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Gemeinsam tanzen vor der Kamera

Zum zweiten Mal können die Kinder vom Kriebethaler Tanzsportverein nicht üben. Die Trainer versuchen alles, um die Truppe bei Laune zu halten.

Training per Internet. Sylvia Lohmann aus Ziegra hält den Laptop, mit dem ihre Tochter Jasmin derzeit trainiert.
Training per Internet. Sylvia Lohmann aus Ziegra hält den Laptop, mit dem ihre Tochter Jasmin derzeit trainiert. © Dietmar Thomas

Von Claudia Erbert

Kriebethal. Der erste Lockdown im Frühjahr 2020 wurde beim 1. Kriebethaler Tanzsportverein als „das geht vorbei“ überstanden. In der gemeinsamen Chatgruppe kam ab und zu eine kleine Aufmunterung: „Bald können wir wieder trainieren.“ Draußen, mit Abstand, mit Konzept „ohne gemeinsames Umziehen“ konnte es dann bald wieder losgehen für die 44 Tänzer des 1. KTV.

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Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren tanzen seit 2009 gemeinsam beim Training und zahlreichen Auftritten in der Region. „Alle kamen mit einer Riesenfreude zum Training zurück“, erinnert sich Katja Meyer-Handtrack.

Struktur durch Trainingszeiten

Mit wenigen Beschränkungen konnten sie im September beim Erntedankfest im Kloster Buch auftreten. Einige Wochen später war wieder Schluss. Diesmal merkt die Trainerin, die die insgesamt fünf Gruppen gemeinsam mit ihrer Mutter Irene betreut, dass sie etwas anders machen wollen und müssen. „Wir wissen zwar noch nicht, wie viele Kinder wir in dieser Zeit verlieren werden, aber wir wollen zumindest etwas anbieten. Damit die Struktur in der langen Zeit zuhause zumindest etwas erhalten bleibt, haben wir die gleichen Trainingszeiten beibehalten.“ Statt in der Turnhalle wird jetzt zuhause per Videokonferenz trainiert.

Flur wird freigeräumt

Und das sieht dann so aus, dass jeden Dienstagnachmittag die zehn- bis dreizehnjährigen Mitglieder der Tanzbande Kinder-, Wohnzimmer oder wie Jasmin den Flur freiräumen „Hier habe ich einfach am meisten Platz“, erklärt sie. Seit der zweiten Klasse ist sie im Verein, tanzt jetzt vier Jahre gemeinsam mit den anderen Mädchen, seit einigen Monaten vor der Laptop-Kamera. „Es ist nicht dasselbe, aber zumindest ein Ersatz fürs Training.“

Bianca und Maria tanzen in ihren Kinderzimmern und Trainerin Katja, deren drei Kinder auch im Verein tanzen, räumt das Wohnzimmer frei. Abwechselnd mit ihrer Mutter gibt sie die Anweisungen und macht vor und mit. Los geht es wie auch in der Halle mit Aufwärmen, Hampelmänner, Hockstrecksprünge, Kraftübungen und Dehnen gehören dazu. Komplette Choreografien lassen sich schlecht üben, aber die Tanzschritte werden trainiert, natürlich mit Musik.

Bei den Kleinen klappt es super

Pro Woche treffen sich so sieben bis neun Teilnehmer online. „Wir haben noch nicht rausgefunden, was wir besser machen können, um noch mehr zu erreichen. Bei den Kleinen hat das Onlinetraining jetzt erst angefangen, klappt aber super. Vielleicht ist es bei den Großen so, dass sie schon von den vielen Schulvideokonferenzen genervt sind“, meint Katja Meyer-Handtrack, die selbst Lehrerin ist.

Irene Meyer vermutet, dass es bei einigen vielleicht an der Scheu vor der Technik oder sogar vor der Kamera liegt und hofft auf den Frühling: „Wir haben schon jetzt erste Anfragen für Auftritte, die ich auch unter Vorbehalt zugesagt habe. Sobald das Wetter dauerhaft wärmer ist, werde ich bei der Stadt anfragen, auf welchem Außengelände oder Sportplatz wir wieder gemeinsam trainieren können.“

Bis dahin tanzen Jasmin, Julia, Maria und die anderen gemeinsam jeden Dienstag vor der Kamera und hoffe, dass in Zukunft noch mehr ihrer Vereinsfreunde diese Möglichkeit nutzen.

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