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Trotz Kritik: Tarifzonen im VMS bleiben

Die AfD-Fraktion im Kreistag wollte die Tarifzonen im Verkehrsverbund reformieren. Doch der Antrag wurde abgelehnt.

Je mehr Tarifzonen ein Fahrgast im VMS auf seiner Fahrt passiert, umso höher ist der Preis für das Ticket.
Je mehr Tarifzonen ein Fahrgast im VMS auf seiner Fahrt passiert, umso höher ist der Preis für das Ticket. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Für die knapp 27 Kilometer von Waldheim nach Nossen zahlen Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr weniger, als für die knapp sechs Kilometer von  Siebenlehn nach Großschirma. Grund hierfür sind die Tarifzonen innerhalb des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS). 

Denn der Preis pro Ticket steigt, je mehr Zonen der Fahrgast auf der Strecke durchquert. Nicht immer ist das logisch nachvollziehbar. Vor allem dann nicht, wenn innerhalb eines Stadtgebietes verschiedene Tarifzonen vorliegen, wie dies zum Beispiel bei Siebenlehn (Tarifzone 5) und Großschirma (Tarifzone 10) der Fall ist.

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In 25 Städten und Gemeinden komme es im Bereich des VMS vor, dass Ortsteile beziehungsweise Haltestellen in verschiedenen Tarifzonen liegen, informierte Falk Ester, Sprecher des VMS auf Nachfrage. Aus diesem Grund hat sich die AfD-Fraktion im Kreistag auf die Fahne geschrieben, eine Änderung der Tarifzonen anzustreben.

Mit ihrem Antrag wollte sie erreichen, dass der Kreistag den Landrat damit beauftragt, dem VMS eine Überarbeitung der Tarifzonen zu empfehlen. Dabei sollten sich die Grenzen der Zonen zukünftig an den Verwaltungsgebieten orientieren. „Mit der Realität haben die Tarifzonen nichts mehr zu tun“, begründete Penz das Anliegen. Der VMS sei erfahren genug, um eine Umstrukturierung kostenneutral umzusetzen.

Reform wäre prinzipiell möglich

Eine Reform der Tarifzonen sei prinzipiell möglich, äußerte sich Falk Ester, Sprecher des VMS. „Im Rahmen von Tarifänderungen“, ergänzte der Sprecher. Voraussetzung wäre, dass die Auswirkung der Reform auf die Tarifeinnahmen ermittelt werden müssten. Mindereinnahmen wären dann durch die betreffenden Verkehrsunternehmen beziehungsweise deren Aufgabenträger zu tragen. Doch bisher habe es zu einer Reform keine Anträge gegeben, äußerte sich Ester weiter.

Und auch die AfD ist im Kreistag mit ihrem Antrag gescheitert. Eine Mehrheit stimmte gegen das Anliegen. Die Verwaltung selbst habe nur mittelbar Einfluss auf dieses Thema, äußerte sich Thomas Kranz, Abteilungsleiter Verkehr und Bauen beim Landratsamt. Die Tarifzonenhoheit liege beim VMS. Zu dem gehören neben Mittelsachsen die Stadt Chemnitz, der Erzgebirgskreis sowie der Landkreis Zwickau. 

Zudem plane der Freistaat Sachsen ohnehin eine Harmonisierung der Tarife. „Insofern ist die zwischenzeitliche Umsetzung des Verfahrens nur beim VMS aus Sicht der Verwaltung und der Verantwortlichen ein zusätzlich vorweggenommener Schritt“, so Kranz im Kreistag.

„Es ist ein Armutszeugnis, dass der Landkreis bei den Tarifzonen im Jahre 2002 stehengeblieben ist. Es herrscht damit weiter Ungerechtigkeit bei mir im Stadtgebiet von Großschirma oder in Bobritzsch-Hilbersdorf“, meinte Dr. Rolf Weigand von der AfD-Fraktion im Nachgang der Sitzung. Das Argument auf die Änderungen auf Landesebene zu warten, hält er für eine Farce. „Herr Dulig kündigt hier seit Jahren viel an und setzt nichts um.“ Sollte sich bei diesem Thema auch weiterhin nichts tun, werde die Fraktion es im nächsten Jahr noch einmal auf der Agenda haben.

Der VMS hat aktuell keine Pläne zur Überarbeitung der Tarifzonen, so Ester. „Tarifzonenänderungen in Bezug auf einzelne Haltestellen gab es 2008 und 2016. 2011 wurden mit der Integration des Altkreises Döbeln in den VMS-Tarif die Tarifzoneneinteilung des MDV übernommen“, informierte der Sprecher. Die letzte großflächige Anpassung von Tarifzonen habe es Ende 2003 in den damaligen Landkreisen Freiberg, Stollberg und Annaberg gegeben.

Dachtarif für Sachsen geplant

Innerhalb des VMS gibt es 39 Tarifzonen. Im Schnitt hätten diese eine Ausdehnung von rund zehn Kilometern, erklärt Ester. „Bei der Tarifzoneneinteilung zum Start des VMS-Tarifs 2002 wurde die Gliederung der Städte und Gemeinden berücksichtigt.“ Ziel sei es grundsätzlich auch gewesen, räumlich und baulich zusammenliegende Gemeindeteile in eine Tarifzone zu legen. „Die Preisfestlegung 2002 erfolgte mit dem Ziel, dass die Tarifeinnahmen des VMS-Tarifs in Summe möglichst nah an den Tarifeinnahmen der Verkehrsunternehmen vor der Verbundeinführung lagen, um notwendige Ausgleichsleistungen möglichst gering zu halten“, klärt Ester auf.

Die von Kranz angesprochene Harmonisierung bezieht sich auf einen Dachtarif für Fahrten zwischen den Verbünden, äußerte sich Christian Schlemper, Sprecher der Verkehrsverbundes Oberelbe und des Kompetenzcenters Sachsentarif, das sich dem Thema widmet. Jener soll 2023 eingeführt werden und die bisherigen Übergangstarife zwischen den Verbänden ersetzen. 

„Künftig genügt ein einziger Fahrschein für Fahrten innerhalb des Freistaates beziehungsweise über Verbundgrenzen hinweg. Der Sachsentarif lichtet den regionalen Tarifdschungel, macht den Fahrkartenkauf einfacher und den Nahverkehr insgesamt deutlich attraktiver“, sagte Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) zu dem Projekt. Für ihn sei ein moderner, bürgernaher und preiswerter öffentlicher Nahverkehr eines der Hauptziele. „Die fünf Verkehrsverbünde bleiben bestehen. Wie in den Verbünden die Tarifzonen gestaltet werden, liegt weiterhin in der Verantwortung der Verbünde“, ergänzte Schlemper.

Das Ticketsortiment im Sachsentarif solle perspektivisch dem entsprechen, das die Fahrgäste von ihren lokalen Verbünden kennen. Zu Auswahl stehen sollen Einzelfahrten und Tageskarten sowie Wochen- und Monatskarten. Die Preise sollen sich an den Gewohnheiten der Fahrgäste orientieren. Daher laufe zurzeit eine Marktuntersuchung. Im nächsten Schritt würden die Themen Ticketverkauf in Servicestellen an Automaten sowie via Mobiltelefon thematisiert. Auch um die Aufteilung der Einnahmen unter den Verkehrsunternehmen werde es dann gehen.

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