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Bleiben die Schlüssel im Rathaus?

Die Karnevalisten bringen gute Laune in der dunklen Jahreszeit. Normalerweise. Doch diesmal ist die Stimmung getrübt.

Eine Schlüsselübergabe wie in den Vorjahren – hier vor dem Döbelner Rathaus an den Limmritzer Faschingsclub – wird es an diesem 11.11. nirgendwo geben.
Eine Schlüsselübergabe wie in den Vorjahren – hier vor dem Döbelner Rathaus an den Limmritzer Faschingsclub – wird es an diesem 11.11. nirgendwo geben. © Archiv: André Braun

Region Döbeln. Die Karnevalsvereine müssen ihre Auftaktveranstaltungen am 11.11. absagen. Die Schlüssel bleiben voraussichtlich in den Rathäusern. Ob das närrische Treiben nachzuholen ist, bleibt offen. Das stimmt viele traurig.

Carneval Club Leisnig ist vorsichtig optimistisch

Noch Ende September nach ihrer Hauptversammlung waren die Leisniger Karnevalisten voller Hoffnung, dass sie ihre 68. Karnevalssaison durchziehen können, wenn auch etwas kleiner. Das Hygienekonzept stand. Auch ihr Motto hatten die Leisniger thematisch angepasst: „Ist auch verrückt die ganze Welt – der CCL zur Stange hält“. Nun, wenige Wochen später sieht es anders aus.

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„Die Veranstaltung am 11.11. auf dem Markt ist abgesagt,“ sagt Karnevalspräsident Mario Richter. „Aufgrund der Vorschriften können wir nichts machen.“ Sein Humor ist ihm aber geblieben: „Ich müsste alle adoptieren, dann kämen alle aus einem Haushalt“, fügt er hinzu. Was aus den geplanten Veranstaltungen vom 12. bis 15. Februar 2021 in der Zimmermann-Turnhalle wird, könne er noch nicht sagen, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. 

Die Situation wirkt sich natürlich auf die Stimmung aus. Viele sind traurig, viele haben auch gesundheitliche Bedenken und sagen die Proben ab. Bei vielen ist aber der Blick nach vorn gerichtet: „Wenn wir nicht in diesem Jahr feiern können, dann verschieben wir das ganze auf nächstes Jahr“, so Richter.

Spindelfaschingsclub Waldheim-Hartha dreht Videoclips

Gemeinsam mit dem Karneval Klub Reinsdorf holen sich die Spindelnarren normalerweise am 11.11. den symbolischen Schlüssel des Waldheimer Rathauses bei Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) und verbreiten gleichzeitig mit Musik und Fettbemmchen gute Stimmung auf dem Waldheimer Markt. Doch daraus wird diesmal nichts. 

Trotz, dass das Rathaus geschlossen ist, hat Uwe Kuhnert, Präsident des Spindelfaschingsclubs noch eine kleine Hoffnung, den Schlüssel zu bekommen. „Ich habe beim Bürgermeister angefragt, ob ich ihn alleine holen kann“, so Kuhnert. „Wir können die fünfte Jahreszeit ja nicht aus dem Kalender streichen.“ Die Entscheidung, ob und wie eine Schlüsselübergabe erfolgt, falle aber erst am Montag. Nicht nur dafür hat Kuhnert bereits Alltagsmasken mit Vereinslogo genäht.

Die erste Veranstaltung am 14. November sollte ursprünglich ins Freie verlegt werden. „Aber aufgrund der Temperaturen und, dass kein Alkohol ausgeschenkt werden darf, haben wir die Idee wieder verworfen“, so Kuhnert. Trotz, dass sich die Mitglieder des SFC in den vergangenen Monaten getroffen, Ideen gesammelt und ein Motto festgelegt haben, sagt der Verein alle Veranstaltungen dieser Saison ab. 

Seine Fans will er aber nicht ganz enttäuschen. „Wir wollen Videoclips drehen und sie ab dem 14. November auf Facebook und unserer Internetseite veröffentlichen“, sagt der Präsident.

Karneval Klub Reinsdorf würde Motto für 2022 aufheben

Im November wird es definitiv keine Veranstaltung geben, so KKR-Präsident Ralf Gühne. Wie es mit der Saison weitergeht, bleibe abzuwarten. Sicher ist sich Gühne aber, dass es keine Saal-Veranstaltungen geben wird. „Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass die Saison komplett ausfällt“, meint er. 

Im Februar haben die Reinsdorfer im Gasthof Hoyersdorf immer eine Abend-, eine Senioren- und eine Kinderveranstaltung angeboten. Die Kindertanzgruppe und die Funken haben im Sommer trainiert. „Wir haben uns Gedanken über das Programm gemacht und ein Motto im Kopf,“ so Gühne. Notfalls werde all das für die Saison 2021/22 aufgehoben.

Karneval Club Haßlau trifft es besonders hart

„Wir sind sehr frustriert“, sagt KCH-Präsident Oliver Rühle. „Wir haben ein schönes Programm vorbereitet – auch für die Kinder.“ Und ein Hygienekonzept. Aber die jetzige Situation lasse weder eine Aktion am 11.11. noch eine Veranstaltung zu.

Besonders enttäuschend sei es für die Kinder des KCH. „Sie haben wochenlang trainiert und keine Möglichkeit, aufzutreten. Das drückt die Stimmung“, sagt Rühle. Trotzdem ist er ganz, ganz vorsichtig optimistisch, dass es vielleicht im Februar doch eine Möglichkeit gibt, dass sich der Verein präsentieren kann. Denn es ist seine 50. Saison. „Das ist besonders hart“, erklärt der KCH-Präsident.

Limmritzer Faschingsclub denkt über Alternativen nach

Auf dem Döbelner Obermarkt wird es am Mittwoch weder ausgelassene Stimmung noch Pfannkuchen geben. Die Stadt hat den Faschingsauftakt abgesagt. Den bestreitet seit einigen Jahren der LFC. Präsident Matthias Friedrich sagt: „Die Absage war absehbar.“ Vorbereitungen seien für diesen Auftritt nicht nötig. Der werde aus Programmpunkten der Vorjahre bestritten. 

Der Verein selbst sagt auch die Veranstaltungen im Februar ab. „Auch wenn wieder Lockerungen kommen sollten, könnten wir das Hygienekonzept nicht umsetzen“, so Friedrich.

Außerdem mache es keinen Spaß, wenn nicht getanzt und ab 22 Uhr kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf. Dazu komme die Unsicherheit bei der Bevölkerung. Der Verein mache sich aber viele Gedanken über eine Alternative, „um zu zeigen, dass wir noch da sind,“ so Friedrich.

Carnevalsclub der Muldenschiffer zu Westewitz plant Überraschungen

„Die Schlüsselübergabe beim Bürgermeister und die sich anschließende große Party mit den Kindern der Kita und der Grundschule – das alles muss ausfallen“, sagt Präsidentin Kerstin Schmiedchen. Aber sang- und klanglos soll der 11.11. in Großweitzschen nicht verlaufen. „Wir planen ein paar Überraschungen, so haben wir es angekündigt“, so Schmiedchen weiter. 

Fest steht schon, dass der Saalfasching im Februar ebenfalls nicht stattfinden kann. Stattdessen wollen die Muldenschiffer zu einem Umzug durchs Dorf einladen, bei dem heitere Dorfgeschichten während des Rundgangs erzählt und gespielt werden. 

Und da der Verein vorausschauend gewirtschaftet habe, sei die finanzielle Situation wegen der fehlenden Einnahmen nicht existenzbedrohend. „Die Verträge für die Saalbuchung hatten wir bewusst noch nicht geschlossen. Daher fallen uns diese Kosten nicht auf die Füße.“

Schrebitzer Carneval Club hofft auf eine Mini-Schlüsselübergabe

Der Karnevalsauftakt ist abgesagt. „Bei uns wird nicht lange rumgeeiert, der SCC mit Brille feiert“ – mit diesem Motto wären die Schrebitzer in die diesjährige Karnevalssaison gestartet. Aber die Party muss ausfallen. Das betrifft zum einen die Party am 14.11. und den Faschingsauftakt am 11.11.. „Dieser lässt sich nicht in gewohnter Weise mit dem Ansturm auf das Ostrauer Gemeindeamt und die Party im Kindergarten durchführen“, sagt Thomas Lohse. 

Die Schrebitzer haben eine andere Idee. „Vielleicht lässt sich der Bürgermeister davon überzeugen, uns den Schlüssel doch noch zu übergeben – im Paket verpackt mit ein paar Geldscheinen, damit es nicht so sehr klappert“, scherzt Lohse.

Für die Veranstaltungen im Februar hegen die Schrebitzer noch ein Fünkchen Hoffnung, sie noch durchführen zu können. Abhängig sei dies aber von den aktuell geltenden Auflagen. Letztlich müsse sich eine Party auch rechnen. Es sei nur schade, dass die Kinder derzeit nicht tanzen dürften, sagt Vereinsvorsitzende Peggy Dietrich-Lohse. 

Sobald dies erlaubt ist, sollen die Proben wieder beginnen. Und natürlich werden die Einnahmen fehlen. Der Schrebitzer Carneval Club hat auf dem Mittelweg sein Vereinshaus. Dafür fallen nicht nur Mietgebühren an, sondern auch Nebenkosten, die der Verein aus der eigenen Kasse stemmen muss.

Karnevalsverein Zschaitz-Ottewig verzichtet auf Rundfahrt

Am 11.11. kann nichts stattfinden. Der Auftakt muss ausfallen. Die Zschaitzer Karnevalisten wären herumgefahren, hätten einen Stopp in der Kita eingelegt, den Schlüssel vom Bürgermeister geholt und noch einen Umtrunk gemacht.

 „Auch die Faschingspartys im Februar werden ausfallen, das steht fest“, sagt Präsidentin Ina Plato. Vorbereitet hatten die Zschaitzer noch nichts. Da die Vorbereitungen für die nächste Saison sowieso erst im September gestartet wären, ist noch nichts passiert. „Wir halten uns an die Auflagen, passen aufeinander auf und wünschen, dass andere dies auch tun“, sagt die Chefin der Karnevalisten in Zschaitz. (mit ddb)

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