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Choren: 500 Jahre altes Haus wird eingerissen

Eigentlich steht es unter Denkmalschutz. Aber das alte Wohnhaus in Choren ist zur Gefahr geworden und die Eigentümerin nicht auffindbar.

Das Wohnhaus des Brauschenkengutes in Choren, das die Stadt einreißen lässt, stammt wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert. Das alte Sitznischenportal soll geborgen und eingelagert werden.
Das Wohnhaus des Brauschenkengutes in Choren, das die Stadt einreißen lässt, stammt wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert. Das alte Sitznischenportal soll geborgen und eingelagert werden. © Jens Hoyer

Es ist eines der ältesten Häuser in Choren, wenn nicht das älteste überhaupt. Jetzt ist das Wohnhaus des sogenannten Brauschenkengutes Geschichte. In den vergangenen Tagen hat eine Firma mit dem Bagger die dicken Bruchsteinmauern bis auf Höhe des Erdgeschosses abgetragen.

 Das Haus war in einem so ruinösen Zustand, dass es für andere gefährlich wurde. Weil sich die Eigentümerin nicht um das Haus gekümmert hat, ist jetzt die Stadt Döbeln zur Tat geschritten. Ersatzvornahme nennt man so etwas. Derartige Abrisse gehören zu den unangenehmen Aufgaben, wie Döbelns Baudezernent Thomas Hanns sagt. „Mir tut das in der Seele weh. Es wäre besser gewesen, die Eigentümerin hätte es saniert.“

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Risse und abgestürzte Dachziegel

Mit den Jahren sei das Gebäude immer mehr zur Gefahr geworden. Es habe Senkungen und Risse gegeben. Dachziegel seien regelmäßig auf das Nachbargrundstück auf der einen und die öffentliche Straße auf der anderen Seite gefallen. Außerdem führt die Kreisstraße, früher B 175, direkt an einer Hausecke vorbei. Der Abriss sei mit der Denkmalschutzbehörde abgesprochen worden.

Wertvolles Sitznischenportal

Wahrscheinlich stammt das Haus aus dem 15. Jahrhundert. Besonders wertvoll wird es durch ein sogenanntes Sitznischenportal aus der Zeit der Renaissance – es gibt nicht mehr viele in der Region. Wie Hanns sagte, soll es geborgen und eingelagert werden. Es könnte später wieder in ein anderes Haus einbaut werden.

Das Haus ist das letzte Überbleibsel des Brauschenkengutes, das einmal bedeutend war. Bis 1945. Dann wurde der letzte Besitzer enteignet, das Gut zerstückelt und unter Neubauern aufgeteilt. Große Teile waren damals abgerissen worden. Das Wohnhaus blieb stehen und bewohnt. „Die Mieter hatten ein Stück Garten auf der anderen Straßenseite. Da konnten sie wenigstens Wäsche aufhängen“, sagte Gunter Weber, früherer Mochauer Bürgermeister. 

Das Brauschenkengut sei früher ein Nebengut des Chorener Schlosses und verpachtet gewesen. Wie der Name sagt, wurde dort Bier gebraut. Bis zum Ersten Weltkrieg. „Mein Großonkel Martin Risse war der letzte Braumeister“, erzählte Weber.

Gemeinde Mochau hat Haus verkauft

Das Haus war  im Besitz der Gemeinde Choren, später Mochau, und die hat es nach der Wende verkauft. „Es wollte jemand etwas draus machen. Aber es ist nichts daraus geworden“, sagte Weber.

Die Stadt hat die Eigentümerin des Hauses nicht ausfindig machen können. Erst nach einem aufwendigen Verfahren konnte die Kommune tätig werden.

Weitere Pläne hat die Stadt mit dem Grundstück in Choren derzeit noch nicht, sagte Baudezernent Hanns. In Limmritz, wo die Verwaltung vor einigen Wochen ein anderes Wohnhaus hatte einschieben lassen, sieht das anders aus. Die Stadt will das Grundstück erwerben. Dort könnte eine kleine Grünanlage entstehen, sagte Hanns. „Das bietet sich an. Das Grundstück liegt im Kurvenbereich, jetzt kann man die Straße viel besser einsehen.“

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