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Kinderhaus Sitten: Alles auf Anfang

Jeannette Hanschmann hat die Leitung der Leisniger Einrichtung übernommen. Dort möchte sie etwas ändern.

Zu jedem Spaß bereit, ist die neue Leiterin des Kinderhauses Jeannette Hanschmann. Erst zwei Tage, bevor sie ihre neue Aufgabe übernahm, hat sie die letzte von mehreren Ausbildungen abgeschlossen.
Zu jedem Spaß bereit, ist die neue Leiterin des Kinderhauses Jeannette Hanschmann. Erst zwei Tage, bevor sie ihre neue Aufgabe übernahm, hat sie die letzte von mehreren Ausbildungen abgeschlossen. © Lars Halbauer

Leisnig. Eine ihrer eigenen Erzieherinnen im Kindergarten hat Jeannette Hanschmann geprägt.

„Sie hat ihren Job mit Leib und Seele gemacht“, erzählt die Colditzerin. Zu DDR-Zeiten war in den Kindereinrichtungen vieles vorgegeben und einheitlich. Alle haben zur selben Zeit die gleichen Bilder gemalt, die dann auch ähnlich aussahen. Und alle haben gleichzeitig auf dem Bauteppich gespielt.

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„Aber diese Erzieherin war anders. Sie hat uns frei handeln lassen. Sie hatte ein ganz tolles Gefühl für den Umgang mit Kindern“, sagt Jeannette Hanschmann. Schon damals, als Fünf-/Sechsjährige, habe sie gewusst, dass auch sie Erzieherin werden will. „Bis heute kann ich mir nichts anderes vorstellen“, meint sie.

1996 begann die heute 41-Jährige die Lehre zur Kinderpflegerin. Aber bei dieser einen Ausbildung blieb es nicht. „Mit dem ersten Kind habe ich die Weiterbildung zur Heilerziehungspflegerin absolviert und mit dem zweiten Kind die Ausbildung zur Erzieherin“, sagt sie. Doch auch das habe ihr noch nicht gereicht. „Ich habe gemerkt, dass ich an meine geistige Decke stoße.“ Es folgte das Studium zum Bachelor für soziale Arbeit.

Erzieherinnen leben ihre Arbeit

Alle Ausbildungen meisterte sie berufsbegleitend. Erfahrungen hat die engagierte Erzieherin in der Arbeit in der Krippe, in der Kita, im Hort und in der Lernförderung. Zuletzt war sie als kommissarische Leiterin von Einrichtungen in Trebsen und Neukieritzsch eingesetzt.

„Dann kam die Ausschreibung für die Stelle im Kinderhaus Sitten. Auf die habe ich mich auf gut Glück beworben.“ Seit dem 1. September ist sie nun die neue Leiterin des Kinderhauses. Erst zwei Tage davor hat sie ihre letzte Prüfung des Studiums erfolgreich abgeschlossen.

Bei allem, was sie erreicht und erlebt hat, dachte sie auch immer wieder an ihre damalige Erzieherin zurück. „Mit Menschen, die so denken und handeln wie sie, arbeite ich am liebsten zusammen“, sagt Jeannette Hanschmann. 

Und solche Menschen seien die Mitarbeiter des Kinderhauses Sitten, erzählt sie sichtlich begeistert. Keine der sechs Erzieherinnen und der zwei technischen Kräfte mache Dienst nach Vorschrift. „Die Erzieherinnen leben ihre Arbeit – für die Kinder. Und wenn es mal etwas länger geht, ist das auch kein Problem. Das ist total klasse“, meint sie.

Kinder bestimmen mit

Derzeit werden im Kinderhaus zwei Kinder unter drei Jahren betreut. Ein Drittes ist angemeldet. Acht Mädchen und Jungen spielen und lernen im Kindergartenbereich. Kapazität wäre für 15. Und mittags kommen 88 Grundschüler im Hort dazu. Damit ist er voll belegt.

Während der Ferien sind die Hortkinder natürlich den ganzen Tag in der Einrichtung der Stadt Leisnig. „Und sie entscheiden bei der Feriengestaltung“, sagt die Leiterin. In der Schulzeit bestehe dazu keine Möglichkeit. Dann seien die Nachmittage durch Hausaufgaben- und Busabfahrtszeiten sehr strukturiert. 

Aber in der Ferien werde montags gemeinsam beraten. Und so wurde in dieser Woche auf Wunsch der Kinder unter anderem ein Apfelkuchen gebacken, es gab einen Waldtag und sie haben Tassen, Teller und Teelichter bemalt.

Neue Konzeption geplant

Gemeinsam mit den Erzieherinnen möchte Jeannette Hanschmann die Konzeption des Kinderhauses Sitten grundlegend überarbeiten. Die Richtung sei noch offen. „Wir setzen alles auf Anfang. Im Moment holen wir die Kinder dort ab, wo sie stehen“, sagt sie. Wichtig sei eine altersgerechte Förderung der Zwei- bis Sechsjährigen. Die Angebote würden so gesteuert, dass für alle stets etwas Neues dabei sei, es aber auch Wiederholungen gebe. Die Schulanfänger hätten dabei insgesamt mehr Freiheiten. 

Um jedem Alter gerecht zu werden, sei eine enorme Vorbereitung notwendig. „Da ziehe ich vor den Erzieherinnen den Hut“, sagt die Leiterin. Die Hortkinder der ersten und zweiten Klasse werden gemeinsam im Kinderhaus betreut, die Dritt- und Viertklässler in Horträumen der Grundschule Sitten.

Auch, wenn die Zeit schwer sei, sieht es Jeannette Hanschmann positiv, dass Kitas und Schulen während des kommenden Corona-Lockdowns geöffnet bleiben. „Wir versuchen, die Gruppen soweit wie möglich voneinander zu trennen“, sagt sie. Nach dem Waschen der Hände werden diese desinfiziert. 

Die Eltern tragen beim Bringen und Holen der Kinder Maske und warten im Vorraum, in den die Kinder gebracht werden oder allein kommen. Aber alle Vorgaben seien nicht umsetzbar. Die Erzieherinnen betreuen immer dieselbe Gruppe. „Wenn jedoch eine Kollegin krank oder zur Weiterbildung ist, springe ich dort ein“, so die Leiterin.

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