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Leader stärkt Gemeinden in Mittelsachsen

Fast 48 Millionen Euro aus dem EU-Programm sind in den Landkreis geflossen. Aber wie geht es weiter?

Rund 135.000 Euro Zuschuss gab es aus dem Leader-Programm für den Verkehrsgarten in Ostrau.
Rund 135.000 Euro Zuschuss gab es aus dem Leader-Programm für den Verkehrsgarten in Ostrau. © Dietmar Thomas/Archiv

Mittelsachsen. Private Bauherren, Vereine und Kommunen – sie alle haben in den vergangenen sechs Jahren vom Leader-Programm profitiert. Das läuft Ende des Jahres aus. Viel ist in dieser Zeit im Landkreis entstanden. Sächsische.de zieht Bilanz.

Wie viel Geld ist konkret bisher über Leader in den Landkreis geflossen?

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Mittelsachsen ist der Landkreis mit den meisten Leader-Regionen im Freistaat. Sechs Regionalmanagements sind im Kreis aktiv, doch nur ein Gebiet, das von Sachsenkreuz plus, liegt komplett in Mittelsachsen. Zwischen 2014 und 2020 sind aus all den Regionen fast 48 Millionen Euro in den Landkreis geflossen. Angeschoben und umgesetzt worden sind damit rund 580 Vorhaben und Projekte. Aktiv im Altkreis Döbeln sind die drei Leader-Regionen Klosterbezirk Altzella, Sachsenkreuz plus sowie die Lommatzscher Pflege. Für alle drei Bereiche stand ein Budget von knapp 32 Millionen Euro zur Verfügung.

Welche Bilanz ziehen die Regionalmanager nach sechs Jahren?

Die drei Regionalmanagements, die in der Region Döbeln aktiv sind, ziehen nach den sechs Jahren ein positives Fazit. Anfängliche Startschwierigkeiten seien überwunden worden, so Dr. Kerstin Fiedler vom Regionalmanagement Sachsenkreuz. So habe es beispielsweise eine Zeit lang gedauert, bis sich die Fördermöglichkeit herumgesprochen habe. „Es gab immer wieder Kritik an der Bürokratie des Verfahrens. Aber wer es verstanden hat, das Programm zu nutzen, der hat davon profitiert“, äußerte sich Landrat Matthias Damm (CDU). Er kündigte an, dass in der kommenden Periode eine Entbürokratisierung erreicht werden soll. Steffi Möller vom Klosterbezirk Altzella verteidigte die Handhabung von Leader in Sachsen: „Wir haben bereits eines der einfachsten Leader-Systeme.“

Welche Projekte sind bisher umgesetzt worden?

Nutznießer vom Leader-Programm sind vor allem private Bauherren, die alte Scheunen zu Wohnhäusern umgebaut haben, aber auch Kommunen gewesen. In vielen Orten sind mit dem Geld aus dem Programm Kindereinrichtungen oder Spielplätze erweitert oder saniert worden. In einigen Ortschaften ist die Straßenbeleuchtung erneuert worden.

 Im Bereich Sachsenkreuz sind bisher 47 Vorhaben mit drei Millionen Euro abgeschlossen worden, weitere 117 Vorhaben im Umfang von 8,5 Millionen Euro befinden sich noch in der Umsetzung, informiert Kerstin Fiedler. Insgesamt standen 12,3 Millionen Euro zur Verfügung. Zu den Kuriositäten in ihrem Bereich gehöre unter anderem die Einrichtung eines Pensionsstalls für Hengste in Wendishain bei Hartha, der Aufbau einer Hebammenpraxis in Reinsberg sowie die Errichtung von Wohnraum und einer Ferienwohnung in der Altstadt in Leisnig. 

Im Bereich der Lommatzscher Pflege, der fast 10 Millionen Euro zur Verfügung standen, wird Geld unter anderem auch in den Hort der Kita in Lüttewitz fließen, und damit in die Daseinsfürsorge investiert. Mehr als 115 Projekte sind beraten und abgestimmt worden. „21 Prozent der Projekte wurden bisher fertiggestellt. 79 Prozent befinden sich in der Realisierung und Umsetzung“, so Marcel Borisch vom Regionalmanagement. Der größte Teil der Projekte seien Baumaßnahmen, die Fertigstellung dieser Maßnahmen aktuell voll im Gange.

Wie wird es ab 2021 in Sachsen mit der Leader-Förderung weitergehen?

Auch nach Abschluss der Förderperiode 2014 bis 2020 soll es weitergehen. „Das Sächsische Staatsministerium für Regionalentwicklung (SMR) beabsichtigt, die Leader-Förderung in Sachsen in den bisherigen Grundzügen fortzuführen. Das gilt auch für die ein- oder zweijährige Übergangsphase hin zur nächsten Förderperiode“, äußerte sich Bianca Schulz, stellvertretende Sprecherin des SMR. Laut Staatsminister Thomas Schmidt (CDU) seien in der Übergangsphase zur nächsten Förderperiode keine großen finanziellen Einbußen für den ländlichen Raum zu erwarten. Der Beginn des nächsten Förderzeitraums werde sich aber verzögern. Schulz rät dazu, dass Interessierte sich auch weiterhin an das zuständige Regionalmanagement wenden sollen. „Dort kann man erfahren, was derzeit abläuft und für die Zukunft beabsichtigt wird“, so Schulz. 

Marcel Borisch plädiert dafür, weiter mit Interessenten in Kontakt zu stehen. Auch, um im Gespräch zu bleiben. Arbeit haben die Regionalmanager trotz der zu Ende gehenden Förderperiode noch genug. 

Das Management Sachsenkreuz werde es in der jetzigen Form noch bis Juni 2023 geben. Schwerpunkte seien laut Kerstin Fiedler unter anderem die Beratung zu Förderungen, die Betreuung des Regionalbudgets sowie die Auswertung von 2014 bis 2020. Aber auch die Vorbereitung auf die neue Leader-Periode gehöre mit zu den jetzigen Aufgaben.

Was ist genau ist unter dem Leader-Programm zu verstehen?

Im Leader-Programm wird mit Geld aus EU-Fonds die ländliche Entwicklung in EU-Staaten gefördert. In Sachsen gibt es 30 verschiedene Leader-Regionen, in denen die Vertreter selbst über die Verwendung des Geldes entscheiden können. „Das ermöglicht ortsansässigen Akteuren die Teilhabe“, erklärt Steffi Möller.

Bürger, Unternehmen, Vereine und Gemeinden können von der Förderung profitieren. Sie müssen ihre Vorschläge beim Leadermanagement einreichen. Ein Entscheidungsgremium wählt bestimmte Vorhaben aus, die Bewilligung erfolgt schließlich durch die Landkreise.

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