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1.000 Blumenzwiebeln für den Friedhof

Vor dem Ewigkeitssontag wird alles in Ordnung gebracht. Der sollte auch zum Gedenken und Nachdenken genutzt werden.

Andreas Haferland, Sebastian Markert und Manuela Geißler haben in den vergangenen Tagen 1.000 Blumenzwiebeln auf dem Harthaer Friedhof gepflanzt.
Andreas Haferland, Sebastian Markert und Manuela Geißler haben in den vergangenen Tagen 1.000 Blumenzwiebeln auf dem Harthaer Friedhof gepflanzt. © Lars Halbauer

Hartha. Der Harthaer Friedhof ist nicht nur auf dem Papier ein Flächendenkmal. Das Team um Friedhofsmeister Sebastian Markert lässt nichts unversucht, um das Areal Stück für Stück schöner zu machen, sodass der Friedhof nicht nur ein Ort des Abschiednehmens, sondern auch der Ruhe und der Begegnung ist.

Vor dem Ewigkeitssonntag hat das Team besonders viel zu tun, denn es versucht, bis dahin alles sauber zu machen. Das ist keine einfache Aufgabe bei dem fallenden Laub. „Auch wenn dieses in seiner Farbenpracht sehr schön aussieht und ein Sinnbild der Vergänglichkeit ist, soll es weitestgehend beseitigt werden. Denn es kann für die Besucher des Friedhofes durchaus zu einer Rutschgefahr werden“, sagte Sebastian Markert.

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Neben den Laubarbeiten wird in diesen Tagen auch gepflanzt. Wenn im Frühjahr die Natur wiedererwacht, sollen weitere 1.000 Frühblüher die Gemüter der Friedhofsbesucher aufhellen, Trauernden zeigen, dass es in der Natur immer wieder einen Neuanfang gibt.

Doch nicht nur an Frühblühern können sich die Friedhofsbesucher erfreuen. Seit dem Herbst vergangenen Jahres stehen an verschiedenen Ecken die Vogelhäuser, die ein Harthaer gebaut hat. Manche Besucher lassen es sich nicht nehmen, die Häuschen mit Futter zu bestücken. Sie und andere Besucher des Friedhofes freuen sich, wenn sie die Vögel beobachten können. Es gibt auch jede Menge Eichhörnchen.

Bänke wurden aufgestellt, die zum Verweilen einladen. Einige davon haben sogar Harthaer gesponsert. „Im Sommer ist fast täglich eine Frau auf den Friedhof gekommen. Sie setzte sich auf eine Bank, laß ein Buch und hatte eine Thermoskanne Kaffee dabei“, so Sebastian Markert.

Baumpatenschaften immer wieder gefragt

Auch die Baumpatenschaften, die er vor einigen Jahren initiiert hat, finden immer noch großen Anklang. Wer will, kann in Erinnerung an seine Angehörigen in Absprache mit dem Friedhofsgärtner einen Baum pflanzen und den Anlass auf einem Schild benennen.„Das ist eine gute Sache“, sagte Pfarrerin Maria Beyer. Jederzeit können die Hinterbliebenen sowohl an das Grab gehen als auch nachsehen, wie groß der Baum geworden ist, da er öffentlich zugänglich ist. Das ist von den Leuten so gewünscht und auch gut so. Denn es geht um das Nichtvergessenwerden des Verstorbenen.

Spuren der Vergangenheit

Oft stehen diese Worte auf den Schleifen und in Traueranzeigen. „Es ist wichtig, dass den Verstorbenen diese Aufmerksamkeit bleibt. Es gibt kaum einen Menschen, der nur eine Beziehung hat. Es passiert öfter, dass ich nach den Gräbern von Verstorbenen gefragt werde.

Manchmal sind es Klassenkameraden, Freunde oder ehemalige Nachbarn, die lange nicht mehr im Heimatort waren und bei ihrem Besuch des Verstorbenen gedenken wollen. Sie haben denjenigen trotz eines langen zeitlichen Abstandes nicht vergessen“, sagte Sebastian Markert. Die Leute würden bewusst auf den Friedhof nach den Spuren der Vergangenheit suchen.

Elias Bixl, Pfarrerin Maria Beyer und Friedhofsgärtner Sebastian Markert am Baum für Sternenkinder.
Elias Bixl, Pfarrerin Maria Beyer und Friedhofsgärtner Sebastian Markert am Baum für Sternenkinder. © Lars Halbauer

Das ist in manchen Fällen aber nicht möglich, zum Beispiel bei Baumbestattung im Garten eines Angehörigen. Pfarrerin Maria Beyer kann die Leute gut verstehen, die einen geliebten Menschen verloren haben und nach einer Möglichkeit suchen, ihm möglichst nah zu sein. In einem Baum, der aus der Asche des Verstorbenen, die mit Erde vermischt wird, wächst, würden die Betroffenen sich vorstellen können, dass das Leben weitergehe. Sie hätten etwas vor Augen. So entstehe das Gefühl, dem geliebten Menschen besonders nah zu sein. „Dieser Wunsch ist durchaus nachvollziehbar“, so die Pfarrerin.

Sie habe bisher immer erlebt, dass die Entscheidung für eine Baumbestattung eine Entscheidung der Hinterbliebenen ist, weil sie den Verstorbenen besonders lieben, ihn nicht hergeben, ihn in ihrer Nähe haben wollen.

Maria Beyer habe allerdings schon so manches Gespräch mit Angehörigen und Freunden von Verstorbenen geführt, die mit dieser Bestattungsform im Nachhinein nicht ganz glücklich sind. Sie fühlten sich vom Gedenken ausgeschlossen. „Sie hatten eine gute Beziehung zu dem Menschen, der nun nicht mehr lebt, können aber nicht an sein Grab. Das ist nicht immer leicht zu akzeptieren.“, sagt Maria Beyer. Es müssen nicht strittige Familienverhältnisse sein, die manchem das Nichtvergessen erschweren.

„Natürlich möchten manche Hinterbliebene auch zunächst allein sein mit ihrer Trauer und wollen ihren Angehörigen nicht fortlassen. Ein Gedenkbaum für den Verstorbenen im eigenen Garten gewährt dies. Allerdings bleibt es dann auch alleinige Aufgabe der Hinterbliebenen, dafür zu sorgen, dass der geliebte Mensch nicht vergessen werde, dass sein Andenken bewahrt wird. Ein öffentliches Grab hingegen erinnert viele und lässt auch an die Trauernden denken."

Bestattungsformen geändert

Insgesamt hätten sich die Bestattungsformen in den letzten Jahren sehr gewandelt, meint die Pfarrerin. Es könne durchaus der Wille des Verstorbenen sein, möglichst kein Grab in alter Form zu haben.

„Doch oft wird vergessen, dass die Hinterbliebenen einen Ort der Trauer brauchen“, sagte die Pfarrerin. Das sei vielen in dem Augenblick, in dem sie von einem geliebten Menschen Abschied nehmen müssen, nicht bewusst. Doch die Pfarrerin habe es oft erlebt, dass Leute während des Trauerprozesses umdenken.

„Die Friedhöfe, nicht nur der in Hartha, bieten verschiedene Möglichkeiten, damit jedem Verstorbenen gebührend gedacht werden kann, gleich ob es Angehörige, Freunde oder alte Bekannte sind“, so die Pfarrerin. Ihr sei bewusst, dass viele ältere Leute ihren Nachkommen nicht die Pflege der Gräber aufbürden wollen. Doch da gäbe es verschiedene Möglichkeiten, um diese Bedenken auszuschließen. Das Team des Friedhofes mache sich diesbezüglich Gedanken und suche nach Formen der Bestattung, die vielen gerecht werden, sagte Maria Beyer.

Dazu gehören die Wiesengräber, die naturnahe Baumbestattung, die einen großen Zuspruch erfährt, Urnengemeinschaftsgräber oder die Partnergräber. Bei diesen Formen der Bestattung haben die Angehörigen einen Ort zum Trauern und keine Arbeit. „Auch die Urnen- und großen Wahlgräber haben noch ihre Berechtigung. Wer die Grabpflege nicht schafft, kann sie dem Friedhofsteam oder einem Gärtner übergeben. Wir beraten gern“, so Sebastian Markert.

Aus seiner Sicht ist der nahende Ewigkeitssonntag ein guter Anlass, um sich Gedanken zu machen, was man sich wünscht, um später einmal nicht vergessen zu werden.

Die naturnahe Baumbestattung auf dem Harhaer Friedhof ist sehr gefragt.
Die naturnahe Baumbestattung auf dem Harhaer Friedhof ist sehr gefragt. © Dietmar Thomas

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