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Den Duft der Kräuter eingefangen

Eva Rockmann baut nicht nur Bio-Gemüse an. Nun werden aus den Kräutern auch Tee- und Gewürzmischungen.

Eva Rockmann ist Inhaberin der Bio-Gärtnerei Rockmann. Sie bietet neben Gemüse aus Tee an. Dafür trocknet sie unter anderem Malven.
Eva Rockmann ist Inhaberin der Bio-Gärtnerei Rockmann. Sie bietet neben Gemüse aus Tee an. Dafür trocknet sie unter anderem Malven. © Dietmar Thomas

Leisnig. Die Teeküche im Gut in Fischendorf sieht sehr aufgeräumt aus. Auf dem Tisch liegen braune Tüten, die mit einem Aufkleber versehen sind. Die Namen der Teemischungen, die später in die Tüten gefüllt werden, klingen interessant und machen Lust aufs Probieren. So gibt es unter anderem Winterfeuer, Wilde Blüte oder Rosenzauber.

„Über den Namen der Teesorten stimmen wir in der Familie ab. Er muss zu den Zutaten passen, die wir verwenden, und zum Geschmack des Tees“, sagte Eva Rockmann, Inhaberin der gleichnamigen Biogärtnerei in Altenhof.

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Die Bio-Gärtnerin kann auf eine lange Familiengeschichte bezüglich ihres kleinen Unternehmens zurückblicken. Denn bereits im Jahr 1919 eröffnete Oskar Rockmann in Fischendorf eine Gärtnerei. Die nachfolgenden beiden Generationen bauten sie weiter aus, errichteten viele Glashäuser und Frühbeetkästen.

Bis 1996 wurden hauptsächlich Zierpflanzen produziert, insbesondere Azaleen. Aber auch Gemüse wurde angebaut und verkauft. 2012 wurde die Bio-Gärtnerei von Eva Rockmann neu gegründet und seitdem ökologisch bewirtschaftet. „Unser Schwerpunkt der Arbeit liegt nach wie vor auf dem Bio-Gemüse. Wir bauen auch Kräuter, Heidel- und Erdbeeren an“, so Eva Rockmann. 

2015 hatte sie die Idee, die Kräuter, die sie nicht verkaufen konnte, in Tee- oder Gewürzmischungen zu verarbeiten. „Ich habe mich lange damit befasst, viel darüber gelesen und den Trockenschrank Herb.ERT angeschafft“, so Eva Rockmann.

Eine Teesorte, die Eva Rockmann mischt, nennt sich "Wilde Blüte". Sie ist nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch sehr gut.
Eine Teesorte, die Eva Rockmann mischt, nennt sich "Wilde Blüte". Sie ist nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch sehr gut. © Dietmar Thomas

Das Herzstück der Teeküche

Herb.ERT steht nun in ihrer Teeküche und ist sozusagen das Herzstück. „Die Kräuter kommen in Schubfächer. Ihnen wird im Trockenschrank das Wasser entzogen. Es findet ein permanenter Luftaustausch statt. Die feuchte Luft, die durch die Kräuter entsteht, wird herausgeblasen und trockene Luft in den Schrank hinein“, erklärte die Bio-Gärtnerin. 

Sie legt Wert darauf, dass es sich nicht um einen Dürrautomaten handelt. Da die Trocknung ohne Sonnenlicht passiert, behalten die Kräuter ihre Farbe und ihr Aroma. Je nach Art der Kräuter und des Stengelanteils dauert das Trocknen von zwei Stunden bis zu einem Tag. Bevor sie in die Schieber von Herb.ERT kommen, werden die Kräuter gewogen. „Wir müssen wissen, wie viel wir geerntet haben, um unseren Produktionsablauf nachvollziehbar zu machen. Das ist wiederum für die Biozertifizierung notwendig. Abgeschnittene Dillspitzen oder Schnittlauch benötigen etwa zwei Stunden, bis sie trocken sind“, so Rockmann.

Der Trockenautomat Herb.ERT ist das Herzstück der Teeküche. In ihm werden die Kräuter für den Tee und die Gewürzmischung getrocknet.
Der Trockenautomat Herb.ERT ist das Herzstück der Teeküche. In ihm werden die Kräuter für den Tee und die Gewürzmischung getrocknet. © Dietmar Thomas

Anschließend kommen sie sortenrein in einen lebensmittelechten und wasserdichten Behälter. Die einzelnen grauen Kisten hat Eva Rockmann mit kleinen Anhängern beschriftet. Die getrockneten Rohstoffe sind die Grundlage für die Gewürz- und Teemischungen.

Für deren Herstellung nimmt sich die Bio-Bäuerin meist am Abend Zeit. Schließlich benötigt sie für das Zusammenstellen und Zerkleinern viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Zunächst werden die Zutaten entsprechend einem sorgfältig ausgewählten und geheimen Verhältnis gemischt.

Dabei verlässt sich Eva Rockmann nicht auf den Zufall. Bevor eine neue Teemischung entsteht, wird genau überlegt, welche der 31 verschiedenen Kräuter gut zusammenpassen und welche Wirkung der Tee haben soll. Dann wird verkostet – mit der Familie und Freunden. 

In den Tee kommen nicht nur die selbst angebauten Kräuter. „Es wird auch gesammelt und verwendet, was auf unseren Wiesen wächst. Das sind unsere eigenen bio-zertifizierten Wiesen“, so Eva Rockmann. Als Beispiel nennt sie Spitzwegerich.

Auch die Optik spielt bei der Zusammenstellung der Mischungen eine Rolle. So wirken Rosenblütenblätter, Kamille oder die Ringelblume sehr farbenfreudig. Außerdem duften sie. 

Die Zutaten für den Tee sehen nicht nur schön aus, sie duften auch.
Die Zutaten für den Tee sehen nicht nur schön aus, sie duften auch. © Dietmar Thomas

Das ist auch so, wenn Eva Rockmann eine der Kisten öffnet, in denen sie die getrockneten Kräuter aufbewahrt. Und wenn sie die Teemischungen zusammenstellt, dann ist die Teeküche ein kleines Duftparadies. Und nicht nur Kräuter werden hier hergestellt. Es entstehen auch die beiden Gewürzmischungen – italienische Gewürzmischung und Kräutergarten. Dafür stehen Eva Rockmann insgesamt zwölf Kräuter zur Verfügung. Sind die Teemischungen fertig, werden sie gewogen und in die Tüten abgefüllt.

Während im ersten Jahr die Herstellung von Tees und Gewürzmischungen eher ein Probelauf war, ist nun die Teeherstellung ein festes Standbein der Bio-Gärtnerei. „Die Leute haben mein Angebot angenommen. Die Nachfrage wurde immer größer und die Rückmeldungen waren positiv. Das hat mich angespornt, neue Teesorten zu entwickeln“, sagte die Bio-Gärtnerin.

 Inzwischen sind es acht Sorten und es können durchaus noch mehr werden. Denn ab nächstem Jahr will Eva Rockmann noch mehr Kräuter anbauen .Angeboten werden der Tee und die Gewürzmischungen im Mittelsachsenshop, auf dem Bauernmarkt in Kloster Buch, auf dem Bio-Bauernmarkt in Sornzig und im kleinen Hofladen in Fischendorf. Der hat am Sonnabendvormittag geöffnet.

Hans-Jürgen Rockmann erntet Salate.
Hans-Jürgen Rockmann erntet Salate. © Dietmar Thomas

Die Bio-Gärtnerei Rockmann bewirtschaftet insgesamt eine Fläche von zwei Hektar. Davon befindet sich der größte Teil in Altenhof. Etwa ein Hektar wird für den Anbau von Gemüse, Kräutern, Blumen und Gründüngung sowie zur Saatgutgewinnung genutzt. In unbeheizten Folientunneln wachsen Gemüse und Wintersalate. Dazu gehören Feldsalat und die Asia-Salate. 

„Die sind sehr gefragt, weil die Leute im Herbst und im Winter etwas Frisches haben wollen. Im Sommer gibt es noch viele, die ihr Gemüse im Kleingarten anbauen“, sagte Eva Rockmann. Sie baut zusammen mit ihrem Vater und zwei Angestellten in Teilzeit unter anderem gelbe sowie geringelte Bete, Haferwurzel und gelbe Möhren an. Das Gemüse wird über die Naturkost Auenhof, in Bio-Läden und bei Rewe in Leisnig vermarktet.

Die Bio-Gärtnerei Rockmann baut auch seltene Gemüse wie bunte Bete an.
Die Bio-Gärtnerei Rockmann baut auch seltene Gemüse wie bunte Bete an. © Dietmar Thomas

Die nächste Folge der Serie Lecker vom Hof erscheint am 30. Oktober.

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