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Altes Waldheimer Kino unter dem Hammer

Das ehemalige Capitol steht schon lange leer und verfällt. Nun wurde es versteigert und es gibt mehrere Interessenten.

Das ehemalige Kino „Capitol“ an der Waldheimer Bahnhofstraße hat einen neuen Besitzer. Die Immobilie wurde in Chemnitz versteigert.
Das ehemalige Kino „Capitol“ an der Waldheimer Bahnhofstraße hat einen neuen Besitzer. Die Immobilie wurde in Chemnitz versteigert. © Dietmar Thomas

Waldheim. Noch immer sticht das rosafarbene Gebäude aus der Häuserzeile an der unteren Bahnhofstraße in Waldheim heraus. Aber die Fassade ist schmutzig. Im Erdgeschoss bröckelt der Putz, Wände und Glastüren sind mit Graffiti beschmiert. Aus dem Dach scheint ein Baum zu wachsen. Drei der vier Schaukästen stechen dagegen hervor. Die Scheiben sind blank geputzt. Der SV Aufbau Waldheim nutzt die Flächen als Informationstafeln.

Seit Donnerstag hat das ehemalige Kino Capitol einen neuen Besitzer. Das Gebäude wurde am Amtsgericht Chemnitz zwangsversteigert. 2.000 Euro sollten Interessenten für das Objekt mindestens zahlen, das in der Vita für die Versteigerung als unsaniert und in einem desolaten Zustand beschrieben wird. 

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Es habe unter anderen eine kaputte Dacheindeckung, der Dachstuhl sei vermutlich einsturzgefährdet und räumlich mit dem Nachbargebäude verbunden und es gebe keinen Hausanschluss für Strom. Im Grundbuch ist eine Nutzfläche von 340 Quadratmetern eingetragen.

Nach Informationen von Sächsische.de hat es zwei Bieter gegeben. Den Zuschlag habe ein Waldheimer erhalten. Wie viel er für die Immobilie geboten hat, ist nicht bekannt.

Kino, Disco, Spielothek: Die Geschichte des Gebäudes

Das um das Jahr 1900 gebaute Haus Bahnhofstraße 11 a ist schon seit Jahren ungenutzt. Im ursprünglichen Kino gingen im Jahr 1994 die Lichter aus. Später konnten die Waldheimer in den Räumen zu Discomusik tanzen. Vom letzten Nutzer, der in dem Haus eine Spielothek betrieb, hängt das Schild noch über dem Eingang.

Doch die längste Zeit wurden in dem Saal mit 400 Plätzen Filme gezeigt. Das Capitol war eines von zwei Kinos in Waldheim. Das Zweite, das Regina, befand sich gegenüber dem Bahnhof, hatte nur die halbe Platzkapazität des Capitols und wurde bereits im Jahr 1962 geschlossen.

Gegründet wurde das Capitol von Fritz Banzer, der auch das Regina betrieben hat. „Zu DDR-Zeiten wurde das Capitol total renoviert“, erinnert sich Ex-Bürgermeister und Hobby-Historiker Karl-Heinz Teichert. Für die Waldheimer Heimatblätter „Unser altes Handwerk“ hatte er sich mit dem früheren Filmvorführer Karl-Heinz Küchler unterhalten. Dieser hat ab 1952 33 Jahre lang im Capitol und auf der Freilichtbühne am damaligen Fucikplatz sowie aushilfsweise auch im Regina gearbeitet.

Damals eines von zwölf Kinos im Altkreis Döbeln

Zu DDR-Zeiten erhielten die Kinos eine staatliche Unterstützung. Deshalb war der Eintritt sehr preiswert. „In den ersten zwei, drei Reihen kostete der Platz 45 Pfennig. Die Preise haben sich über 65 und 95 Pfennige bis zu 1,45 Mark gesteigert“, so Teichert. Die enthaltenen 5 Pfennige waren der sogenannte Kultur-Fünfer der DDR. Nach der Wende habe die Eintrittskarte im Durchschnitt 4 D-Mark gekostet. Zu den beliebtesten Filmen habe in den 1950er-Jahren „Das doppelte Lottchen“ gehört.

Die Kinozeiten hätten im Capitol und Regina stets um eine halbe Stunde versetzt begonnen. Denn vor jedem Film wurde der „Augenzeuge“, eine Art Wochenschau gezeigt. Der Augenzeuge sei aber stets nur einmal vorhanden gewesen und die Filmrolle deshalb – meist mit Handwagen – von einem zu anderen Kino gefahren worden.

Auch Werbung habe es damals schon gegeben. Die stellte der künstlerisch begabte Filmvorführer teilweise selbst her. „Er hat kleine Dias mit Hinweisen auf Waldheimer Betriebe gestaltet“, so Teichert.

Das Waldheimer Capitol war eins von zwölf Kinos im Altkreis Döbeln. Außerdem gab es den „Landfilm“, eine mobile Einrichtung, die in bis zu 80 Dörfern Filme gezeigt hat.

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