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Kartoffelsprechstunde in Clennen

Der Bio-Landwirt Eckhard Voigt in Doberquitz baut besondere Saaten an. Das erfordert viel Wissen und Geschick. Aber es klappt nicht immer.

Eckhard Voigt ist Bio-Bauer in Doberquitz bei Leisnig. Neben Kartoffeln baut er unter anderem Linsen, Senf, Leinen und Kümmel an.
Eckhard Voigt ist Bio-Bauer in Doberquitz bei Leisnig. Neben Kartoffeln baut er unter anderem Linsen, Senf, Leinen und Kümmel an. © Dietmar Thomas

Leisnig. Kümmel ist ein wahrer Alleskönner unter den Kräutern. Wer kann sich schon Hackepeter oder Kartoffeln ohne Kümmel vorstellen? In der Küche verwendet man Kümmelfrüchte seit mehr als 3.000 Jahren zum Brotbacken oder für viele Kohlgerichte. Kümmeltee und Kümmelöl werden in der Naturheilkunde vor allem bei Verdauungsbeschwerden sowie bei leichteren Magen- und Darmerkrankungen empfohlen.

Die Anwendungen finden in der heutigen Zeit immer mehr Beachtung. Doch kaum jemand macht sich Gedanken, wie Kümmel angebaut und geerntet wird.

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Einer, der sich auskennt, ist Eckhard Voigt vom gleichnamigen Bio-Landwirtschaftsbetrieb in Doberquitz bei Leisnig. Seit 1991 baut er Kümmel, gelben und indischen Senf, Koriander, Linsen, Kartoffeln und eben auch Kümmel an. 

Der gehört zur Familie der Doldenblütler, ähnelt der Möhre im Blatt und ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet er eine Blattrosette und im zweiten Jahr ein bis drei 1,20 Meter hohe Stängel mit weißen Blütenständen aus.

Bio-Bauer Eckhard Voigt (links mit , Marcel Seidel bei der Aussaat von indischem Senf.
Bio-Bauer Eckhard Voigt (links mit , Marcel Seidel bei der Aussaat von indischem Senf. © Dietmar Thomas

Knifflige Aufgabe für den Bio-Bauer

Kümmel kann sowohl im Frühjahr als auch im Herbst gesät werden. Dafür verwendet Eckhard Voigt eine Sämaschine. Die Ernte ist etwas schwierig. „Die Blütenstände reifen nicht gleichmäßig ab. Für mich ist es eine knifflige Aufgabe, den Kümmel verlustarm und qualitätsgerecht zu ernten“, sagte der Bio-Landwirt.

 Nachdem die Stängel mit dem Mäher geschnitten wurden, bleiben sie zunächst für etwa zehn Tage zur Nachreife auf dem Feld liegen. Anschließend werden die Schwade maschinell aufgenommen und gedroschen. Etwa im Juli wird der Kümmel geerntet. „Um gut wachsen zu können, braucht der Kümmel eigentlich feuchtes und gemäßigtes Klima. In den vergangenen drei Jahren haben die Pflanzen stark unter der Trockenheit gelitten. Man kann schon von drei Missernten sprechen“, so Eckhard Voigt.

Der Kümmel kommt nach der Ernte in ein Stahlblechsilo in einem gut belüfteten, trockenen und sauberen Lager. Zuvor allerdings wird bei der Vorreinigung die Saat von der Spreu, dem Stroh und dem Staub befreit. „Wichtig für den Geschmack ist, dass keine anderen Kräuter wie zum Beispiel Kamille in die Kümmelkörner kommen.“ Verkauft wird der Kümmel in verschiedenen Abpackungen ab Hof, um genau zu sein, in der Kartoffelscheune in Clennen. 

Hier hat der Landwirtschaftsbetrieb seinen Hofladen. Eckhard Voigt hat sich für den Anbau einer alten Sorte entschieden. „Der Niederdeutsche ist zwar nicht mähdruschfest, hat aber einen besonderen Geschmack. Er ist angenehm würzig“, sagte der Bio-Bauer. Das Korn sitze sehr locker. Deshalb habe der Niederdeutsche auch keine Stile an den Körnern. Auch wenn er den niedrigsten Ertrag aller Sorten bringe, so stimmen doch die äußere Qualität und der Geschmack.

Zurzeit sät Eckhard Voigt indischen Senf aus. Ist die Feldarbeit beendet, geht es im Wald weiter, denn der Doberquitzer ist auch Waldbauer.
Zurzeit sät Eckhard Voigt indischen Senf aus. Ist die Feldarbeit beendet, geht es im Wald weiter, denn der Doberquitzer ist auch Waldbauer. © Dietmar Thomas

Die Natur ausgetrickst

Nicht nur der Anbau des Kümmels ist für Landwirte eine besondere Herausforderung. Manchmal muss der Bio-Bauer sogar die Natur ein wenig austricksen. So zum Beispiel beim indischen oder braunen Senf. Der wird für die Produktion von Dijonsenf benötigt.

 „Es ist relativ schwierig, diesen Senf als Bio-Betrieb zu erzeugen“, erklärt Eckhard Voigt. Würde er die Saat im Frühjahr ausbringen und die Pflanzen im Mai blühen, hätten sie kaum eine Chance zu überleben. Die Rapsglanzkäfer würden die Knospen alle abfressen. Deshalb bringt der Bio-Landwirt die Sommersaat im Herbst aus. „Damit haben wir einen Vegetationsvorsprung. Der Senf blüht, bevor die Rapsglanzkäfer ihr Unwesen treiben können“, falls er den Winter überlebt hat.

Galten Linsen früher vor allem als „Arme Leute-Essen“, werden die Hülsenfrüchte seit geraumer Zeit als proteinhaltige und schmackhafte Alternative zu Fleisch wieder sehr geschätzt. Doch der Anbau hat es in sich. Kaum jemand, der eine Linsensuppe genießt, weiß, wie viel Arbeit es bedeutet, die Hülsenfrüchte herzustellen. Sie gehören zu den ältesten Kulturpflanzen in der mitteleuropäischen Landwirtschaft.

Die Pflanzen sind nicht standfest. Das Kraut ist sehr zart und hat eine unscheinbare Blüte. Damit diese nicht umknickt, wird ihr eine sogenannte Stützfrucht zur Seite gestellt. Beides kann gemeinsam gedrillt und muss gemeinsam geerntet werden. Danach müssen die verschiedenen Körner voneinander getrennt werden.

So sehen die Pflanzen des indischen Senfes aus. Er wird für die Herstellung von Dijonsenf benötigt.
So sehen die Pflanzen des indischen Senfes aus. Er wird für die Herstellung von Dijonsenf benötigt. © Dietmar Thomas

13 Sorten Kartoffeln

Die wichtigste Frucht für den Bio-Landwirtschaftsbetrieb ist die Kartoffel. 13 Sorten baut Eckhard Voigt in diesem Jahr an – für jeden der drei Kochtypen jeweils eine frühe und eine späte Sorte – denn jede hat ihre Zeit. Hinzu kommen Sorten zum Probieren. Es gibt selbst bei den festkochenden Kartoffeln die drei Abstufungen wenig, mittel oder richtig fest kochend. Am beliebtesten bei den Kunden von Eckhard Voigt ist die Laura, eine bekannte rotschalige Kartoffel.

„Ich berate die Kunden auch gern. Sie sagen mir, für welches Gericht die Kartoffel verwendet werden soll und ich kann dann die entsprechende Sorte empfehlen“, so der Bio-Bauer. Dabei kann er auf eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Denn der Landwirt kocht auch mal gern. 

„Neben der Qualität der Produkte ist die Information und Beratung ganz wichtig für die Kunden, denn die bekommen sie nicht im Supermarkt“, sagte Voigt. Seine Bio-Produkte wie Kümmel, Leinsaat, Leinöl oder Linsen bietet er mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 9 bis 11 Uhr in der Kartoffelscheune in Clennen an.

Im Hofladen in Clennen gibt es neben Kartoffeln auch Bio-Kümmel in verschiedenen abpackungen und Bio-Leinöl.
Im Hofladen in Clennen gibt es neben Kartoffeln auch Bio-Kümmel in verschiedenen abpackungen und Bio-Leinöl. © Dietmar Thomas

 Außerdem sind sie in verschiedenen Bio-Läden, auf dem Bio-Bauernmarkt in Sornzig und auf dem Bauernmarkt in Kloster Buch zu finden.

„Das Interesse an den Bio-Produkten hat zwar während des Lockdowns im Frühjahr stark zugenommen, aber der Trend zu regionalen und Bio-Produkten ist schon in den letzten Jahren gewachsen. Darunter sind auch viele junge Familien“, sagte der Bio-Landwirt. Seit 1991 ist er selbstständig. Zuvor arbeitete Eckhard Voigt bei der LPG Pflanzenproduktion Polkenberg mit Sitz in Bockelwitz. Die hatte eine spezielle Abteilung für Arznei- und Gewürzpflanzen in Sitten. Dazu gehörte unter anderem auch Kümmel. 

„Ich habe sozusagen den Anbau einiger Kräuter wieder aufgegriffen. Zuerst wurden diese konventionell angebaut. Seit 2007 sind wir ein Bio-Landwirtschaftsbetrieb“, sagte der Doberquitzer.

Die nächste Folge der Serie „Lecker vom Hof“ erscheint am 12. November.

In der Serie bereits erschienen sind:

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