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Bücher tauschen in der Telefonzelle

In Großweitzschen und Masten können jetzt Bücher mitgenommen und andere gebracht werden.

Hereinspaziert: Kerstin und Gerald Hübner haben in Großweitzschen vor der Praxis der Allgemeinmedizinerin die Büchertauschzelle mit dem Namen „Kerstins Lesemedizin“ aufgestellt.
Hereinspaziert: Kerstin und Gerald Hübner haben in Großweitzschen vor der Praxis der Allgemeinmedizinerin die Büchertauschzelle mit dem Namen „Kerstins Lesemedizin“ aufgestellt. © Jens Hoyer

Döbeln. In Großweitzschen und in Döbeln Masten gibt es jetzt Büchertausch-Zellen. Zwei Familien haben die ehemaligen Telefonzellen gemeinsam beschafft, auf ihren Grundstücken aufgestellt und am Sonntag gleichzeitig eröffnet. Bei Kerstin und Gerald Hübner steht die rot angestrichenes Zelle direkt vor der Praxis. Die Allgemeinmedizinerin ist eine Leserratte. „Ich lese bestimmt ein Buch pro Woche“, sagte sie. Mit der Zeit hatten sich kistenweise Bücher angesammelt. Fürs Altpapier sind sie zu schade.

Die Idee stammt von Nachbarin Barbara Sickert. „Ich habe gefragt, ob sie nicht einmal eine Kiste mit Büchern in die Praxis stellen will“, erzählte sie. Statt der Kiste wurde es die Zelle, die die Aufschrift „Kerstins Lesemedizin“ trägt. Die Leute können Bücher mitnehmen, lesen und auch selbst Bücher in die Regale stellen.

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Kurz vor der Eröffnung fertig geworden

Ehemann Gerald Hübner hatte die Zelle auf ein Fundament gesetzt. Sie ist innen gepflastert und mit Regalen versehen. Um die 150 Bücher haben Platz. Vor allem Romane, aber auch ein paar alte Telefonbücher. Spaß muss sein, meinte Gerald Hübner. Erst am Sonnabend vor der Eröffnung war alles fertig geworden. Da kamen die letzten Schriftzüge an die Zelle. Unter einer Plane, bei strömendem Regen. „Ich habe mit dem Fön getrocknet“, sagte Hübner.

Alexander Karl ist aus Döbeln zu der Eröffnung gekommen. „Ich bin Patient und hatte die Zelle bemerkt. Dass hier so ein Ding steht, ist echt gut. Ich bin alter Telefoner und habe 1979 bei der Post angefangen“, erzählte er.

Sylvia und André Wagler in Döbeln Masten vor ihrer Büchertausch-Zelle.
Sylvia und André Wagler in Döbeln Masten vor ihrer Büchertausch-Zelle. © Jens Hoyer

Zur gleichen Zeit haben ein paar Kilometer weiter auch Sylvia und André Wagler an der Technitzer Straße in Masten ihre Büchertauschzelle eröffnet. André Wagler hat sie in die neue Einfriedung des Grundstücks eingefügt, die Leute können mit dem Auto direkt davor halten. Seine Frau verteilte Kärtchen mit den „Tauschregeln“. Die da lauten: Nie das letzte Buch mitnehmen, ohne ein anderes hinzustellen. Nur so viele Bücher mitbringen, wie auch Platz in den Regalen haben. Gewaltverherrlichende und Pornoliteratur oder Bücher mit missionierenden Inhalten jeglicher Religion werden nicht geduldet. Und die Bücher sollten auch in einem guten Zustand sein.

In der Zelle findet sich ein bunter Mix an Literatur. Romane, aber auch Koch-, Fach- und Kinderbücher. „Wir wollten von allen Richtungen was reinstellen“, sagte Wagler, der in Döbeln das Antiquariat „Alt-Papier“ betreibt und über entsprechende Auswahl verfügt. Die Regale stammen von einem Fachmann: Nachbar Martin Mirschel, Altmeister der gleichnamigen Tischlerei, hatte sich angeboten, die Regale zu bauen, erzählten die Waglers.

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