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Döbeln: Sportlerehrung ohne Sportler

Um den Vereinen Mut zuzusprechen, hat die Stadt wenigstens die Vorsitzenden eingeladen. Die hoffen auf ein Ende der Einschränkungen.

Ralf Kruggel vom Karateverein „Kenbukan“ Döbeln hat von Oberbürgermeister Sven Liebhauser die Auszeichnung für seinen Verein entgegengenommen Sein Sohn Willi Kruggel war 2019 auf Bundesebene erfolgreich in seinem Sport.
Ralf Kruggel vom Karateverein „Kenbukan“ Döbeln hat von Oberbürgermeister Sven Liebhauser die Auszeichnung für seinen Verein entgegengenommen Sein Sohn Willi Kruggel war 2019 auf Bundesebene erfolgreich in seinem Sport. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das war eine ziemlich traurige Veranstaltung: Die Sportlerehrung in Döbeln hat am Dienstag ohne Sportler stattgefunden. Im vergangenen Jahr hatte sie im April wegen Corona gleich ganz ausfallen müssen. „Wir wollten sehen, ob wir das im Laufe des Jahres nachholen können“, sagte Michael Thürer vom Sportamt der Stadt.

Daraus wurde nichts. Jetzt hat die Stadt zumindest die Vorsitzenden zeitlich gestaffelt eingeladen, damit sie ihren Sportlern die Ehrengaben überreichen können. „Wir wollen den Sportvereinen damit auch zeigen, dass sie nicht vergessen sind und ihnen Mut zusprechen“, sagte Thürer.

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4.700 Sportler in Döbeln

In Döbeln gibt es derzeit 4.700 Sportlerinnen und Sportler, die in 31 Vereinen organisiert sind, sagte Bürgermeister Sven Liebhauser (CDU). Ein Großteil kann weder trainieren, noch strukturierten Übungs- und Wettkampfbetrieb bestreiten. „Welche negativen Auswirkungen der Wegfall von regelmäßigen, gemeinschaftlichen Sport- und Bewegungsaktivitäten auf das Sozialverhalten unserer Kinder und Jugendlichen haben wird, ist nur schwer zu erahnen.“

Für viele Kinder sei das Sporttreiben ein wichtiger Anker und die Teilnahme am sportlichen Vereinsleben normal. Das soziale „Aufgehobensein“ im Verein sei ein wichtiger Faktor beim Heranwachsen der Kinder. „Deshalb wird es höchste Zeit, dass das so wertvolle Vereinsleben wieder ermöglicht wird“, sagte Liebhauser.

Wieder Training für Kinder

Zumindest die Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre können seit vergangener Woche wieder im Außenbereich kontaktlos trainieren, sagte Thomas Kolbe, Präsident des Döbelner SC. Das nutzen die Fußballer und auch die Judoka des Vereins. „Für die Kinder und Jugendlichen ist das ein wichtiges Signal. Sie können sich endlich wieder an frischer Luft bewegen und bekommen mal wieder einen Rhythmus in den Alltag hinein“, sagte Kolbe.

Er fürchtet aber, dass es damit mit Verabschiedung des Infektionsschutzgesetzes wieder vorbei sein könnte. „Ich glaube nicht, dass durch das Sporttreiben im Freien unter Einhaltung der Bestimmungen die Zahlen der Infizierten steigen. Dieses Risiko ist gegenüber dem Wert des Sporttreibens zu vernachlässigen“, sagte Kolbe. „Natürlich werden wir uns trotzdem daran halten in der Hoffnung, dass das bald nur noch eine schlechte Erinnerung ist.“

Mitglieder halten zur Stange

Auf die Mitgliederzahlen hatten die Einschränkungen bisher keinen Einfluss, sagte Kolbe. „Ich bin sehr dankbar, dass die Mitglieder dabei geblieben sind.“ Das habe für den Verein auch einen wirtschaftlichen Aspekt. „Das Gras im Stadion wächst trotzdem und muss gemäht werden, Und die Beiträge an die Verbände sind trotzdem zu leisten“, so Kolbe.

Welche Auswirkung die Einschränkungen der Corona-Krise auf die Mitgliederzahlen des Vereins haben, kann Olaf Junges, Vorsitzender des ESV Lok Döbeln, nicht einschätzen. „Ich kann da bisher noch keine Prognose abgeben.“ Wie sich die Mitgliederzahlen bei den Erwachsenen entwickeln, bleibe abzuwarten. Im Kinder- und Jugendbereich sieht er nicht die Probleme. „Die sind alle heiß, wieder anzufangen“, sagte Junges. Die Fußballer im Nachwuchsbereich trainieren wieder. Allerdings habe seit mehr als einem Jahr keine Aktivitäten in Sachen Nachwuchsgewinnung stattfinden können.

Sport im Freien ohne Risiko?

Junges beklagt das Agieren der Politik in der Coronakrise. Seiner Einschätzung nach wäre zumindest Sport im Freien ohne größeres Risiko möglich. „Die machen seit einem Jahr dasselbe, ohne dass sich etwas ändert. Auf die Aerosolforscher wird nicht gehört. Ein Sportplatz ist groß genug, selbst bei einem Fußballspiel.“

Seit 1991 ehrt Döbeln jedes Jahr seine Sportler. Wie Michael Thürer sagte, habe er die Idee aus Unna mitgebracht. „Das hat mit gefallen. Wir waren eine der ersten Kommunen in Sachsen, die so eine Würdigungsveranstaltung hatte.“ Im vergangenen Jahr hatte die Sportlerehrung zum ersten Mal ausfallen müssen.

Geehrt wurden Sportler vieler Disziplinen, die auf Landes- oder Bundesebene erfolgreich waren, aber auch Einzelpersonen, die sich in den Vereinen engagieren. So unter anderem Günter Schär mit acht seiner Mitstreiter vom ESV Lok Döbeln. Sie hatten 35 Jahre lang die Wanderveranstaltung „Sachsen-Dreier“ organisiert, bei der insgesamt 58.000 Menschen über 1,25 Millionen Kilometer erwandert hatten.

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