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Mit dem Zäpfchen durch die Oberschule

Bevor in den Schulen der Digitalpakt umgesetzt werden kann, muss geplant werden. Die Stadt Döbeln setzt dabei auf ein ganz neues Verfahren.

Projektmanagerin Jana Gadow und der Geschäftsführer der Sachsen Digital Consulting GmbH Matthias Hundt mit dem Leica BLK2GO Handheld-Imaging-Laserscanner. Mit diesem können die Unterrichtsräume innerhalb von zwei Minuten vermessen werden.
Projektmanagerin Jana Gadow und der Geschäftsführer der Sachsen Digital Consulting GmbH Matthias Hundt mit dem Leica BLK2GO Handheld-Imaging-Laserscanner. Mit diesem können die Unterrichtsräume innerhalb von zwei Minuten vermessen werden. © Dietmar Thomas

Döbeln. Bevor die Döbelner Schulen mit moderner EDV-Technik ausgestattet werden können, muss vermessen, geplant, ausgeschrieben und gebaut werden. Damit das in einem kurzen Zeitraum und kostengünstig umgesetzt werden kann, haben sich die Stadträte für den Einsatz von innovativen Methoden entschieden.

Mit diesen kann die Firma Sachsen Digital Consulting GmbH (SDC) in Dresden aufwarten. Sie übernimmt die Projektsteuerung für die Digitalisierung. In den nächsten Tagen sind sie mit ihrem „Zäpfchen“, einem Leica BLK2GO Handheld-Imaging-Laserscanner unterwegs. Damit ist eine mobile Erfassung von 3D-Umgebungen möglich.

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„Unser Unternehmen wurde vor einem Jahr in das Testprojekt von Leica einbezogen. Innerhalb von acht Monaten ist der Laserscanner auf den Markt gekommen. Wir waren die Ersten, die ihn eingesetzt haben“, sagte Matthias Hundt, Geschäftsführer von SDC. 

Das „Zäpfchen“ besteht aus einem Laser und einem Kamerasystem. „Mit dem Laser können pro Sekunde 420.000 Messungen erfolgen. Die Kameras filmen permanent. Beide Komponenten werden zusammengesetzt und ein neues Bild mit den Laserdaten entsteht. „Das ‚Zäpfchen‘ erkennt die Räume selbst und misst mit einer Genauigkeit von einem Millimeter bei 30 Metern“, sagte Hundt.

Gläserne Schule in der Punktwolke

Zurzeit sind Mitarbeiter der SDC im Schulzentrum Döbeln Nord unterwegs, um die Daten zu erfassen. Es dauert etwa zwei Minuten pro Unterrichtsraum. „Aufgrund der Schnelligkeit ist die Erfassung kostengünstiger als jede andere Form des Aufmaßes“, so Jana Gadow.

Die Daten werden bei SDC hochgeladen. Zu sehen ist dann eine sogenannte Punktwolke. Auf dem Bildschirm entsteht eine gläserne Schule, in deren Räume der Planer virtuell gehen kann. Anhand des Ist-Bestandes wird festgelegt, wo neue Kabel verlegt werden müssen, Änderungen innerhalb der Stromversorgung notwendig sind und an welcher Stelle der WLAN-Anschluss kommt. Dabei muss der Planer nicht einmal vor Ort gewesen sein.

Ist die Planung abgeschlossen, bereitet SCD die Ausschreibung vor. Die Stadträte entscheiden, welches Unternehmen den Auftrag bekommen soll und dann kann gebaut werden.

Kreidezeit statt schnellem Internet

Allerdings ist nicht nur erforderlich, dass die technischen Voraussetzungen in der Schule geschaffen werden. Es muss schneller Internetanschluss anliegen. Im Fall des Schulzentrums Nord ist eine Änderung dringend notwendig.

 „Wir befinden uns diesbezüglich in der Kreidezeit. Die schnellsten Computer sind in 15 Minuten hochgefahren. Manchmal dauert es durchaus 35 Minuten. Bevor sich die Schüler eingeloggt haben, ist die Stunde fast um“, so Schulleiterin Katrin Wagner.

Matthias Hundt kennt das Problem. „In der Planung ist ein schnellerer Internetanschluss vorgesehen“, so der Geschäftsführer. Ziel ist es, dass in den Sommerferien im nächsten Jahr erst einmal alle Unterrichtsräume digitale Tafeln bekommen. „Allerdings hängt es von der Verfügbarkeit der Firmen ab, ob wir das umsetzen können“, so Jana Gadow. Außerdem müsse immer das finanzielle Budget im Auge behalten werden. Die Priorität liege auf dem aktiven und passiven Netzwerk. 

Bestandsaufnahme per App

Bereits vor vier Wochen begannen Mitarbeiter des Unternehmens mit der Bestandsaufnahme in den acht Schulen, die die Stadt Döbeln in ihrer Trägerschaft hat. Ermittelt wurde unter anderem, wo sich welche und wie viele Steck- beziehungsweise Netzwerkdosen befinden, wo die Tafeln in den Zimmern hängen und ob es schon einen WLAN-Anschluss Point gibt. 

Die Mitarbeiter von SFC kamen nicht mit Gliedermaßstab und Block in die Schulen. Ihnen reichte ein iPad mit einer vom Unternehmen entwickelten App, um alles zu registrieren. „Die Mitarbeiter brauchen dann nur auf die entsprechenden Symbole zu klicken und die Datenbank registriert, was sich wo befindet. Das ist sehr effektiv“, sagte Projektmanagerin Jana Gadow. Anhand der Daten könne ermittelt werden, was an vorhandener Infrastruktur verwendet und was erneuert beziehungsweise neu gebaut werden muss. 

Medienkonzepte sind keine Wunschzettel

Hinzugezogen für die Planung werden dann noch die Medienkonzepte, die in einzelnen Schulen erstellt worden sind. Und da sei vieles gewünscht – vom Tablet-PC bis zum digitalen Mikroskop und Lego-Robotern. Zuerst wird allerdings in die Pflichtleistungen investiert, in allen Schulen werden Datenkabel installiert.

„Bei den Konzepten handelt es sich um einen Wunschzettel. Unsere Aufgabe ist es, unter Beachtung dieser ein Paket an Technik zu schnüren, das aufeinander abgestimmt ist. So sollen zum Beispiel die Endgeräte von einem Hersteller geliefert werden. Dadurch können wir einen effizienten Support und ein umsetzbares Wartungskonzept ermöglichen“, sagte Jana Gadow. Es soll kein Gemischtwarenladen entstehen.

Denn nur so sei die Wartung der Technik für die Dienstleister möglich. „Auch da sind wir dabei, lokale Partner zu suchen, die später einmal für alles zuständig sind. Mit diesem Projekt wollen wir neue Wege beschreiten.  Es ist schon eine Herausforderung, die verschiedenen Systeme, die für die Tafeln, die iPads, das WLAN und die Administration verwendet werden, zu beherrschen“, sagte der Geschäftsführer.

Außerdem sei es praktisch, wenn zum Beispiel die Grundschüler in weiterführende Schulen wechseln, und bereits mit der Technik vertraut sind. Das treffe auch für Lehrer zu, die in verschiedenen Schulen unterrichten. 

Rund 1,2 Millionen Euro stehen der Stadt für ihre Schulen aus dem sogenannten Digitalpaket zur Verfügung. Für die Oberschule sind es 240.000 Euro.

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