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Wie im Raum Döbeln gesunder Wald nachwachsen kann

Das Klima und die Folgen stellen Waldbesitzer vor neue Herausforderungen. Um diese zu bewältigen, bieten Forstexperten und der Staat Hilfen an.

Diese jungen Ulmen, auf die Revierförster Dirk Tenzler hier zeigt, haben sich auf einer Privatwaldfläche im Zweiniger Grund ausgesät. Dort wird bereits auf die Selbstverjüngung des Waldes gesetzt. Ganz ohne den Mensch klappt Wiederaufforstung nicht.
Diese jungen Ulmen, auf die Revierförster Dirk Tenzler hier zeigt, haben sich auf einer Privatwaldfläche im Zweiniger Grund ausgesät. Dort wird bereits auf die Selbstverjüngung des Waldes gesetzt. Ganz ohne den Mensch klappt Wiederaufforstung nicht. © Thomas Kube

Region Döbeln/Roßwein. Der Wald macht vielerorts in Deutschland einen bemitleidenswerten Eindruck. Vom Borkenkäfer befallene Fichten, die kaum noch eine Nadel aufweisen, sind auch in der hiesigen Region keine Seltenheit. Vorher gab es schon teilweise enorme Schäden durch Windbruch.

Doch was wird aus diesen Flächen, wenn kranke und umgestürzte Bäume aus dem Wald geschafft sind? Antworten darauf hat Revierförster Dirk Tenzler, der im Altkreis Döbeln und darüber hinaus Ansprechpartner für Privat- und Körperschaftswald ist. Letzter gehört Kommunen oder Kirchgemeinden.

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Nach drei Jahren sollte auf Schadflächen was passieren

Für den 14. September lädt der Chef der Revierförsterei Döbeln zu einer Informationsveranstaltung ein. Dabei geht es um die Wiederbewaldung von Schadflächen in Nadel- und Laubholz. Treffpunkt ist um 15 Uhr im Lindigt bei Otzdorf.

Dorthin geht es an der Kirche vorbei Richtung Reichenbach. Eine Wegbeschreibung gibt es von Dirk Tenzler bei der Anmeldung. Die ist unbedingt erforderlich, weil die Zahl der Teilnehmer begrenzt werden muss.

Ansprechen möchte der Revierförster private Waldbesitzer in Otzdorf und darüber hinaus. Der eine oder andere hat vom Landratsamt womöglich schon die Aufforderung erhalten, sich seiner Flächen anzunehmen, auf denen der Borkenkäfer den Fichtenbestand vernichtet hat oder vorher Unwetterschäden entstanden waren. Denn spätestens nach drei Jahren sollten die wieder angepackt werden.

Gute Beispiele gibt es schon

Dass etwas passiert ist, sieht der Laie möglicherweise erst nach Hinweis durch den Fachmann. So zum Beispiel auf einer knapp drei Hektar großen Fläche am Waldparkplatz an der S39 nahe Naußlitz.

Das Grundstück, das einer Familie aus einem der Nachbarorte gehört und von ihr auch bewirtschaftet wird, sieht auf den ersten Blick mitnichten wie eine Wiederaufforstungsfläche aus. Weder Baumreihen sind erkennbar noch Bäume in etwa der gleichen Art oder Größe.

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Doch genau das ist gewollt: die natürliche Waldverjüngung. Hier an dieser Stelle am Weg zur Margarethenmühle funktioniert sie prima, findet Dirk Tenzler. Er weiß, dass vor ein paar Jahren vereinzelt Bäume wie Rotbuchen gepflanzt worden sind, die später einmal in keinem Wald fehlen sollen.

Auch diese beiden Fichten haben den Borkenkäferangriff nicht überlebt. An vielen Stellen sind großflächig braune Wälder entstanden. Spätestens nach drei Jahren sollten auf solchen Schadflächen Wiederaufforstungen beginnen.
Auch diese beiden Fichten haben den Borkenkäferangriff nicht überlebt. An vielen Stellen sind großflächig braune Wälder entstanden. Spätestens nach drei Jahren sollten auf solchen Schadflächen Wiederaufforstungen beginnen. © Thomas Kube

Ansonsten wird das Areal noch weitgehend den Pionierhölzern überlassen: Zitterpappeln, Ebereschen oder Birken. Auf dem Waldboden haben Brombeerbüsche die Oberhand. „Das ändert sich, wenn die Bäume größer sind und Schatten werfen“, sagt der Revierförster.

Was sich jetzt von selbst am Rande des Maschendrahtzaunes, der vor Wildverbiss schützen soll, entwickelt, entspricht genau der Förderrichtlinie. Die sagt nämlich, dass eine Waldrandzone ausgebildet werden soll. Vogelbeer- und andere Büsche und Sträucher sollen idealerweise die Überleitung zwischen Weg und Wald bilden und Kleintieren Lebensraum geben.

Unendlich kann sich der Wald aber nicht selbst überlassen werden. „Irgendwann muss jemand in die Brombeerhecken rein und die Bäume auswählen, die stehenbleiben sollen“, sagt Dirk Tenzler und zeigt auf eine Hand voll junger Ulmen. Das erfordere Sachkenntnis und eine große Portion Enthusiasmus. Und: „Es ist anstrengend“, weiß der Forstfachmann.

Fachleute für Jungwuchspflege sind rar

Er würde es daher begrüßen, wenn die Waldbewirtschaftung wieder zur Familiensache wird – so, wie es früher schon einmal war. Wenn Eltern oder Großeltern ihre Kinder mit in den Wald nehmen und ihnen dort das Wissen vermitteln, das benötigt wird, dann habe der Wald eine Chance.

Dirk Tenzler kennt solche Familien, bei denen das gut funktioniert. Aber zu den etwa 1.700 Privatwaldbesitzern, die er betreut, gehören auch ältere Menschen, deren Kinder mitunter weit weg wohnen und die weder Zeit noch das Wissen haben, sich der Aufforstung anzunehmen. „Hinzu kommt, dass es auch an Fachfirmen beziehungsweise -leuten mangelt, die die Jungwuchspflege übernehmen können“, so die Erfahrungen des Revierleiters.

Wenn er vom Wald der Zukunft spricht, dann stellt er sich eine „bunte Mischung“ zum Beispiel aus Küstentanne, Vogelkirsche, Eiche, Ahorn und Douglasie vor. Wie der Freistaat den Weg dorthin unterstützt, wird er den Waldbesitzern am 14. September ebenso erklären, zumal es unterschiedliche Arten der Förderung gibt.

Anmeldungen für die Informationsveranstaltung für Waldbesitzer bis spätestens 7. September unter der Handy-Nr. 0170/9223847 oder per Mail: [email protected]

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