite Variante. Henning Homann: „Die von der NRE favorisierte Streckeninstandsetzung im Bestand ist langfristig teurer. Langfristig betrachtet rechnet es sich, jetzt mehr Geld in die Hände zu nehmen.“

Noch kein Haushalt für Sachsen

Doch wie geht es nun nach dem Gutachten weiter? Jenes wurde durch die Fachabteilung im Ministerium einer Prüfung unterzogen und auf verschiedenen politischen Ebenen vorgestellt, so unter anderem bei den Landräten aus Meißen und Mittelsachsen sowie dem Oberbürgermeister von Döbeln, Sven Liebhauser (CDU), informiert Christian Adler vom Ministerium. 

„Das weitere Vorgehen sowie der zeitliche Rahmen sind maßgeblich von der Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel durch den Haushaltsgesetzgeber abhängig.“ Die Haushaltsverhandlungen für den Doppelhaushalt 2021/2022 sind bislang nicht abgeschlossen. Eine zeitliche Prognose könne daher nicht abgegeben werden.

Verkehrsverbünde sind gefragt

Aber das Geld für den Wiederaufbau der Strecke ist nur die eine Seite der Medaille. Auch Züge und Personal müssen finanziert werden. Und hier kommen die Verkehrsverbünde ins Spiel. „Wir haben uns als Land bekannt“, sagt Homann. Der Ball liege jetzt im Feld der Verkehrsverbünde. „Deren verbindliche Bereitschaft, die Strecke zwischen Döbeln und Dresden zu bestellen, ist die zwingende Voraussetzung dafür, dass das Land eigene finanzielle Mittel zur Unterstützung bereitstellen kann.“

Beteiligt sind der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) sowie der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Jene erhalten vom Bund über den Freistaat sogenannte Regionalisierungsmittel für den Betrieb des ÖPNV. Diese könnten zum Betrieb der Strecke genutzt werden. Fraglich ist jedoch, ob das Geld reicht. Denn laut Falk Ester, dem Sprecher des VMS, betragen die Kosten für den Busverkehr nur rund fünf bis zehn Prozent der Kosten, die für den Eisenbahnverkehr notwendig sind. 

Für den VVO hat das Gutachten keine überraschenden Ergebnisse zu Tage befördert. „Die Investitionen bewegen sich im Rahmen dessen, was der VVO von Anfang an erwartet hat“, äußerte sich Sprecher Christian Schlemper. Zur Finanzierung des Betriebs der Strecke verweist er auf Gelder, die Sachsen aus dem Klimapaket des Bundes erhalten soll. 2020 wurden hier zehn Millionen Euro, 2021 sowie 2022 jeweils 20 Millionen Euro und ab 2023 schließlich 30 Millionen Euro an zusätzlichen Regionalisierungsmitteln in Aussicht gestellt. „Daraus könnte der zusätzliche Aufwand gedeckt werden.“

Einsparungen im Busverkehr seien laut Schlemper nicht möglich, da die Bahn künftig als RegionalExpress verkehren soll, die Halte Deutschenbora und Miltiz-Roitzschen nicht bedient würden. Auch ein zusätzlicher Halt am Gymnasium Nossen sei nicht vorgesehen. „Zudem sind die PlusBus-Linien 416, 418 und 424 vom Freistaat verbindlich vorgegeben. Die Linie 424 hat zudem eine wichtige Funktion in der Verbindung von Nossen und Wilsdruff untereinander“, betont Schlemper.

Stimmen zum Gutachten aus der Politik

Nicht nur vonseiten der Bürger, Eisenbahnfans und verschiedener Initiativen wird die Bahnstrecke zurückgewünscht. Auch politisch ist der Wille zur Wiederbelebung da, sowohl auf kommunaler als auch auf Kreisebene.

Döbelns Oberbürgermeister:

Sven Liebhauser (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Döbeln, will sich auch weiterhin für eine attraktive Strecke, auf der die Bahn etwa eine Stunde von Döbeln nach Dresden benötigt, einsetzen. So werde die Strecke von den Menschen aus der Region gewünscht. Und dies sei möglich, äußerte sich Liebhauser. 

„In einer entsprechenden Beratung im Wirtschaftsministerium wurde ich über das Konzept informiert. Die darin genannten Summen erscheinen mir realistisch. Umsetzbar ist das Vorhaben aber nur dann, wenn Bund und Freistaat ihrer Gesamtverantwortung für das Projekt nachkommen.“ Auch Liebhauser weist auf die Herausforderung in Bezug auf den laufenden Betrieb der Strecke hin. „Dieser liegt dann in der Verantwortung der, wie wir wissen, leistungsfähigen Verkehrsverbünde.“

Roßweins Bürgermeister: 

Für Veit Lindner (parteilos), den Bürgermeister von Roßwein, ist jeder Euro, der in die Strecke investiert werde, eine gute Investition. Das Gutachten hatte er allerdings bisher noch nicht einsehen können.

Nossens neuer Bürgermeister: 

Ein Einsetzen für die Reaktivierung der Strecke erhofft sich der Geschäftsführer der NRE, Eckart Sauter, zudem von Nossens neuem Bürgermeister Christian Bartusch (SPD). „Die Reaktivierung der Bahnstrecke ist für unsere Stadt sehr wichtig. Insbesondere die Verkehrssituation Richtung Dresden ist aufgrund der permanenten Staus auf der A 4 nicht mehr tragbar. Hier bietet nur die Schiene eine zuverlässige Alternative – insbesondere auch für unsere Berufspendler.“ 

Bartusch baue darauf, dass der Ministerpräsident zu seinem Wort stehe und sich für die Reaktivierung auf Landesebene starkmache, wenn es unter anderem darum geht, Mittel für die notwendigen Investitionen über den Landeshaushalt bereitzustellen. „Als Bürgermeister möchte ich mich bei den zuständigen Stellen intensiv für die Reaktivierung einsetzen. Hierzu werde ich auch den Kontakt zu meinen künftigen Amtskollegen an der Strecke und natürlich zur Infrastrukturbetreiberin NRE suchen.“

Mittelsachsens Landrat: 

Matthias Damm (CDU) war selbst bei der Vorstellung des Gutachtens mit dabei. Schließlich gebe es auch ein Bekenntnis des Kreistages zu der Bahnverbindung. „Es ist wichtig, dass es dieses Gutachten gibt, denn damit gibt es belastbare Zahlen und Fakten“, äußerte sich Damm. 

Nun gelte es, die Ergebnisse des Gutachtens aufzugreifen und sich damit auseinanderzusetzen. „Die Strecke hat eine Bedeutung für die Region, dies wird auch dadurch deutlich, weil sich viele Personen und Initiativen dafür einsetzen.“

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