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"Das Gewissen über den Gehorsam gestellt"

General Friedrich Olbricht, der aus Leisnig stammt, war einer der Köpfe der Attentatspläne gegen Hitler. Er bezahlte das mit dem Leben.

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General Friedrich Olbricht stammte aus Leisnig.
General Friedrich Olbricht stammte aus Leisnig. © Wikimedia/ADN-ZB/BArch Bild 183-R66036

Leisnig. Die Ausstellung der François Maher Presley Stiftung, die ab Mai in Leisnig zu sehen ist, informiert auch über den aus Leisnig stammenden Widerstandskämpfer und hochdekorierten General der Infanterie Friedrich Olbricht (1888 bis 1944), der 1944 am Attentat auf Adolf Hitler beteiligt war.

Sächsische.de sprach mit Generalmajor Norbert Wagner (59), Kommandeur des Ausbildungskommandos der General-Olbricht-Kaserne Leipzig, über Friedrich Olbricht, sein Wirken und seine Bedeutung.

Der einzige Bundeswehr-Standort in Leipzig trägt den Namen General-Olbricht-Kaserne. Wie sieht das Gedenken an General Olbricht im Alltag der Kaserne aus?

Am Kaserneneingang haben wir den deutlich sichtbaren Schriftzug „General-Olbricht-Kaserne“ angebracht. Zusätzlich haben wir einen Gedenkstein, an dem wir jährlich am 20. Juli eine Gedenkfeier unter Beteiligung aller Dienststellen der Kaserne und mit Vertretern aus der Politik und des öffentlichen Lebens durchführen.

Uns Soldatinnen und Soldaten ist der Name Friedrich Olbricht sehr geläufig, da uns die Bedeutung der Taten der militärischen Widerstandskämpfer bereits frühzeitig in der soldatischen Ausbildung vermittelt werden.

Generalmajor Norbert Wagner ist Kommandeur des Ausbildungskommandos der General-Olbricht-Kaserne Leipzig.
Generalmajor Norbert Wagner ist Kommandeur des Ausbildungskommandos der General-Olbricht-Kaserne Leipzig. © privat

Welche Rolle spielte General Friedrich Olbricht in Vorbereitung des Attentats vom 20. Juli 1944?

General Friedrich Olbricht war einer der führenden Köpfe von vielen Beteiligten am militärischen Widerstand gegen das Unrechtsregime der Nationalsozialisten. 1940 wurde er General der Infanterie und führte das Allgemeine Heeresamt im Oberkommando der Heeresleitung.

Zwei Jahre später, bei einem Treffen mit Henning von Tresckow und Carl Friedrich von Goerdeler, erklärte er seine Bereitschaft, Vorbereitungen für einen Umsturz zu treffen. Er gewann außerdem Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim für den gewaltsamen Umsturz, die „Operation Walküre“.

Das Attentat und die Vorbereitungen machen folgende Umstände so besonders: Alle Beteiligten waren hochdekorierte Soldaten, Offiziere, Berufssoldaten, die in der Reichswehr und vor allem der Wehrmacht Karriere machten. Sie wussten um die Verbrechen der Wehrmacht und um die aussichtslose Situation im Krieg.

Sie waren nicht einverstanden mit der Vernichtung ganzer Völker im Osten. Sie waren absolut unzufrieden mit der Führungsstruktur der Wehrmacht unter Adolf Hitler und den verteilten chaotischen Verantwortlichkeiten darunter. Sie erkannten, dass Deutschland den Krieg personell und materiell nicht durchhalten konnte.

Eine nüchterne Lagebeurteilung hätte zur Entscheidung führen müssen, sich ruhig zu verhalten, den Niedergang abzuwarten und auf ein besseres Leben nach dem Krieg zu hoffen. Aber nicht die pure Logik, sondern ihr Gewissen war die Richtschnur ihres Handels.

In einer völlig aussichtslos erscheinenden Situation haben diese Offiziere Mut und die Entschlossenheit zu handeln gezeigt, und sie haben in vollem Bewusstsein ihr Gewissen über den Gehorsam gestellt.

Welche Lehren werden aus den damaligen Ereignissen und Vorgehensweisen gezogen?

Die Taten der Widerstandskämpfer sind eine von drei Säulen des Traditionsverständnisses der Bundeswehr. Der „Aufstand des Gewissens“ ist heute noch das Vermächtnis der zivilen und militärischen Widerstandskämpfer. Das Gewissen muss für uns ein entscheidender Maßstab sein.

Es steht vor dem Gehorsam, vor Bestimmungen und Vorschriften und manchmal sogar vor dem niedergeschriebenen Gesetz. Unseren Eid als Soldatinnen und Soldaten, als „Staatsbürger in Uniform“, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ verstehen wir in diesem Sinne.

Immer weniger Jugendliche wissen etwas mit dem Namen Friedrich Olbricht anzufangen. Wie lässt sich das aus Ihrer Sicht ändern? Und wie wird an den 20. Juli 1944 erinnert?

Am 20. Juli führen wir in Leipzig in der Kaserne jährlich eine Gedenkveranstaltung durch. Dazu laden wir auch Vertreter aus der Politik und des öffentlichen Lebens ein. Insbesondere, weil die Taten der militärischen Widerstandskämpfer auf gleicher Stufe neben denen der zivilen Widerstandskämpfer stehen.

Wir setzen ein Zeichen der Erinnerung und versuchen dadurch, das Andenken an General Friedrich Olbricht und seiner Kameraden des militärischen Widerstands wachzuhalten. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit kann man nicht oft genug an die Bedeutung des Widerstands gegen die Nationalsozialisten erinnern.

Es fragte: Dagmar Doms-Berger

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