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Die Crux mit dem Impftermin

Impftermine sind knapp. Viele scheitern schon an der Anmeldung. Hinzu kam am Freitag noch eine Falschmeldung.

Noch ist die Anmeldung für eine Impfung in den Impfzentren nur online über ein Portal möglich. Am Freitag kursierten Falschmeldungen, nach denen das Impfen am Impfzentrum auch ohne Termin möglich sei.
Noch ist die Anmeldung für eine Impfung in den Impfzentren nur online über ein Portal möglich. Am Freitag kursierten Falschmeldungen, nach denen das Impfen am Impfzentrum auch ohne Termin möglich sei. © Sebastian Schultz

Region Döbeln. Gegen 11.50 Uhr ploppte am Freitag auf der Facebook-Seite des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen folgende Meldung auf: „Achtung, es ist eine Falschmeldung, dass heute Impfungen ohne Termin im Impfzentrum möglich sind.“

Auf Nachfrage bestätigt René Illig vom DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen, dass eine entsprechende Falschmeldung kursierte. Deren Ursprung war ihm jedoch unbekannt. Er sei von Bürgermeistern wie Pflegediensten diesbezüglich angesprochen worden. „Es gab auch entsprechende Meldungen zum Beispiel für das Impfzentrum in Riesa“, äußerte sich Illig. Es sei wohl ein sachsenweites Problem.

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Der Koordinator des Impfzentrums Mittweida betonte noch einmal, dass Impfungen am Impfzentrum weiterhin nur nach Terminvergabe möglich sind. Ohne einen Termin erhalten die Impfwilligen auch keinen Zutritt zum Impfzentrum.

Zutritt zum Impfzentrum wird überwacht

Vor Ort sind mehr als zehn Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma im Einsatz. Diese regulieren unter anderem den Zutritt zum Gebäude. Bereits die Zufahrt zum Parkdeck am Eingang des Impfzentrums am Simmel-Center in Mittweida wird überwacht.

Um einen Termin für die Impfung zu erhalten sind derzeit alle auf das Online-Portal angewiesen, das der Freistaats freigeschaltet hat. Nach einigen Startschwierigkeiten scheint es nun allmählich angelaufen zu sein.

Aber noch immer hat Dietmar Thomas keinen Termin für seine 87-jährige Mutter ausmachen können. Dabei versucht er dies bereits seit einigen Tagen. Immer wieder wird am Ende der Prozedur gemeldet: „Aufgrund der aktuellen Auslastung der Impfzentren und der verfügbaren Impfstoffmenge können wir Ihnen leider keinen Termin anbieten. Bitte versuchen Sie es in ein paar Tagen erneut.“

Mehr Impfstoff, mehr Termine

„Das ist durchaus möglich“, sagte René Illig vom DRK am Freitag. Der Kreisverband selbst könne derzeit die Anmeldungen über das Portal noch nicht einsehen. Illig berichtet jedoch, dass die Termine bis Mitte kommender Woche bereits vergeben worden sind.

„Es werden keine Termine vereinbart, ohne das wirklich klar ist ob und welcher Impfstoff an dem Impftag zur Verfügung steht. Daher sind bereits für die nächste Woche die meisten Termine vergeben. Sobald mehr Impfstoff vorhanden ist oder gebuchte Termine storniert werden, werden neue Termine eingespeist und buchbar“, hieß es Mitte der Woche in einer Mitteilung des DRK-Landesverbandes Sachsen, der für alle Impfzentren zuständig ist.

René Illig vom DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen ist zuständig für das Impfzentrum des Landkreises in Mittweida.
René Illig vom DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen ist zuständig für das Impfzentrum des Landkreises in Mittweida. © Dietmar Thomas

Auch in der nächsten Woche werden für das Impfzentrum in Mittweida pro Tag 220 Impfdosen zur Verfügung stehen. Davon erhält das mobile Impfteam jeweils knapp 100. Je nachdem, wie viele Anmeldungen aus den stationären Pflegeeinrichtungen vorliegen, die von dem mobilen Team versorgt werden. Bis Sonntag würden rund 1.500 Impfdosen verbraucht werden, informierte Illig am Freitag. Damit liege das Impfzentrum im Plan.

Zunehmend mehr Senioren geimpft

Am Montag war das Zentrum mit rund 90 Impfungen an den Start gegangen. Nach Angaben von Kai Kranich, dem Sprecher der DRK-Landesverbandes Sachsen, habe es am Dienstag 156 Impfungen in Mittweida gegeben, am Mittwoch seien noch einmal 318 Personen dazu gekommen. „Davon sind 78 Personen vom mobilen Team geimpft worden“, so Kranich. Die Zahlen für Donnerstag und Freitag lagen noch nicht vor.

Erkennbar ist jedoch, dass sich die Zahl der geimpften Personen die Woche über gesteigert hat. Aber was ist mit den Über-80-Jährigen? Sind auch jene schon mit dem Wirkstoff versorgt worden?

Laut René Illig ja. Seit das Terminportal in die Gänge gekommen ist, seien etwa 50 Prozent der zu Impfenden in Mittweida Senioren. „Die meisten sind mit Angehörigen hierhergekommen“, äußerte sich Illig. Die andere Hälfte der Impftermine ist nach wie vor an Mitarbeiter in ambulanten Pflegediensten vergeben worden.

Die Dienste seien vom DRK bezüglich der Termine anfangs kontaktiert worden, da das Terminportal erst Anfang der Woche in Betrieb gegangen war. Dadurch konnte sich das Personal aus dem Bereich der Pflege schon seit 11. Januar mit dem Serum versorgen lassen.

„Für Rentner kaum machbar“

Dietmar Thomas indes frustriert nicht nur, dass er bisher für seine Mutter keinen Termin ausmachen konnte. Er fragt sich auch, wie Senioren über 80 Jahre die Anmeldung meistern können. Unabhängig davon, dass die Anwohner dafür über einen Zugang zum Internet sowie eine E-Mail-Adresse verfügen müssen.

Im Zuge der Anmeldung muss ein Passwort festgelegt werden. Es ist ein Code nötig, der an die private E-Mail verschickt wird. Zudem gibt es einen Link, der wieder zurück auf die Internetseite führt. Dort müssen sich die Nutzer schließlich wieder mit dem Passwort anmelden. „Das alles nervt mich schon und ist für Rentner eigentlich kaum zu machen“, sagt der 52-jährige Harthaer.

Telefonische Anmeldung ab Montag

Auf entsprechende Kritik hin verwies das Sächsische Sozialministerium darauf, dass bereits bis zum Mittwoch 9.000 Termine sachsenweit an den Impfzentren vergeben worden seien.

„Ab Montag steht auch die telefonische Anmeldung zur Verfügung. Das Problem des fehlenden Impfstoffs und der daraus resultierenden geringen Zahl von Terminen wird es so lange geben, wie eben der Impfstoff noch so limitiert ist und so lange auch nur dieser eine, recht empfindliche, Impfstoff zur Verfügung steht“, hieß es.

Es werde um Geduld gebeten. Die Nutzer sollten sich immer wieder mit ihren Zugangsdaten einloggen und prüfen, ob es neue Termine gebe. „Außerdem bitten wir Verwandte und Freunde, bei der Anmeldung zu unterstützen“, rät eine Sprecherin. Am Donnerstagabend sei zudem angekündigt worden, dass das Online-Impfportal nutzerfreundlicher werden soll. „Es soll künftig unter anderem möglich sein, Familientermine zu buchen.“

Senioren warten auf Brief

Eine 90-jährige Frau aus Hartha, die sich mit einem Brief an die Redaktion gewandt hat, wartet indes immer noch auf ein Schreiben, das Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) an alle Senioren über 80 Jahre, die zu Hause leben, schicken wollte. So hatte sie es Ende 2020 verkündet. Von einem Brief ist inzwischen keine Rede mehr.

Die Seniorin befürchtet nun, dass sie mehrere Stunden an der Hotline verbringen muss, bevor sie auf diesem Weg einen Termin im Impfzentrum vereinbaren kann. Das Ministerium habe vom DRK-Landesverband die Zusicherung erhalten, dass die Hotline am Montag vollumfänglich zur Verfügung stehen werde, äußerte sich das Sozialministerium diesbezüglich.

Anstatt auf das Schreiben von Ministerin Köpping einzugehen, verwies die Sprecherin auf Gespräche des Ministeriums mit dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag, den Hausärzten und dem DRK, um ortsnahe Lösungen für die Impfung der Über-80-Jährigen anzubieten, die kein Impfzentrum erreichen können. „Diese Lösung wird dann greifen, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Derzeit werden alle zur Verfügung stehenden Impfdosen an Über-80-Jährige in den Impfzentren vergeben“, so das Sozialministerium.

Ministerium prüft Transportwege

Bezüglich des Transports der Impfwilligen zu den Impfzentren würden derzeit noch die Möglichkeiten geprüft. „Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Details nennen können“, sagte die Sprecherin. Zumindest die Fahrtkosten zum Impftermin können für bestimmte Gruppen erstattet werden, äußerte sich Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK-Plus.

Zudem informierte das Sozialministerium am Freitag darüber, dass sich Impfwillige auch in einem näher gelegenen Impfzentrum einen Termin geben lassen können, auch wenn dieses in einem anderen Landkreis liegt.

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Demnach könnten sich die Anwohner von Ostrau zum Beispiel am Impfzentrum des Landkreises Meißen in Riesa impfen lassen. „ Wichtig zu wissen ist nur, dass beide Impfungen im gleichen Impfzentrum erfolgen müssen“, betonte die Sprecherin des Ministeriums.

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